Steve Mosby - Schwarze Blumen  (Droemer)

Steve Mosby – Schwarze Blumen (Droemer)

 

Es gibt Romane, die muss man sich als Leser erarbeiten. Schwarze Blumen von Steve Mosby ist solch ein Buch! Auf den ersten Blick wird man von den Ansätzen, den verschiedenen Ebenen und Erzählperspektiven, und dem Kniff, ein Buch im Buch wiederzugeben, schier erschlagen, gibt man sich aber die Zeit, sich in die Geschichte fallen zu lassen (und dies geschieht relativ schnell), befindet man sich plötzlich in einem Paralleluniversum, welches subtil seine atmosphärischen aber auch gruseligen Fühler nach dem neuen Besucher austreckt, und diesen gefangen nimmt.

Die Geschichte handelt von Neil Dawson, dem Sohn eines Autors, der an einer Universität als Dozent unterrichtet, selber gerade an einem Buch arbeitet, und bald Vater wird. Seine Welt gerät jedoch aus den Fugen, als er erfährt, dass sein Vater gestorben ist. Er soll angeblich Selbstmord begangen haben, und man fand seine Leiche in einem Fluss nahe einem kleinen Badeort. Bei den Nachforschungen Neils, was sein Vater dort wollte, stößt er auf ein Buch, einem Krimi namens Die schwarze Blume von dem Schriftsteller Robert Wiseman, mit welchem sein Vater sich wohl noch kurz vor seinem Tod beschäftigte. Wiseman selber wurde nach seinem Verschwinden vor einiger Zeit für tot erklärt.
Aber beinahe noch interessanter scheint die Geschichte des Romans selber. In ihr geht es um ein kleines Mädchen, welches plötzlich auf der Promenade eines englischen Seebades auftaucht, und eine grauenvolle Geschichte über ihren Vater erzählt. Dieser entführe Frauen, und quäle sie auf seiner Farm zu Tode.
Bei seinen Recherchen stellt Neil Dawson weiterhin fest, dass es skurriler Weise in den 70er Jahren tatsächlich einen Vorfall gab, der dem Geschehen im Roman frappierend ähnelte. Jedoch wurde die Farm, von der das kleine Mädchen sprach, nie gefunden. Neil forscht weiter, bis er einen Anruf erhält, dass seine Freundin entführt worden sei, und in die Familie aufgenommen habe. Plötzlich werden die angeblich fiktiven Beschreibungen des Romans für Neil zu einer grausamen Realität.

Der Roman Schwarze Blumen ist unglaublich! Die Geschichte selber ist teils sehr surreal, verschwimmen für den Leser die Grenzen zwischen Realität und Fiktion des Protagonisten zunehmend, zumal die Geschichte sehr komplex und anfangs, wie eingangs erwähnt, teils verwirrend und vielschichtig erzählt wird. Wenn man jedoch einen Überblick über die unterschiedlichen Erzählebenen erhalten hat, und sich mit der direkten Wiedergabe des Wiseman-Buches im Mosby– Buch arrangiert hat, beginnt man immer mehr, dem Wahnsinn der Geschichte zu verfallen, und immer tiefer hineingezogen zu werden.

Steve Mosby

Ein wenig wurde ich dabei an den Film Die Mächte des Wahnsinns von John Carpenter erinnert, wo die Grenzen der Realität ebenfalls immer schwammiger wurden, die Geschichte dadurch aber auch immer faszinierender.

Steve Mosby, 1976 in Horsforth/ England geboren, studierte Philosophie, ehe er sich komplett der Schriftstellerei widmete, und lebt nun als unabhängiger Autor in Leeds. Mit seinem Debüt Der 50/50 Killer erlangte er direkt einen großen Erfolg. Der hier vorliegende Roman Schwarze Blumen ist sein drittes Buch.

Schwarze Blumen ist ein faszinierend komplexer, und teils verschachtelt vielschichtiger Roman, der dem Leser eine über Jahrzehnte gehende Geschichte um ein Buch im Buch erzählt, und die Worte, die sich in ihm befinden, mehr Wahrheit enthalten, als den Protagonisten lieb ist. Gekonnt baut Mosby subtil eine düstere und beklemmende Atmosphäre auf, die immer mehr Besitz vom Leser ergreift, und es unheimlich schwer macht, den Thriller wegzulegen, bevor man ihn durchgelesen hat.

Die Veröffentlichung von Droemer(400 Seiten, 14,99€) präsentiert das Buch in einer ästhetischen, schwarz-weißen Klappbroschur mit einer dunklen Blume und glänzend-schwarz geprägten Buchstaben auf dem Umschlag. Die äußere Gestaltung ergänzt sich hier wunderbar mit dem Inhalt, und ich hoffe, dass alleine durch das Cover viele Leser auf diesen Roman aufmerksam werden.

Schwarze Blumen von Steve Mosby ist ein gelungener Thriller, der die interessanten, mal etwas anderen Ansätze seiner Geschichte zu einem komplexen und fesselnden Geflecht zusammenfügt, um den Leser direkt in die Story zu ziehen. Jeder, der Spaß an einer fordernden, intelligenten Geschichte hat, sollte sofort bei diesem Buch zugreifen!

Christian Funke-Smolka