Simon Beckett - Der Hof (Wunderlich)

Simon Beckett – Der Hof (Wunderlich)

C_978-3-8052-5068-9.inddEin abgelegener, heruntergekommener Hof in Südfrankreich. Es ist brütend heiß. Fliegen umschwirren die grunzenden, halbwilden Schweine, die im Dreck nach Futter stöbern. In der baufälligen Scheune liegt der junge Engländer Sean mit einem zerfetzten Fuß. Auf der Flucht vor der Polizei ist er in eine rostige Eisenfalle getreten, aufgestellt von Arnaud, dem Besitzer des Hofs, einem Eigenbrötler, der keine Fremden auf seinem Besitz duldet. Sean darf dennoch bleiben – wenn er mithilft, die maroden alten Wände neu zu mauern. Er nimmt das Angebot an, denn eine Rückkehr nach England kann er nicht riskieren – und auch wegen Arnauds Tochter Mathilde, die ihn so hingebungsvoll pflegt. Aber deren verführerische kleine Schwester ist völlig unberechenbar, ebenso wie der tyrannische Arnaud. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht, und Sean will es herausfinden. Doch die Arnauds haben ihre Geheimnisse, und der Alte setzt alles daran, dass sie niemals ans Licht kommen.

Simon Beckett arbeitete als Hausmeister, Lehrer und Schlagzeuger, bevor er sich ganz dem Schreiben zuwandte. Als Journalist bekam er Einblick in die Polizeiarbeit, und dieses Wissen verarbeitet er in seinen Romanen.

Allein in Deutschland wurden bereits 7 Millionen Bücher des Autors verkauft. Für einige seiner Thriller hat er auf der «Body Farm» in Tennessee recherchiert. Der Autor ist verheiratet und lebt in Sheffield.

Meinung zum Buch:

Der britische Autor Simon Beckett erlangte mit seinen Romanen über den fiktiven Forensiker David Hunter Weltruhm. Doch neben seiner Hunter-Reihe veröffentlichte er in regelmäßigen Abständen eigenständige Romane und Kurzgeschichten, die sich teils in ihrem Stil und Aufbau deutlich von seinen populären Thrillern unterschieden.

Simon Beckett © by Jens Koch

Simon Beckett
© by Jens Koch

Hier vorliegend haben wir seinen neusten Roman „Stone Bruises“, der hierzulande als Der Hof veröffentlicht wurde. Beckett erzählt die Geschichte des jungen Engländers Sean, der sich in Südfrankreich befindet. Sein Wagen ist kaputt, weshalb er sich mit seinem Rucksack zu Fuß auf den Weg macht. Als er sich vor einem herannahenden Polizeiwagen versteckt, tritt er in eine Bärenfalle. Schwer verletzt wird er ohnmächtig und erwacht auf dem abseits gelegenen Hof des unnahbaren Arnaud und seinen zwei Töchtern. Schnell merkt Sean, dass es hier ein großes, dunkles Geheimnis zu geben scheint. Aber auch Sean hat einige Punkte in seiner Vergangenheit, die er nicht preisgeben möchte…

Wer denkt, dass sich Spannung nur durch erzählerisches Tempo und eine hohe Anzahl an Mordopfern erzeugen lässt, ist bei Simon Becketts neuem Roman Der Hof an der falschen Adresse. Denn der Autor setzt hier nicht auf die literarischen Bausteine, die man etwa bei seinen Hunter-Thrillern antreffen würde, sondern kreiert hier eine ganz eigene, nur schwer greifbare Atmosphäre der Bedrohung. Geschickt nimmt er den Leser an die Hand und offenbart ihm in seiner auf zwei Zeitebenen aufgebauten Erzählung Stück für Stück die dunklen Geheimnisse der beteiligten Personen. Manch einem mag dabei das eher gemächliche Tempo missfallen, aus meiner Sicht jedoch passte es wunderbar zur Erzählung, da es einen auf allen Ebenen in die Geschichte zog. Ich will es mal mit einem guten Rotwein vergleichen, der seine Zeit benötigt, um sich zu entfalten. Dadurch sticht Der Hof sowohl durch seine Buchgestaltung als auch der inhaltlichen und stilistischen Totalverweigerung dem massentauglichen Thriller-Trend gegenüber positiv aus der Menge an Buchveröffentlichungen heraus.

Der Hof erscheint bei Wunderlich (464 Seiten, €19,95) als gebundene Ausgabe mit einer interessanten, Buchdeckelumspannenden Covergestaltung, auf der sich der gesamte Schriftzug erst zeigt, wenn man das Buch auseinanderklappt.

Simon Beckett wird mit seinem neuen Roman Der Hof so manchen seiner Leser verwirren, denn Stil und Geschichte sind unerwartet anders als seine bisherigen Bücher. Viel eher erinnert einen der Roman an das europäische Autorenkino, welches einem die Geschichte subtil und hintersinnig darbot und dadurch, auf plakative Schlüsselreize verzichtend, eine wesentlich tiefere, eher unterschwellig-emotionale Wirkung erzielte. Der Hof ist ein Roman, für den man sich Zeit nehmen muss und den man genießen sollte. Eben genau wie guten Wein!

Christian Funke-Smolka