Vincent - Joey Goebel

Vincent – Joey Goebel

Die heutige Mainstream-Kultur besteht aus oberflächlichen Songs, geistlosen Serien, hintergrundlosen Filmen und so weiter. Ein Großteil davon entspringt ein und demselben Medienkonzern. Dessen Oberhaupt erfährt, nachdem er an Krebs erkrankt ist, einen plötzlichen Sinneswandel und möchte dafür sorgen, dass endlich Qualität und Inhalt in die Mainstream-Medien kommt. Hierfür gründet er eine Akademie in der talentierte Künstler gefördert werden. Allerdings auf eine etwas, nun ja, unkonventionelle Art und Weise. Vincent ist wohl einer der vielversprechendsten Schüler und bekommt einen Manager, Harlan Eiffler, an seine Seite gestellt der dafür sorgt, dass ihm die Kreativität und Inspiration nicht verloren geht.

Endlich mal wieder ein richtig gutes Buch gelesen. Eins, bei dem ich nicht mal auf den letzten Seiten geahnt habe, wo das alles hinführen soll. Eins, bei dem ich angefangen hab zu lesen, und als ich das nächste mal auf die Uhr geschaut hab war es plötzlich 2 Stunden später. Eins, bei dem ich mich beim zuklappen schon drauf gefreut habe es wieder aufklappen zu können. Eins, bei dem ich am Ende nicht direkt ein neues anfangen wollte, nur um noch ein wenig länger in der Geschichte zu bleiben.

Vincent kann einem eigentlich nur leid tun. Sein Talent wird gewissermaßen sein Fluch, denn es verhindert, dass er glücklich werden kann. Obwohl es eigentlich nicht sein Talent ist, sondern die Art und Weise wie es gefördert wird. Aber es wirkt. Er schreibt Songs und Drehbücher für Filme und Serien und ist hiermit nicht unerfolgreich. Harlan, aus dessen Sicht das Buch  geschrieben ist,  ist dabei sein ständiger Begleiter und Freund, der, ohne das Vincent es merkt, dafür sorgt, dass ihm die Kreativität nicht ausgeht. Wie er das wohl anstellt? Er sorgt einfach nur dafür, dass Vincent nicht allzu glücklich wird, indem er sein Leben unauffällig manipuliert.
Wenn ich es ganz nüchtern betrachte ist Harlan echt ein Bösewicht. Aber irgendwie ist er einfach so sympathisch, dass man ihm das kaum übel nehmen kann. Und es tut ihm ja auch leid. Und es funktioniert ja auch irgendwie, was er da tut. Und irgendwie hat er ja auch seine Gründe, er handelt quasi für den guten Zweck.  Aber so richtig moralisch vertretbar ist das nicht. Und das weiß er auch selber.

Ich will gar nicht so viel schreiben, denn ich würde allen gern ans Herz legen dieses Buch zu lesen. Hier wird auf wirklich originelle und äußerst lesenswerte Art und Weise Kritik geübt an den heutigen Medien. Ob jetzt die Strategie, die im Buch vorgeschlagen wird um dieser Misere zu entkommen, die richtige ist, sei mal dahin gestellt. Aber es stimmt halt einfach, die Mainstream Medien sind beinahe ausnahmslos zum weglaufen.

Was mir besonders gut gefallen hat ist die Art und weise wie man neue Charaktere kennen lernt. Die Personen tauchen in der Geschichte auf, werden eingefädelt und man erfährt ein bisschen was oberflächliches über sie. Und dann kommt das entscheidende, die Lieblingsband, die Lieblingsserie und der Lieblingsfilm. Und das ist eigentlich alles was man im Zusammenhang dieses Buches, dieser Geschichte wissen muss.

Das Buch brachte mich zum lachen, machte mich wütend, es ließ mich mitfühlen, mich wundern, es machte mich ein wenig traurig und zwischendurch musste ich einfach nur den Kopf schütteln. Und das alles tat es als eine Mischung aus Satire, Utopie und Drama dem noch etwas Spannung, Liebeskummer und tiefe Freundschaft zugefügt wurde. Das alles mit dem Hintergedanken endlich Tiefgang in Kino, Fernsehen und Radio zu bringen.

 

Joey Goebel – Vincent
Roman
Diogenes