Stephen King: Die Arena - Under the Dome (Heyne)

Stephen King: Die Arena – Under the Dome (Heyne)

Wenn kein Gesetz mehr gilt, zählt nur der Kampf ums nackte Überleben…

351_43523_139774_xxlMit „Die Arena” legt Stephen King ein faszinierendes neues Monumentalwerk vor – seinen umfangreichsten und fesselndsten Roman seit „The Stand – Das letzte Gefecht”. Urplötzlich stülpt sich eines Tages wie eine unsichtbare Kuppel ein undurchdringliches Kraftfeld über Chester’s Mill. Die Einwohner der neuenglischen Kleinstadt sind komplett von ihrer Umwelt abgeschnitten. Und auf einmal gilt kein herkömmliches Gesetz mehr…

Stephen King, 1947 in Portland, Maine, geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Schon als Student veröffentlichte er Kurzgeschichten, sein erster Romanerfolg, „Carrie“, erlaubte ihm, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Seitdem hat er weltweit 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk.

Meinung zum Roman:

Stephen King ist ein Meister der Metaphern. Viele seiner bekanntesten und besten Romane haben, trotz der eher profanen Zuordnung in die Horror-Schublade, wenig mit diesem Genre zu tun, schildern sie doch eher das Grauen hinter weitaus trivialeren und alltäglichen Geschehnissen. Oftmals tritt dieses in seinen Geschichten in einer streng begrenzten und klar gezeichneten Umgebung auf, wie beispielsweise einem eingeschneiten Hotel, einer Kleinstadt oder einem Jahrmarkt. Der fiktive Mikrokosmos als Sinnbild für die gesellschaftliche Hackordnung.

Wenn ein Mensch weit über 50 Bücher in 40 Jahren schreibt, ist es nicht verwunderlich, dass es zwischenzeitliche kreative Hänger gibt. Dies empfand ich deutlich bei dem 1947 in Portland, Maine geborenen Stephen King. Habe ich zeitweise jedes seiner Bücher verschlungen, kam ich irgendwann an einem Punkt, wo ich seine Lektüre als eine ständige Wiederholung seiner eigenen Ideen empfand und keinen Fortschritt bemerken konnte. Lange Zeit nahm ich kein Buch dieses Schriftstellers mehr in die Hand, bis mich Kritiken zu einem neuen Roman aus seiner Feder aufhorchen ließen. Under the Dome, beziehungsweise Die Arena (Heyne, €12,99, 1296 Seiten, davon sind 1280 Seiten Roman und 16 Seiten Bonusmaterial in Form einer Biografie und einem Werkverzeichnis) hieß das Buch und war aufgrund seines Umfangs (es ist nach „Es“ und „The Stand“ Kings drittlängstes Buch) und der markanten Buchgestaltung ein Blickfang. Eine gesprungene, blutbefleckte Schneekugel machte neugierig und lud zu einem zweiten Blick ein.

Stephen King © Amy Guip

Stephen King
© Amy Guip

Die Geschichte handelt von einer Kleinstadt namens Chester’s Mill, die eines Morgens in sekundenschnelle durch ein kuppelförmiges Kraftfeld von der Außenwelt abgeschnitten wird. Nach den katastrophenartigen Unfällen der ersten Zeit (die Kuppel ist undurchlässig, lässt aber kleinste molekulare Teilchen –Wasser, Luft – durch) erweist sich recht schnell die Isolation der etwa 2000 Bewohner der betroffenen Kleinstadt als das viel größere Problem. Denn schnell bilden sich unterschiedliche Lager in der Bevölkerung und so mancher wittert die Chance, endlich Macht ausüben zu können. Wo wir wieder bei der King-typischen Erzählstruktur wären, nämlich seinen Blick auf das gesellschaftliche Gefüge im Kleinen zu richten, um ein Bild des Großen zu erzeugen. Bezüge zu aktuellen Geschehnissen (beziehungsweise denen der Zeit der Entstehung des Buches) und Verweise auf kulturelles und populäres Allgemeinwissen erzeugen zudem das Gefühl von halbfiktionaler Literatur.
Innere Vernetzungen zu anderen seiner Werke machen die Geschichte zudem zu einem komplexen Baustein eines noch komplexeren King-Universums. Der aufmerksame Leser findet Unmengen an Fingerzeigen auf Figuren, Orten oder Begebenheiten anderer Romane des Autors. Clever strickt der Autor an einem großen, komplexen Bild einer Gesellschaft, die trotz des Daseins im King’schen Paralleluniversum, unserer bekannten westlichen Gesellschaftsform mit ihren Stärken und Schwächen nicht unähnlich ist. Hier genau liegt auch der Reiz seiner Bücher (gerade der aktuellen Veröffentlichungen der letzten Zeit), denn sowohl sprachlich als auch inszenatorisch hat King einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wie losgelöst scheint er seinen Stil, da er sich aufgrund seiner Popularität kaum einer einzwängenden Vorgabe beugen muss, konsequent zu verfolgen und virtuos seine Ideen in ein passgenaues Bild zu bringen.

Auch Die Arena beweist, dass die aktuellen Bücher des Autors eine Qualität aufweisen, die mancher ihm nicht mehr zugetraut hätte. Spannend und hart, aber auch tiefsinnig, emotional und nachdenklich stimmend ist dieser Roman trotz seiner epischen Ausmaße ein Buch, welches man als Leser verschlingt. Jeder, der sich die TV-Serien-Umsetzung in den letzten Wochen angeschaut hat, sollte sich unbedingt, falls noch nicht geschehen, den Roman gönnen, der viele der Aspekte, die dort aufgegriffen wurden vertieft. Die Arena ist ein Roman, der den Leser an die Hand nimmt und ihn Teil von Chester’s Mill werden lässt. Ein Buch, welches ihn nicht nur auf dem sehr guten Niveau seiner Klassiker zeigt, sondern noch ein gutes Stück darüber hinaus!

Christian Funke-Smolka