Sam Hayes - Der fremde Sohn (List)

Sam Hayes – Der fremde Sohn (List)

Es ist der Alptraum eines jeden Elternteils: man bekommt einen Anruf, in welchem einem mitgeteilt wird, dass das eigene Kind getötet wurde. In dem vorliegenden Roman Der fremde Sohn (List, 528 Seiten) von Sam Hayes geschieht genau dies. Der 15 jährige Sohn der erfolgreichen TV-Moderatorin Carrie Kent, Max, wird auf dem Schulhof erstochen. Einzig seine Freundin Dayna war Zeugin, schweigt aber zu den Vorgängen. Da sowohl sie als auch Max anscheinend massive private Probleme hatten, war dies das verbindende Glied ihrer Beziehung.
Immer deutlicher zeichnet sich bei der Ermittlung in diesem Mordfall ab, dass keiner Max richtig zu kennen schien, er seine Emotionen aber auch nicht offen zeigen konnte. Nach der Trennung der Eltern lebte er bei seiner skrupellosen und Karrierebewussten Mutter, während sein Vater Brody, ein blinder Mathematikprofessor, nun in einer Hochhaussiedlung unter eher ärmlichen Verhältnissen lebt.
Einzig die Liebe zu Max und seine Faible für Preisausschreiben bringt ein paar Glücksmomente in das Leben des Jungen. Doch die Liebe zu Dayna steht unter einem ungünstigen Stern, und die Welt, die man sich als Paar gerne erbauen möchte, steht und fällt mit den Elementen und Mitmenschen, die einen umgeben.

Sam Hayes

Die Geschichte Der fremde Sohn von der englischen Autorin Sam Hayes (Blutskinder) spielt auf verschiedenen Zeitebenen. Auf der einen Seite erfahren wir Dinge aus der Zeit vor der Ermordung Max, parallel dazu wird man Zeuge bei der Aufklärung des Falles. Dadurch erfährt man als Leser wichtige Dinge über die einzelnen Protagonisten, die einem Handlungen und Aussagen, die in der Gegenwart spielen, deutlicher und nachvollziehbarer machen. Wie Puzzleteile fügen sich so die einzelnen Bilder und Fragmente zusammen, um am Ende die gesamte dramatische Geschichte aufzuzeigen.

Der fremde Sohn ist dabei gut lesbar, und überaus anschaulich geschrieben. Die Geschichte lässt sich und ihren Charakteren Zeit, sich zu entwickeln. Durch die ruhige Herangehensweise jedoch wird der Leser immer tiefer in die überaus dramatische Geschichte gezogen. Das Buch ist eindringlich, und weniger Thriller als mehr ein emotionales Drama mit Krimielementen, welches die Umstände, die wahrscheinlich an vielen Schulen herrschen, deutlich und erschreckend aufzeigt. Eine emotionale Geschichte, die nachdenklich macht, und den Leser auch noch lange nach Beendigung der Lektüre beschäftigen wird.

Christian Funke-Smolka