Sharon Bolton - Bluternte  (Goldmann)

Sharon Bolton – Bluternte (Goldmann)

Familie Fletcher ist eine normale junge Familie, die mit ihren drei Kindern in das kleine Dorf Heptonclough nahe den Hochmooren von Lancashire gezogen sind. In dieser ländlichen Idylle wohnen sie in ihrem neuen Haus neben einer alten Abtei. Als auch noch der neue Vikar Harry Laycock hinzuzieht, der die alte Kirche wieder eröffnen möchte, scheint die Idylle perfekt.
Doch plötzlich hören die spielenden Kinder unheimliche Geräusche und Stimmen auf dem nahegelegenen Friedhof, und ein durch einen Mauersturz offen gelegtes Grab eines kleinen Mädchens enthält plötzlich drei statt nur einer Leiche. Anscheinend steckt hinter der Idylle doch ein grausames Geheimnis.

Wenn man sich den vorliegenden düsteren Thriller Bluternte von Sharon Bolton durchliest, kann man kaum glauben, dass die Autorin ihre Karriere erst sehr spät und mit dem Schreiben von Liebesromanen begonnen hat. Zu wirklicher Größe läuft Sharon Bolton aber erst mit den Geschichten über die dunkle Seite des Menschen auf. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie die Aussage in einem Interview äußerte: „…es gibt nichts Furchteinflößenderes als den Menschen.“
Die ausgebildete Schauspielerin, die zusätzlich noch Theaterwissenschaften studierte, lebt derzeit mit ihrem Sohn und ihrem Mann in Oxford.

Der Autorin Sharon Bolton (Schlangenhaus, für den sie den Mary Higgins Clark Awardals besten Thriller des Jahres erhielt) gelingt es, mit ihrer vielschichtigen, wendungsreichen Geschichte und ihrem sehr auf Atmosphäre ausgerichteten Schreibstil den Leser förmlich in die recht ausgefeilte und dichte Geschichte zu ziehen. Die Schilderungen des Dorflebens so wie der dort typischen ländlichen Umgebung dieses Landstriches sind überzeugend und detailliert beschrieben, und dürften jeden, der dort schon mal war, begeistern.

Sharon Bolton

Sharon Bolton präsentiert uns mit ihrem Roman Bluternte eine Geschichte, die sich Zeit nimmt, ihre Charaktere einzuführen und die stimmige Atmosphäre eines Gruselthrillers aufzubauen. Dabei verzichtet sie bewusst auf ein überzogenes Tempo und die expliziten Gewaltspitzen, sondern serviert dem Leser einen klassisch angehauchten britischen Krimi mit Moorlandschaft und den düsteren Geheimnissen eine Dorfgemeinschaft. Ich persönlich, der normalerweise eher rasante Psychothriller mit hohem Bodycount liest, musste mich erst mal umstellen. Dann aber besitzt der Roman eine ausgesprochen faszinierende Grundstimmung, die einen gefangen nehmen kann.

Bluternte (Goldmann, 512 Seiten) erscheint hier erstmals im Taschenbuch und bietet einen perfekten Mix vom Thriller mit einem Schuss Mystery. Eine liebevolle Ausarbeitung der verschiedenen Charaktere und der Verzicht auf allzu reißerische Effekthascherei machen Bluternte zu einem spannenden, stellenweise auch gruseligen Roman. Alle Freunde guter britischer Mystery-Thriller sollten hier unbedingt zugreifen, denn Bluternte eignet sich perfekt als Lektüre für die dunklere Jahreszeit!

Christian Funke-Smolka