Stephanie Fey - Die Verstummten (Heyne)

Stephanie Fey – Die Verstummten (Heyne)

Die Toten reden nicht

Die Rechtsmedizinerin Carina Kyreleis entgeht nur knapp einem Unfall. Im letzten Augenblick kann sie dem jugendlichen Geisterfahrer ausweichen. Als sie wenig später dessen Eltern benachrichtigen will, findet sie das Ehepaar tot auf – in bizarrer HochzeitstrDie Verstummten von Stephanie Feyacht gemeinsam auf dem Ehebett liegend. Carinas Vater, Kriminalhauptkommissar Matte Kyreleis, übernimmt die Ermittlungen. Zunächst deutet alles auf Selbstmord hin, doch zunehmend gerät der junge Geisterfahrer in Verdacht.
Stephanie Fey, geboren 1967, arbeitete viele Jahre als Illustratorin und Malerin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit ihrer Familie am Starnberger See.

Meinung zum Buch:

Stephanie Fey, die gelernte Grafikdesignerin arbeitete als Illustratorin von Kinder- und Jugendbüchern, bevor sie Schriftstellerin wurde. Unter ihrem richtigen Namen Rebecca Abe veröffentlichte sie bisher zwei historische Romane.
Mit dem vorliegenden Thriller Die Verstummten (Heyne, 432 Seiten) legt die Autorin nun unter ihrem Pseudonym Stephanie Fey nach dem 2012 mehrfach preisgekrönten „Die Gesichtslosen“ ihren zweiten Roman um die Münchner Rechtsmedizinerin Carina Kyreleis und ihren Vater, Kriminalhauptkommissar der Mordkommission Matte Kyreleis vor.

Gleich vorab ist es erfreulich, dass die Geschichte der Protagonistin zwar weitergeführt und ausgebaut wird, eine Kenntnis des Vorgänger-Romans jedoch nicht notwendig ist und auch nicht zu viel über dessen Geschichte erzählt wird, so dass man diesen jederzeit, falls man ihn noch nicht kennen sollte, lesen kann.

Die Verstummten ist ein Roman, der seine Spannung aus verschiedenen Komponenten bezieht.
Auf der einen Seite haben wir den geheimnisvollen Fall des Geisterfahrers und seiner ermordeten Eltern, der das Vater-Tochter-Gespann auf Trab hält, auf der anderen Seite haben aber auch die Protagonisten

Stephanie Fey © Susanne Rieder

Stephanie Fey
© Susanne Rieder

ihre familiären Probleme. Carina erfährt Details über ihre leibliche Mutter, die sie unvorbereitet erwischen und auch den Kontakt zum Vater überschatten. Der Reiz, diese verschiedenen Handlungsstränge zu verfolgen, die zuerst verwirren, jedoch später logisch zueinanderfinden, macht das Buch zu einem echten Pageturner. Der rasante Stil und die bildhafte Sprache mit ihren plastischen Beschreibungen lassen den Leser schnell sehr tief in die Geschichte eintauchen. Zudem beweist Stephanie Fey, dass sie ein Händchen dafür hat, ihre Charaktere mit viel Fingerspitzengefühl zu zeichnen, so dass authentisch wirkende Personen vor dem geistigen Auge entstehen, zu denen man als Leser eine positive oder negative Beziehung aufbauen kann. Aber auch die detaillierten Einblicke in das Berufsfeld der eher introvertierten Protagonistin (bei ihrer Arbeit als Rechtsmedizinerin ist sie spezialisiert auf Gesichtsrekonstruktionen) haben ihren Reiz und tragen zum positiven Gesamteindruck bei.

Stephanie Fey gelingt mit ihrem Roman Die Verstummten ein kleines Kunststück! Geschickt verknüpft sie Elemente des Psycho-Thrillers mit Einschüben des Polit-Krimis, die Bezüge zur terroristischen deutschen Vergangenheit aufweist (Namen wie die RAF oder Alfred Herrhausen sollten einem schon ein Begriff sein), verbindet dies mit einer emotional fesselnden Familiengeschichte und reichert die Story mit speziellen Einblicken in das Arbeitsumfeld der Protagonisten auf. Die Lektüre ist dabei so spannend, dass ich überrascht war, wie schnell ich das Buch durchgelesen hatte und mich nun auf den hoffentlich bald erscheinenden dritten Band freue. Hier also eine klare Empfehlung meinerseits!

Homepage der Autorin:

http://www.stephanie-fey.de/

Homepage des Verlags:

http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Verstummten-Thriller/Stephanie-Fey/e402150.rhd

Christian Funke-Smolka