Trevor Shane - Paranoia: Der Hinterhalt (Goldmann)

Trevor Shane – Paranoia: Der Hinterhalt (Goldmann)

Stellen Sie sich vor, es ist Krieg, und keiner weiß mehr warum, beziehungsweise kaum einer bekommt es mit!

Trevor Shaneum, beziehungsweise kaum einer bekommt es mit!

Im Verborgenen agieren zwei mächtige Gegnergruppen, die skrupellos töten, und jeder der Feind sein kann, der Dir nach dem Leben trachtet. Dieses Orwell`sche Szenario beschreibt Autor Trevor Shane in Paranoia: Der Hinterhalt als Alltag in einem utopisch-paranoiden Gesellschaftsbild in seinem Debütroman.
Der Autor beschreibt eine Welt, in welcher Jugendliche im Alter von 16 Jahren ausgewählt, zusammengeführt und dann informiert werden. Sie alle haben einen gemeinsamen Hintergrund, nämlich den grausamen Verlust eines ihnen nahestehenden Menschen, egal ob Vater, Mutter, Tante oder Onkel. Was zuerst aussah wie ein gewöhnlicher Mord, entpuppt sich als Teil des Kriegsgeschehens. Die „Aufklärer“ nutzen diesen emotionalen Hebel, um die Jugendlichen zu rekrutieren, damit sie Rache üben können. Zuerst jedoch müssen sie eine Ausbildung durchlaufen und die Grundlagen erlernen.
Dabei gibt es drei elementare Regeln, die es zu beachten gilt:

- Man tötet keine Unbeteiligten
- Man tötet keine Minderjährigen, egal auf welcher Seite sie stehen
- Einer schwangeren Kämpferin wird nach der Entbindung das Kind genommen, und dem Gegner gegeben, damit dieser es zu einem weiteren Krieger aufzieht. Dies verringert die Bereitschaft zu einer Schwangerschaft deutlich, da keiner dafür verantwortlich sein möchte, das Heer des Gegners zu vergrößern, oder später von seinem eigenen Kind getötet zu werden!

Hier kommt der Protagonist Joseph, genannt Joe, ins Spiel. Er erzählt dem Leser von seinem Beruf. Seit seinem achtzehnten Lebensjahr arbeitet er als Killer, ohne sein Tun konkret zu hinterfragen. In dem Glauben, auf der Seite der „Guten“ zu stehen, stellt er sich nach eingegangenen Auftrag jedem erbitterten Kampf. Dabei ist er so erfolgreich, dass er als Ausbilder der nächsten Generation auserkoren wird. Als er zufällig auf zwei alte Freunde trifft, und man beim gemeinsamen ausspannen in einen Hinterhalt gerät, muss Joe flüchten, und lernt dabei Maria kennen und lieben. Ein großer Fehler, denn es geschieht etwas, das er nie für möglich gehalten hat: er beginnt, sein Handeln zu hinterfragen.

Geschickt kreiert Trevor Shane einen Zustand des permanenten Misstrauens. Ist das freundlich winkende Mädchen jemand, der Dich kennenlernen möchte, oder sucht sie nur nach einer guten Gelegenheit, Dich zu ermorden? Ist Dein Freund wirklich Dein Freund? Kann man irgendeinem trauen?

Paranoia ist als Trilogie angelegt, wobei jeder Band einen anderen Blickpunkt auf die Geschichte werfen wird. Teil eins behandelt den Blickwinkel des Killers Joseph, Teil zwei widmet sich der Sicht seiner Partnerin Maria, und Teil drei wird abschließend die Geschichte der Beiden und ihre Auswirkungen auf den Krieg thematisieren.
Dem Autor gelingt dabei ein faszinierendes und sehr spannendes Debüt, da er die Geschichte von vornherein auf eine mal etwas andere Trilogie ausgelegt hat, und sich somit ganz seiner Figurenentwicklung widmen kann. Die realen Handlungsorte in den USA und Kanada beschreibt er sehr detailliert, da er selber dort lebte, oder Verwandte hat, die dort wohnen. Dies verleiht dem Roman noch ein zusätzliches plus an Authentizität, da es das Gesamtbild greifbarer und komplexer macht. Die Verknüpfung von Verschwörungstheorien, Kämpfen, der latenten Paranoia und eine Liebesbeziehung, die alles verändert, macht die Lektüre von Paranoia: Der Hinterhalt zu einem überaus rasanten, spannenden und kurzweiligen Genuss für den Leser.

Freunde intelligenter, vielschichtiger Verschwörungs-Thriller kommen mit dem überaus gelungenen, komplexen und gut lesbaren Debütroman von Trevor Shane aus dem Hause Goldmann somit voll auf ihre Kosten.

Buchtrailer

 Christian Funke-Smolka