Simon Beckett: „Die Verlorenen“ (Wunderlich)

Simon Beckett: „Die Verlorenen“ (Wunderlich)

Als Jonah das Blut roch, war ihm klar, dass er in Schwierigkeiten steckte.

Jonah Colley ist Mitglied einer bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei. Seit sein Sohn Theo vor zehn Jahren spurlos verschwand, liegt sein Leben in Scherben. Damals brach auch der Kontakt zu seinem besten Freund Gavin ab. Nun meldet Gavin sich überraschend und bittet um ein Treffen. Doch in dem verlassenen Lagerhaus findet Jonah nur seine Leiche, daneben drei weitere Tote. Fest in Plastikplane eingewickelt, sehen sie aus wie Kokons. Eines der Opfer ist noch am Leben. Und für Jonah beginnt ein Albtraum…

Der Auftakt einer atemberaubenden neuen Thrillerserie von Bestsellerautor Simon Beckett.

Simon Beckett ist einer der erfolgreichsten englischen Thrillerautoren. Seine Serie um den forensischen Anthropologen David Hunter wird rund um den Globus gelesen: «Die Chemie des Todes», «Kalte Asche», «Leichenblässe», «Verwesung» und «Totenfang» waren allesamt Bestseller. «Die ewigen Toten», Teil 6 der Reihe, erreichte Platz 1 der Bestsellerliste, ebenso wie sein atmosphärischer Psychothriller „Der Hof“. Simon Beckett ist verheiratet und lebt in Sheffield.

© Wunderlich, Rowohlt Verlag & Willi Weber

Meinung zur Veröffentlichung:

Die Ankündigung eines neuen Romans des britischen Journalisten und Autors Simon Beckett ist für mich immer ein Grund zur Vorfreude, auch wenn ich weiß, dass seine Veröffentlichungen doch durchaus schädlich für mein Wohlbefinden sind. Schlaflosigkeit und mangelnde Konzentration bei der Verrichtung der alltäglichen Aufgaben sind die Folge der Lektüre, zudem ein vorübergehendes Desinteresse an Sozialkontakten, bis man den Roman durchgelesen hat. Ganz besonders gespannt war ich, als bekannt wurde, dass es sich hier nicht um einen neuen David-Hunter-Roman handelt, sondern um den Start einer neuen Reihe um Jonah Colley, Mitglied einer bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei. Simon Beckett, Preisträger des RIPPER AWARD 2018/19 und seit knapp drei Jahrzehnten als Schriftsteller aktiv, präsentiert mit Die Verlorenen einen furiosen Einstieg in die neue Buchreihe. Man merkt, dass hier jemand genau weiß, wie er die Lesenden packt, nach nur wenigen Seiten in die Geschichte zieht und erst wieder entlässt, wenn diese auserzählt ist!

Da ich ein großer David-Hunter-Fan bin, war ich gespannt, ob mich auch eine neue Figur so packen kann, wie der liebgewonnene Forensiker. Jonah Colley, Sergeant der bewaffneten Sondereinheit der Metropolitan Police, erhält bei einem gemütlichen Umtrunk den Anruf seines ehemals besten Freundes Gavin McKinney. Der Kontakt zu ihm war vor zehn Jahren abgebrochen, als Jonahs Leben nach dem Verschwinden seines vierjährigen Sohnes und dem darauffolgenden Scheitern seiner Ehe in Scherben lag. Gavin scheint in großen Schwierigkeiten zu stecken und bittet ihn um Hilfe. Als er jedoch den vereinbarten Treffpunkt, ein verlassenes Kai namens Slaughter Quay, erreicht, bemerkt er, dass etwas nicht stimmt. In einem der Lagerhäuser findet er in Plastik eingerollte Leichen, eine von ihnen scheint sein Freund zu sein. Bei dem Kampf mit dem unerwartet auftauchenden Täter wird Jonah schwer verletzt. Doch das ist erst der Beginn eines ausweglosen Alptraums…

Gleich vorweg: Jonah Colley ist mit der eher bedacht vorgehenden, etwas zurückhaltenden Figur des David Hunter nicht zu vergleichen, aber ebenso facettenreich und tiefgründig aufgebaut. Die Geschichte spielt zu Beginn auf zwei Zeitebenen, so dass man bei dem rasant beginnenden und in der Gegenwart spielenden, sehr plastisch beschriebenen Part schnell im Geschehen ist. Parallel wird die Handlung um das zehn Jahre zurückliegende Verschwinden seines Sohnes Theo aufgebaut. Deutlich gemäßigter im Tempo und weniger drastisch in den Beschreibungen, ist dieser Handlungsstrang jedoch mindestens genau so intensiv, wenn nicht sogar intensiver. Simon Beckett kreiert hier eine nervenzerrende Spannung, bei der man förmlich gezwungen wird, weiterzulesen. Denn geschickt gesetzte Cliffhanger und ein konstant hohes Spannungslevel sorgen dafür, dass man das Buch nur schweren Herzen aus der Hand legt. Wie man es von Beckett kennt, schreibt er auf einem recht hohen Niveau. Seine Beschreibungen sind anschaulich, seine Handlung und die damit einhergehenden Abläufe realitätsnah und packend! Mit Die Verlorenen erleben wir einen gelungenen Start einer neuen Buchreihe, von der ich mir auf diesem qualitativen Niveau noch viele Fortsetzungen wünsche!    

Die Verlorenen (Originaltitel: The Lost, Großbritannien 2021) erscheint bei Wunderlich in einer Übersetzung von Karen Witthuhn und Sabine Längsfeld als gebundene Ausgabe mit Lesezeichenband (416 Seiten, €24,00), eBook und Audio-CD (gesprochen von Johannes Steck).

Mit Die Verlorenen, dem ersten Band der Jonah Colley-Reihe, präsentiert Simon Beckett einen scharf beobachteten, gut geschriebenen und in den Charakteren facettenreich ausgearbeiteten Roman, der echte Pageturne-Qualitäten besitzt. Sehr spannend, sehr temporeich und unterhaltsam, macht dieses Buch Lust auf weitere Geschichten um den Londoner Ermittler. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung!

Christian Funke