Sternstunden der Bedeutungslosigkeit - Rocko Schamoni

Sternstunden der Bedeutungslosigkeit – Rocko Schamoni

Michael Sonntag, von allen nur Sonntag genannt, lebt in Hamburg. Er wohnt in einer kleinen Wohnung und studiert Kunst. Das hat er allerdings vorerst auf Eis gelegt und schlägt sich im Moment so durch, eher schlecht als recht. Er leidet. Unter sich, unter seiner Situation, unter den Frauen, unter der Gesellschaft. Wenn er Geld braucht, geht er arbeiten und wenn er welches hat, gibt er es aus. So vergehen die Tage in der Welt, in der er sich selbst als Fürst der Überflüssigen bezeichnet.

Die ganze Geschichte ist irgendwie voll aus den Leben gegriffen. Als Leser wird man einfach in eine Situation hinein geworfen. Von da aus lernt man Sonntag dann kennen. Mit all seinen Freunden, Bekannten, Gedanken, Problemen, Hoffnungen und Störungen. Man fiebert irgendwie mit, ist gespannt wie es wohl weiter geht, im Leben des Überflüssigen. Manchmal wird man enttäuscht und oftmals überrascht. Und dann hört das Buch einfach auf. Genauso plötzlich wie es angefangen hat. Gerne würde ich auf das Ende noch weiter eingehen, mach ich aber nicht. Spoiler und so. Das geht nicht.

Das Buch wurde mir von verschiedenen Leuten empfohlen und hoch gelobt. Und auch was ich bei meiner kurzen Recherche vor der Anschaffung las, war alles sehr positiv. Ich selbst bin ein bisschen im Zwiespalt. Was definitiv für das Buch, oder für den Autor, spricht ist, dass ich beim Lesen immer eingetaucht bin in die Stimmung von Sonntag. Irgendwie wurde das alles so beschrieben, dass ich mir genau vorstellen konnte wie er sich grad fühlt und das dann auch direkt mehr oder weniger mitgefühlt habe. Das bringt allerdings auch direkt etwas negatives mit sich. Sonntag fühlt sich einen großen teil des Buches nicht sonderlich gut. Er ist oft verkatert, ziemlich depressiv und schwelgt ein bisschen in der Schlechtigkeit seines Daseins. Diese Gefühle habe sich dann beim Lesen auf mich übertragen. Ich weiß, dass das nicht bei jedem so ist, dass viele die Geschichte von außen erleben und nicht so sehr in diese Stimmung hinein gezogen werden. Ich erlebe die Geschichten aber meistens aus der Sicht des Protagonisten, beziehungsweise bis zu einem gewissen Grad als der Protagonist selbst, was in diesem Fall zur Folge hatte, dass ich mich zwischendurch schon fast überreden musste das Buch wieder in die Hand zu nehmen, einfach nur um zu verhindern, dass ich wieder in diese düstere Stimmung gezogen werde. Aber ich tat es und bereue nichts. Denn gerade weil ich so in der Geschichte und der Stimmung drin war, wollte ich natürlich wissen, ob und vor allem wie Sonntag aus seinem Tief heraus kommt. Außerdem wurden natürlich nicht nur die düsteren Zeiten so gut beschrieben. Auch die Phasen in denen es Sonntag gut geht habe ich quasi aus erster Hand erlebt und konnte geradezu die Hamburger Luft an und in meiner Nase spüren.

Es ist wohl kein Buch, dass ich jemandem aus meiner Familie empfehlen würde. Gar nicht wegen der Geschichte oder den Dingen die Sonntag so erlebt. Denn das ist eigentlich sehr lesenswert. Was er so erlebt hat mich oft schmunzeln und zwischendurch auch mal den Kopf schütteln lassen. Allerdings ist die Sprache zwischenzeitlich sehr derb und ich weiß, dass das nicht jedermanns Sache ist. Schade eigentlich, denn diese ganzen teilweise skurrilen Ereignisse sind sowas von trocken beschrieben, dass man sicher ist, dass es nur so passiert sein kann und manchmal über die blödeste Situation einfach nur lachen muss.

Der Klappentext wurde natürlich wieder erst hinterher gelesen. Kann man auch vorher machen. Muss man aber nicht. Auf der einen Seite verrät er definitiv nicht zu viel. Es wird also nichts vorweg genommen, was man nicht sowieso ziemlich schnell beim lesen erfährt. Das ist schon mal gut. Allerdings  bin ich mir nicht ganz sicher, ob der Kern der Geschichte so richtig gut erfasst wird. Wenn ich das so lese würde ich von dem Buch wohl was anderes erwarten als tatsächlich drin steckt.

Fazit: Ein Buch, dass ich nicht jedem einfach so empfehlen würde. Bestimmten Leuten dafür aber wirklich wärmstens.

 

Rocko Schamoni – Sternstunden der Bedeutunglosigkeit
Roman
rororo