Ryan David Jahn - Der Cop  (Heyne Hardcore)

Ryan David Jahn – Der Cop (Heyne Hardcore)

Mit seinem Roman “Ein Akt der Gewalt” (welcher auch bei Heyne Hardcore erschienen ist, hier meine Rezension dazu) gelang Ryan David Jahn ein imposantes, gewalttätiges aber auch sehr differenziertes und ausgefeiltes Debüt!
Nun liegt mit Der Cop (Heyne Hardcore, gebundene Ausgabe, 336 Seiten, 19,99€) ein weiterer Roman des Autors vor, der dieses mal eine rein fiktive Geschichte erzählt.

Ian Hunt ist ein desillusionierter, krampfhaft seinen Alkoholkonsum kontrollierender Polizist, dessen damals siebenjährige Tochter vor sieben Jahren aus ihrem Kinderzimmer entführt wurde.
Darüber ging seine Ehe so wie der Kontakt zu seinem Sohn in die Brüche, letztendlich entschloss man sich, das Mädchen offiziell für tot erklären zu lassen.
Auf Grund seines übermäßigen Alkoholkonsums hütet er nun in der Notrufzentrale das Telefon, welches, da er in einem eher überschaubaren Dorf wohnt, nur selten klingelt. Eines Tages jedoch tut es das, und am anderen Ende der Leitung spricht seine entführte Tochter, die sich aus den Fängen der Täter befreien konnte. Die Verbindung wird jedoch abrupt unterbrochen. Dies jedoch weckt Hunt aus seiner Lethargie, so dass er sich auf die Spur seiner Tochter begibt, und bald schon einen Zeugen findet, der ihm entscheidend weiterhelfen kann. Doch die Situation eskaliert fürchterlich und nimmt einen gefährlichen und gewalttätigen Lauf…

Ryan David Jahn wurde 1979 in Arizona geboren, und wuchs dort, so wie in Texas und Kalifornien auf. Er verließ mit 16 Jahren die Schule, um in einem Plattenladen zu arbeiten, dann verbrachte er kurze Zeit bei der Army, und hielt sich anschließend mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Sei 2004 arbeitet er als Drehbuchautor für Film und Fernsehen, bis er dann im Jahr 2009 sein Romandebüt Acts of violence – Ein Akt der Gewalt veröffentlichte, für den er Debut Dagger Award verliehen bekam. 2010 folgte dann Low Life (noch nicht in Deutschland erschienen) und 2012 Der Cop (The Dispatcher).
Ryan David Jahnlebt mit seiner Frau Mary in Los Angeles.

Ryan David Jahn

Der Cop hat mich sehr begeistert. Ich war nach der Lektüre seines Debüts gespannt, ob der Autor sein Niveau halten kann, muss aber sagen, dass dieses sogar an manchen Stellen gesteigert wurde. Seine Geschichte wirkt wie aus einem Guss, selbst der immer wiederkehrenden Perspektivwechsel, wo er die Geschichte entweder aus Sicht des Opfers, der Täter oder der Angehörigen und Ermittler schildert (ein Kniff, den er in seinem Debüt ja schon angewandt hat), wirkt gekonnt ausbalanciert. Punktiert gesetzte Brüche in der Erzählung steigern die Spannung und machen es schwer, das Buch zur Seite zu legen. Charmant war die Idee, der Handlung den stilistischen Rahmen eines klassischen Western zu geben, der unaufhaltsam auf seinen Showdown hinsteuert, wissend, dass es hier um Leben und Tod geht, und nur einer aus dem Kampf hervorgehen wird.
Gekonnt wird von Jahn die Story so erzählt, dass alles gesagt, aber kein überflüssiges Wort verloren wird. Lakonische Charaktere gehen ihren Weg, und tun das, was gemacht werden muss. Trotzdem gelingt es ihm, seinen Figuren Leben einzuhauchen, und selbst die bad guys erhalten hier ein Gesicht und einen Hintergrund, der sogar so etwas wie Verständnis für ihr Handeln weckt, ohne dass man dieses natürlich gutheißen kann. Somit gelingt ihm erneut der Spagat zwischen einem gut konstruierten Thriller und einem Sozialdrama, der der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten kann. Ein spannendes und überaus cleveres Buch, das ich jedem empfehlen kann!

Christian Funke-Smolka