Simon Beckett: „Die ewigen Toten“ (Wunderlich)

Simon Beckett: „Die ewigen Toten“ (Wunderlich)

Nur Fledermäuse verirren sich noch nach St. Jude. Das Krankenhaus im Norden Londons, seit Jahren stillgelegt, soll in Kürze abgerissen werden. Doch dann wird auf dem staubigen Dachboden eine Leiche gefunden, eingewickelt in eine Plastikhülle. Die Tote, das sieht David Hunter sofort, liegt schon seit langer Zeit hier. Durch das trockene und stickige Klima ist der Körper teilweise mumifiziert.

Als beim Versuch, die Leiche zu bergen, der Boden des baufälligen Gebäudes einbricht, entdeckt der forensische Anthropologe ein fensterloses Krankenzimmer, das nicht auf den Plänen verzeichnet ist. Warum wusste niemand von der Existenz dieses Raumes? Und warum wurde der Eingang zugemauert, obwohl dort nach wie vor Krankenbetten stehen? Betten, in denen noch jemand liegt…

Simon Beckett ist einer der erfolgreichsten englischen Thrillerautoren. Seine Serie um den forensischen Anthropologen David Hunter wird rund um den Globus gelesen: «Die Chemie des Todes», «Kalte Asche», «Leichenblässe», «Verwesung» und «Totenfang» waren allesamt Bestseller. Sein atmosphärischer Psychothriller „Der Hof“ erreichte Platz 1 der Bestsellerliste. Simon Beckett ist verheiratet und lebt in Sheffield.

Der Autor liest am 23. März 2019 im Rahmen der lit.Cologne in Köln

© Wunderlich & Rowohlt Verlag

Meinung zur Veröffentlichung:

Eigentlich müsste ich Simon Beckett böse sein, sind seine Veröffentlichungen doch durchaus schädlich für mein Wohlbefinden. Schlaflosigkeit und mangelnde Konzentration bei der Verrichtung der alltäglichen Aufgaben sind die Folge der Lektüre, ein vorrübergehendes Desinteresse an Sozialkontakten, bis man den Roman durchgelesen hat. Trotz dieses Wissens freue ich mich immer sehr, wenn ein neuer Roman der David-Hunter-Serie angekündigt wird. Glücklicherweise ist Simon Beckett, Preisträger des RIPPER AWARD 2018/19, die Arbeit an dem sechsten Roman der Reihe einfacher von der Hand gegangen, als dies beim Vorgänger der Fall war, auf den man mehrere Jahre warten musste.

Simon Beckett

Hunter, der seine neue Beziehung zu Rachel pflegt, die er in seinem vorangegangenen Fall kennengelernt hat, ist deprimiert, dass diese dienstlich für ein Vierteljahr ins Ausland muss. Da kommt es ihm fast schon gelegen, dass er zu einem Leichenfund in ein seit mehreren Jahren geschlossenes Krankenhaus gerufen wird. Die Frauenleiche wurde auf dem Dachboden gefunden und ist aufgrund der dortigen Umgebungstemperaturen mumifiziert. Bei den Untersuchungen kommt es zu einem Zwischenfall, bei dem zufälligerweise ein versteckter, zugemauerter Raum entdeckt wird, in dem man Betten findet, in welchen sich weitere festgeschnallte Leichen befinden…   

Simon Beckett erweist sich auch in seinem neusten Roman als ein sehr genauer Beobachter, der mit seiner angenehm zurückhaltenden Erzählweise und einer clever aufgebauten Geschichte den Leser unweigerlich in seinen Bann zieht. Seine Figuren sind plastisch und mit einer ungewöhnlichen Tiefe ausgearbeitet, dass verwendete Fachwissen hervorragend recherchiert, jedoch den Leser dabei inhaltlich nicht erschlagend. So kommen wir in den Genuss, erneut einem Fall des sympathischen forensische Anthropologe zu folgen, dabei viel über den Prozess der Verwesung und Mumifizierung zu erfahren und gleichzeitig auf kluge und äußerst spannende Weise in einen Kriminalfall einzutauchen, der einen erst wieder freigibt, wenn man die letzte Seite gelesen hat!

Die ewigen Toten (Originaltitel: The Scent of Death, UK 2019) erscheint als im Layout der Buchreihe angepasstes, gebundenes Hardcover mit Lesezeichenband und eBook in einer Übersetzung von Karen Witthuhn und Sabine Längsfeld bei Wunderlich (480 Seiten, €22,95/19,99). Im Anhang befindet sich eine sehr persönliche Danksagung des Autors.

Mit Die ewigen Toten entwickelt Simon Beckett seine Figur David Hunter konsequent weiter. Auch wenn der Roman von Neueinsteigern gelesen werden kann, macht die Faszination dieser Reihe natürlich neben den spannenden Fällen der inhaltliche Aufbau der einzelnen Bücher aufeinander aus. Erneut beweist Beckett sein Talent für einen sachlich erzählten, subtil wirkenden Spannungsaufbau, der ihn zu einem der gegenwärtig besten Autoren des Genres macht. 

Christian Funke