Taylor Stevens: Mission Munroe - Die Touristin (Goldmann)

Taylor Stevens: Mission Munroe – Die Touristin (Goldmann)

Mit dem vorliegenden Roman Mission Munroe – Die Touristin (Goldmann, 448 Seiten) haben wir das Debüt der Autorin Taylor Stevens, die mit ihrer Titelheldin Vanessa Munroe, Deckname: Michael, eine Heldin erschaffen hat, die nun die Hauptprotagonistin einer Roman-Serie werden wird (ein weiterer Band ist schon in Arbeit). Vanessa „Michael“ Munroe ist eine Person, die im Auftrag von Großkonzernen oder Staatsmännern jede erdenkliche Information zu Ländern, Personen oder Firmen beschaffen kann, quasi eine Lisbeth Salander ohne die gravierenden psychische Probleme. Diese Dienste lässt sie sich fürstlich bezahlen, als sie jedoch von dem Öl-Milliardär Richard Burbank den Auftrag erhält, seine in Afrika verschwundene Stieftochter Emily zu suchen, nimmt der Fall für sie bald auch persönlich Züge an, muss sie sich doch mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen.
Vanessa Munroe lebte als Kind von Missionaren in Afrika, wo sie als Jugendliche ausriss, und sich einer Gruppe von Söldnern anschloss, die sie unter unglaublichen Bedingungen zu einer lebenden Kampfmaschine ausbildeten. Die dort erworbenen Kenntnisse nutzt sie nun für ihre effiziente, teils brutale aber immer erfolgreiche Form der Informationsbeschaffung. Doch der aktuelle Fall in Afrika scheint schwerer zu sein, als zu Beginn angenommen, denn schnell merkt sie, dass jemand alles daran setzt, dass sie Emily, die verschwundene Milliardärs-Stieftochter, nicht findet.
Der Trip in ihre Vergangenheit bedeutet nicht nur Gefahren in ihrem aktuellen Auftrag, sondern sie muss sich auch alten Feinden und inneren Dämonen stellen!

Die Protagonistin dieses Romans ist eine eiskalt kalkulierende, effiziente und hochbegabte junge Frau, die zweiundzwanzig Sprachen spricht, Kampfsport betreibt, viel gereist ist, und einen eher ruhelosen Charakter besitzt. Über ihre Vergangenheit ist dem Leser, aber auch ihrem Umfeld, wenig bekannt, doch diese Informationslücken werden im Verlauf des Romans wie bei einem Puzzle Stück für Stück geschlossen.

Taylor Stevens

Aber ähnlich interessant ist das Leben der Autorin Taylor Stevens, welche als Kind in dem “Kinder Gottes”-Kult (heute: „The Family“) aufwuchs, wo sie oft von ihren Eltern getrennt auf verschiedenen Kontinenten nach den Regeln des Sektengründers David Berg, groß wurde. Mit 20 Jahren stieg sie aus der Sekte aus, und lebt nun mit ihren zwei Kindern in Dallas.

Mission Munroe – Die Touristin von Taylor Stevens ist eine überraschende Entdeckung. Spannend, kurzweilig und sehr temporeich geschrieben, merkt man der Geschichte an keiner Stelle an, dass es sich um einen Debütroman handelt. Mit Liebe zum Detail und dem Blick auf eine relativ realistische Geschichte wird der Leser sofort in den Bann gezogen, und verfolgt den Weg der Protagonistin fasziniert. Das Tempo und die Spannungskurve werden konstant angezogen, und bleiben bis zum Ende der Story auf einem sehr hohen Niveau!
Angesiedelt ist die Geschichte dabei in den weniger bekannten Teilen Afrikas, wie zum Beispiel Kamerun oder Äquatorialguinea, was auch noch einen weiteren Reiz des Buches ausmacht, da man hier nicht unbedingt auf Stereotypen trifft.
Erfreulicherweise ist die Geschichte dabei gespickt von überraschenden Wendungen, die geschickt eingesetzt werden, und das Ganze dann zu einem gelungenen Finale treiben. Taylor Stevens gelingt damit ein hervorragender Urlaubs-Thriller, ich persönlich freue mich schon auf den zweiten Roman dieser Reihe!

Christian Funke-Smolka