Thor Kunkel  -  Subs  (Heyne Hardcore)

Thor Kunkel – Subs (Heyne Hardcore)

Die neuen Sklaven sind da

Eine »provokante Petitesse zum selbstgefälligen Amusement« – so nennt Claus seiner Frau gegenüber seine Annonce für die neue Putzfrau. Zu ihrer Überraschung melden sich auf die Anzeige dann tatsächlich Menschen, die sich ernsthaft als »Sklave « bewerben. Als sich Claus für Bartos, einen promovierten Altphilologen, und dessen Frau Svetlana entscheidet, ahnt er nicht, wie schnell er von seinen »Subs« abhängig werden soll. Bald bieten immer mehr Sklaven ihre Dienste an.
Die Rechtsanwältin Evel3085yn und ihr Mann Claus, ein Schönheitschirurg, führen ein sorgenfreies Leben in einer schmucken Villa in Grunewald. Der Alltag der beiden gerät durcheinander, als die polnische Haushaltshilfe spurlos verschwindet und sich auf Claus’ augenzwinkernd gemeinte Stellenanzeige plötzlich Langzeitarbeitslose, Asylanten und überqualifizierte Akademiker ernsthaft als »Sklaven« bewerben. Zunächst sind sie überrascht und schockiert, doch warum sollten sie auf die Annehmlichkeiten verzichten? Sie haben das nötige Geld, und in der liberalen Spaß-Gesellschaft der Hauptstadt ist das »erlaubt, was man sich leisten kann«. Also entscheiden sie sich für Bartos, einen promovierten Altphilologen, und dessen Frau Svetlana. Eines Tages regt Bartos den Bau eines Schwimmbads auf dem ungenutzten Rasen vor der Villa an, ein teures Vorhaben, das durch den Einsatz von illegalen Arbeitskräften bewältigt werden soll. Und so rücken eines Nachts weitere Familien an, die seit Jahren ein Leben in selbstgewählter Sklaverei führen. Doch bald kommt es zu ersten Unstimmigkeiten in der »Solidargemeinschaft nach römischem Vorbild«.

Thor Kunkel, geboren 1963 in Frankfurt am Main, studierte Kunst und lebte viele Jahre in London und Amsterdam. 1999 gewann er beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb den Ernst Willner-Preis. Seinem Debüt »Das Schwarzlicht-Terrarium« folgte »Endstufe«, ein Roman über die Pornofilmindustrie im Dritten Reich, der eine heftige Debatte in der Literaturszene auslöste. Weitere Romane waren »Kuhls Kosmos« und »Schaumschwester«, dazu veröffentlichte er einige erfolgreiche Hörspiele.

Meinung zum Buch:

„Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein“

(Guido Westerwelle, „Die Zeit“, 12.02.2010)

Thor Kunkel versucht mit Subs all jene wachzurütteln, die sich dumpf den leeren Kopf mit noch leereren Phrasen und Ablenkungen zu füllen versuchen. Er stellt dabei Fragen, die dem mitdenkenden

Thor Kunkel © Hagen Schnauss

Thor Kunkel
© Hagen Schnauss

Menschen bewusst weh tun (sollten),wobei es leider scheint, dass viele der Dinge, die er in seiner bissigen Gesellschaftskritik beschreibt, mittlerweile in vielen Köpfen als nicht mehr so abwegig erscheinen, oder noch schlimmer: wird der moderne Sklavenstaat mancherorts schon gelebt? Die im Buch vereinzelt eingestreuten Zeitungsartikel liefern hier ein eher erschreckendes Bild der modernen, zivilisierten Gesellschaft, die ohne ihre modifizierte Sklaverei eigentlich nicht mehr lebensfähig zu sein scheint.

Ihm gelingt es, Wut in wohlformulierte Sätze zu verpacken, die sowohl inhaltlich herausfordern, als auch die gegenwärtige gesellschaftliche Situation eines vermeintlichen Sozialstaates, der jedoch nur funktioniert, solange man das nötige Geld hat, pointiert zu beschreiben und durch gezielte Überzeichnung zu benennen. Ein überaus gelungener und sogar wichtiger Roman, der einem lachend den Spiegel vorhält, worauf einem das eigene Lachen an vielen Stellen im Halse stecken bleiben wird.

Subs von Deutschlands Ausnahme-Provokateur- und Autor Thor Kunkel erscheint, wie kann es anders sein, bei Heyne Hardcore. Das Covermotiv mit dem edelsteinbesetzten Dornenhalsband als Titelumrandung ist dabei so schlicht wie genial und auf jeden Fall Aufmerksamkeit erregend. Auf 448 Seiten verfasst Kunkel eine bissige und provokante Satire auf unsere moderne Dienstleistungsgesellschaft, die doch so erschreckend nahe an der Realität erscheint, dass es den Leser an nicht wenigen Stellen schmerzt!
Basierend auf der Idee zu diesem Roman produziere der WDR im Juni 2009 ein Hörspiel gleichen Titels, welches mit großem Erfolg ausgestrahlt wurde. Kunkel splittet seinen Roman in vier Abschnitte, deren einzelne Kapitel mit römischen Ziffern durchnummeriert sind.
Im Anhang der Taschenbuchausgabe von Subs setzt sich Sebastian Knoll in seinem Essay „Auf der Suche nach der cartesischen Balance – Ein Tauchgang in Kuhls Kosmos und die Entdeckung der Subs – oder: was es heißt Thor Kunkel sorgfältig zu lesen“ sehr fundiert und gut lesbar mit dem Gesamtwerk des Autors auseinander.
Subs provoziert, stilistisch auf einem hohen Niveau und immer bissig, dadurch wirkt es wie ein satter literarischer Tritt zwischen die Beine. Trotz der offenen Gesellschaftskritik ist es ein überaus unterhaltsames Buch, welches einem auch lange nach Beendigung noch durch die Hirnwindungen geistert und zum nachdenken animiert… Was will man als Leser mehr von einem guten Buch???

Verlagsseite:
http://www.randomhouse.de/Autor/Thor_Kunkel/p164753.rhd

Autorenseite:
http://www.thorkunkel.com/

Christian Funke-Smolka