1911 Revolution (Splendid Film/ Amasia)

1911 Revolution (Splendid Film/ Amasia)

Der angeblich 100. Film des auch in fortgeschrittenem Alter (Jahrgang 1954) sehr agilen Superstars Jackie Chan ist anscheinend eines seiner Wunschprojekte gewesen, denn neben einer sehr großen finanziellen Unterstützung seinerseits zeigt er sich auch in verschiedenen Positionen als Verantwortlicher von 1911 Revolution. Was einem sofort als Genrekundiger ins Auge fällt, ist der Punkt, Herrn Chan erneut in einer ernsthaften Rolle zu sehen. Damit beweist er, dass er den Sprung von einem akrobatisch veranlagten Martial Arts-Superstar zu einem ernstzunehmenden Schauspieler relativ gut überstanden hat.

Die Geschichte handelt von einem wichtigen Teil aus Chinas Zeitgeschichte. Seit etwa 250 Jahren leidet die chinesische Bevölkerung unter der harten Herrschaft der Qing-Dynastie, welche Anfang des letzten Jahrhunderts durch die Kaiserwitwe Longyu (Joan Chen) und ihren siebenjährigen Sohn vertreten wird. Doch man bemerkt die schleichende Veränderung, die Feudalherrschaft beginnt zu bröckeln, was sich durch Druck von außen und internen Problemen zeigt.
Der sich im Exil befindende Chirurg Sun Yut Sun (Winston Chao) organisiert einen Wiederstand, der vor Ort durch den ihm und der Revolution treu ergebenen Xin (Jackie Chan) ausgeführt wird. Doch es folgen blutige Rückschläge, wobei die Armee der Revolutionäre immer weiter wächst. Ziel ist es, die Monarchie zu stürzen und eine erste chinesische Republik zu gründen. Ein weiter, und gnadenloser Weg für die Kämpfer der Revolution!

Die Blu-ray Special Edition aus dem Hause Splendid Film, dort in ihrer Amasia-Reihe veröffentlicht, zeigt die hochbudgetierten Schlachten auf einem hohen Niveau. Bild und vor Allem der Ton sind hervorragend! Im Bonussektor findet man als Zusatzinformation noch eine B-Roll, Material von der HK-Premieren-Pressekonferenz, ein Interview mit Lee Bingbing und ein Making of, bestehend aus fünf kürzeren Featurettes.

1911 Revolution ist nicht nur Jackie Chans hundertster Film, er ist auch quasi ein Alleingang des Superstars. Sowohl die Produktion, die Co-Regie (neben Regisseur Zhang Li, ehemals Kameramann bei Filmen wie Red Cliff) und die Hauptrolle wurden von ihm übernommen, so dass man sagen kann, dass der zweistündige, sehr emotionale Historienfilm „sein“ Werk ist. Wer über den Pathos und die übermäßigen Emotionen in einer teils etwas sprunghaften Geschichte (mit etwas mehr Lauflänge und dadurch mehr Ruhe und Tiefe in der Erzählweise hätte der Film gewonnen) hinwegsehen kann, wird mit einem bildgewaltigen und imposant inszenierten Revolutionsfilm beschenkt, der einen erstaunlich ernsthaften Jackie Chan in einer erfrischend klamaukfreien Rolle zeigt, die er gut auszufüllen weiß. Auch ohne akrobatische Eskapaden ist er in der Lage, einen fesselnden Film zu präsentieren.

Christian Funke-Smolka