Sharon Bolton - Dunkle Gebete (Manhattan)

Sharon Bolton – Dunkle Gebete (Manhattan)

Wenn man sich den vorliegenden Roman Dunkel Gebete von Sharon Bolton durchliest, kann man kaum glauben, dass sie ihre Karriere erst sehr spät und mit dem Schreiben von Liebesromanen begonnen hat. Zu wirklicher Größe läuft die Autorin aber erst mit den Geschichten über die dunkle Seite des Menschen auf. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie die Aussage in einem Interview äußerte: „…es gibt nichts Furchteinflößenderes als den Menschen.“ In ihrem neuen Buch Dunkel Gebete beschäftig sie sich deshalb mit den Verbrechen des berüchtigten Jack the Ripper, da sie der Überzeugung ist, dass man hinter allem Bösen, was einem passiert, irgendwann einen Schlusspunkt setzen muss, um damit abschließen zu können. Dies jedoch blieb uns jedoch im Fall von Jack the Ripper verwehrt. (Informationen beziehen sich aus einem Interview mit Shelagh Parry, 2011)

Die Geschichte handelt von der Londoner Ermittlerin DC Lacey Flint, welche eine geheimnisvolle Vergangenheit und ein morbides Interesse an Serienmördern hat. Trotz ihres Jobs hatte sie bisher noch nie mit einem echten Mord zu tun, was sich ändert, als in ihren Armen eine junge Frau an ihren Stichverletzungen stirbt. Als weitere Frauen sterben, und ein an sie adressierter Bekennerbrief auftaucht, wird deutlich dass der Täter ein Vorbild hat: Jack the Ripper.

Es ist erfreulich, dass immer mehr komplexe, geheimnisvolle aber dadurch realistische weibliche Charaktere die Thriller-Landschaft bereichern. Zwar handelt es sich in Dunkel Gebete um keine zweite Lisbeth Salander, aber auch die Hauptperson Lacey Flint hat ihre Geheimnisse, wirkt dabei aber auch sympathisch und sehr feminin.

Gelungen ist aus meiner Sicht die Verknüpfung der Ripper-Morde mit dem aktuellen Fall des Romans. Selbst als Leser, der sich sehr gut mit dem alten Ripper – Fall auskennt, konnte ich noch neue Ansätze zu diesem Fall finden. Dadurch wird die Geschichte nicht nur spannend, sondern erhält auch eine gewisse Tiefe, die durch die Figurenzeichnung und den Wendungen verstärkt wird. Aus meiner Sicht ist Dunkle Gebete ein durch und durch fesselndes und überaus gelungenes Buch!

Sharon Bolton

Der Autorin Sharon Bolton (Bluternte, Schlangenhaus, für den sie den Mary Higgins Clark Award als besten Thriller des Jahres erhielt) gelingt es, mit ihrer komplexen, wendungsreichen Geschichte und ihrem fesselnd-prägnanten Schreibstil den Leser förmlich in die psychologisch recht ausgefeilte Geschichte zu ziehen. Dunkle Gebete aus dem Hause Manhattan ist eines dieser Bücher, welches man erst dann weglegen kann, wenn man nach über 500 Seiten weiß, wie die Geschichte ausgeht!
Zum Glück arbeitet die Autorin derzeit an ihrem fünften Roman, der sowohl die Charaktere Lacey Flint und Mark Joesbury aus dem vorliegenden Roman, und Evi Oliver aus Bluternte vereint!
Freunde intelligenter, gut geschriebener Thriller kommen an diesen Roman nicht vorbei!

Christian Funke-Smolka