71 - Into the Fire

71 – Into the Fire

Wir schreiben den 25. Juni 1950, das kommunistische Nordkorea startet einen Überraschungsangriff auf den Süden des Landes. Bis auf ein kleines Gebiet südlich des Nakdong Rivers gelingt dem Norden der Angriff.
Der vorliegende koreanische Film 71 Into the Fire behandelt die Geschichte von 71 freiwilligen Studenten-Soldaten ohne jegliche militärische Ausbildung, die einen unbedeutenden Außenposten bewachen sollen, da man davon ausgeht, das die Nordkoreaner ihren Angriff an einer ganz anderen Stelle ausführen würden. Doch dies ist eine Fehleinschätzung, und plötzlich sehen sich die Protagonisten einer feindlichen Übermacht gegenüber, mit dem Wissen, das die Verstärkung erst Stunden später eintreffen wird. In einem erbitterten Kampf versuchen die jungen Männer die Stellung zu halten.
Der südkoreanische Regisseur Lee Jae-han (auch John H. Lee genannt) liefert mit seinem Filmdebüt einen beeindruckenden Antikriegsfilm ab, der in seiner Intensität den großen Vorbildern dieses Genres in nichts nachsteht. Dabei kann er auf eine erfahrene Schauspielercrew zurückgreifen, die durch ihre charismatische Darstellung der Figuren dem Film die nötige Tiefe verleihen, damit der Zuschauer mit den Protagonisten mitfiebern kann. Dies, gepaart mit einem hervorragenden Setdesign, einer unglaublichen Kampfchoreografie und den filmischen Stilmitteln wie Farbverfremdungen und extremen Zeitlupen schaffen eine Atmosphäre, die weit über dem vergleich zu anderen, thematisch ähnlichen Filmen des Genres liegt.
71 Into the Fire ist ein sehr intensiver Film, dem es von den ersten Minuten an gelingt, den Zuschauer zu fesseln. Der Vergleich zu Der Soldat James Ryan passt in sofern, dass man die Intensität der ersten 20 Minuten genommen hat, und diese jedoch nahezu über die gesamte Laufzeit beibehält. Dabei wird jedoch erfreulicherweise auf den dortigen Pathos und die vorhanden Klischees weitestgehend verzichtet, so das der Zuschauer gerade bei den sehr brachialen Schlachtenbildern das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu stehen.
Die Veröffentlichung aus dem Hause Ascot Elite ist weitestgehend vorbildlich. Selten hat man eine aus technischer Sicht so hervorragende Veröffentlichung erlebt, die es schafft, neben einer unglaublichen Bildschärfe noch eine wuchtige Audioleistung zu liefern, die diese Veröffentlichung auf ein sehr hohes Niveau hievt. Das Bonusmaterial ist zwar informativ aber mit gerade mal 22 Minuten reichlich knapp ausgefallen. In einem Character Feature erfährt man mehr über die Personen des Filmes, in einem längerern Beitrag bekommt man dann noch Szenen vom Dreh. Dazu kommen noch ein Trailer und eine Programmschau.
71 Into the Fire ist ein intensiver und aufwühlender Film, dem es durch große Szenen und einer fesselnden Atmosphäre gelingt, locker mit anderen Filmen/Mini-Serien wie Band of Brothers oder Platoon mitzuhalten. Freunde des Genres kommen an dieser Veröffentlichung definitiv nicht vorbei, handelt es sich doch hier um eine der besseren Verfilmungen dieses Genres!

Christian Funke-Smolka