A Hole In My Heart (KinoKontrovers)

A Hole In My Heart (KinoKontrovers)

 

Die Veröffentlichungen der Reihe KinoKontrovers sollen zum nachdenken anregen, im günstigen Fall sogar aufrütteln, in jedem Fall aber nicht dem Massengeschmack folgen. Dies ist lobenswert, zumal die Wiederveröffentlichungen äußerst liebevoll und sehr ansprechend gestaltet werden. So liegen die Filme in einer technisch guten Qualität als DVD vor, die Aufmachung selber erinnert an ein Buch, in welchem man links den Film und auf der gegenüber liegenden Seite ein passendes Booklet mit Informationen, Bildern und Texten zum Film vorfindet (bei A Hole In My Heart wurde ein Text von Thorsten Hanisch verwendet). Im Bonusmaterial der DVD befindet sich zusätzlich noch ein Feature namens A Hole In My Second Heart – ein knapp 16 Minuten langes Making of mit Diskussionen am Set -, so wie der Kinotrailer.

Mit dem vorliegenden schwedischen A Hole In My Heart von Regisseur Lukas Moodysson (Lilja 4-Ever) macht das Label seinem Namen alle Ehre! Schonungslos, verstörend, hart, und realistisch, aber ohne den Wunsch der plumpen Provokation, sondern immer mit einem Blick für seine Charaktere wird dem Zuschauer das Schicksal des Verlierers Rickard, seinem Freund Gecko oder der jungen Tess präsentiert.
Es ist erstaunlich, dass der Regisseur, welcher sich mit seinen drei vorangegangenen, schon immer irgendwie anderen Filmen einen Namen auch über die filmische Independent-Szene hinaus gemacht hat, mit seinem vierten Film so einen sperrigen, schwierigen Film ohne jegliche Zugeständnisse dreht, der schon beinah wieder den Charakter eines wilden Debütfilmes hat. Dies alleine verdient in meinen Augen großen Respekt!

Gedreht mit Laiendarstellern, gefilmt mit einfachsten Mitteln wirkt der Film wie ein Live-Mitschnitt seelischer Leere, der den Zuschauer bewusst dazu auffordert, mitzudenken, und sich den Inhalt zu erarbeiten!
Der Zuschauer beobachtet über 90 Minuten die drei Protagonisten, welche sich die meiste Zeit in ihrer Wohnung aufhalten, und Amateurpornos drehen. Dass dies aber weniger der erotischen Befriedigung dient (denn man schläft auch schon mal dabei ein), sondern eher als Zeichen der Hilflosigkeit und Vereinsamung zu sehen ist, wird schnell deutlich.

A Hole In My Heart ist schwere Kost, die es zu verdauen gilt! Es bedarf eine Überwindung, sich die gezeigte Tristesse bis zum Ende des Filmes zu geben, lässt man sich aber darauf ein, und setzt sich mit dem Film auseinander, wird man die Kunst dahinter entdecken!

Christian Funke-Smolka