Alexandre Ajas MANIAC (Ascot Elite Home Entertainment) +++Review+++Feature+++

Alexandre Ajas MANIAC (Ascot Elite Home Entertainment) +++Review+++Feature+++

MANIAC_Schiftzug

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Frank ist Besitzer eines Mannequin Ladens. Er lebt ein eher zurückhaltendes und verschlossenes Leben. Doch dies ändert sich, als die junge und hübsche Anna in sein Leben tritt. Für ihre neue Ausstellung wendet sie sich an Frank. Aus dem Treffen entwickelt sich eine Freundschaft. Doch der Schein trügt. Denn unter der Oberfläche verstärkt sich seine geheime Besessenheit. Je länger die Freundschaft anhält, desto heftiger tritt seine Manie zum Vorschein.

„Herr der Ringe“-Star Elijah Wood übernahm die Hauptrolle des „Maniac“ Frank. Für die weibliche Hauptrolle wurde Nora Arnezeder ausgewählt, das Drehbuch wurde von Alexandre Aja („High Tension“, „Piranha 3D“) und Gregory Levasseur („Mirrors“, „P2“) adaptiert.

http://www.maniac-derfilm.de
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Meinung zum Film:

Szenenbild_04(700x465)Es ist so eine Sache mit den Remakes von Genre-Klassikern. Die einen sagen, dass den Drehbuchautoren nichts Neues mehr einfalle, die anderen nennen es eine Neuinterpretation für ein nachwachsendes Publikum. Egal, aus welchem Blickwinkel man dieses Phänomen betrachtet, fällt es doch spätestens bei Sichtung der jeweiligen Neuinterpretation leicht, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Wenn man sich das Werk des sehr erfolgreichen französischen Genre-Regisseurs und Produzenten Alexandre Aja anschaut, fällt dem kundigen Zuschauer auf, dass nur die ersten drei Filme seiner Karriere (und hier meine ich seine beiden eher unbekannten Frühwerke und seinen furiosen „Haute tension“) auf eigene Ideen basierten, alle folgenden Filme, die durchweg sehr erfolgreich und aus meiner Sicht grandios waren, jedoch auf Ideen und Vorlagen anderer Filmemacher basierten („The Hills Have Eyes“, „Mirrors“ und „Pirhana 3D“). Hier nun haben wir eine weitere Interpretation eines der wohl berühmt-berüchtigtsten Filme der 80er Jahre: MANIAC, damals inszeniert von William Lustig. Aja schrieb dieses Mal jedoch nur das Drehbuch und produzierte für seinen Kollegen Franck Khalfoun, mit dem er schon „P2 – Schreie im Parkhaus“ gemeinsam gestaltete.
Es ist aus meiner Sicht mutig, einen der kontroversesten Nasties der jüngeren Filmgeschichte zu adaptieren, ein Film, der für nahezu jede Diskussion über Gewalt im Film herhalten musste und auch heute noch in fast allen Ländern der Welt den Mitarbeitern der staatlichen Kontrollinstanzen die Schockstarre ins Gesicht meißelt! Dann aber auch noch die Figur des titelgebenden Maniacs Frank Zito mit Elijah „Frodo“ Wood, dem Menschen mit dem wohl weichsten Dackelblick der Filmlandschaft zu besetzen, DAS nenn ich dann einen wirklich grandiosen Coup.

szenenbild_4Das Regisseur und Produzent das Talent haben, filmisch virtuos zu schockieren, weiß der Genrefreund, aber auch Elijah Wood konnte in „Sin City“ ja schon beweisen, dass er durchaus in der Lage ist, RICHTIG böse zu sein. Was er jedoch hier vorlegt, sprengt jeden Rahmen!

Auf die Geschichte muss ich an dieser Stelle nicht wirklich eingehen, dient sie doch eher als Grundgerüst für eine verstörende Studie über einen psychisch kranken und traumatisierten Menschen. Man beging zum Glück nicht den Fehler, das Original Frame für Frame zu kopieren, sondern wagte sich an eine gänzlich neue Interpretation der Grundidee, die einzig in ihrer beinahe klinisch sterilen Atmosphäre und einigen inhaltlichen Ansätzen an William Lustigs Film erinnert. Was jedoch die wohl deutlichste Neuerung ist, die aber auch gleichzeitig den Film unglaublich intensiv und so durch und durch verstörend macht, ist die konsequente Umsetzung der Ego-Perspektive: denn alles wurde aus Sicht der Hauptfigur gefilmt, was bedeutet, dass man Frank eben auch nur dann erblicken kann, wenn er in einen Spiegel schaut. Dies macht es für den Zuschauer unglaublich unangenehm, den Mordszenen beizuwohnen, drängt es einen doch in eine Position, die man normalerweise in einem Slasher, wo die Taten oftmals der Unterhaltung dienen, nur als Außenstehender betrachtet. Hier jedoch ist man plötzlich in der Rolle des Ausführenden und scheint den verursachten Schmerz körperlich spüren zu können. Damit verbauten sich die Verantwortlichen direkt jede Chance auf Massentauglichkeit, denn dieser Film trifft wohl jeden Zuschauer da, wo es weh tut!

Die Blu-ray erscheint in einer bestechenden Bild- und Tonqualität bei Ascot Elite Home Entertainment sowohl in der unzensierten Extreme-Edition als auch in einer kürzeren, von der FSK abgesegneten Version. Der Bonussektor bietet neben einer Einführung durch den Regisseur des Originals, William Lustig noch zwanzig Minuten Interviews mit Darstellern, Produzent und Regisseur des Films. Zudem kommen noch ein zehn Minuten langes Making of, Trailer und eine Programmübersicht hinzu.Szenenbild_05(700x465)

Maniac ist ein schwer zu beurteilender Film geworden, denn man kann ihn eigentlich keinem zur reinen Unterhaltung empfehlen. Der Film tut weh, ist unangenehm und extrem intensiv. Zudem bietet er aber auch eine faszinierende und unglaublich stimmige Atmosphäre, eine perfekte Kombination von Sound und Bild, großartige Darsteller und eine grandiose Bildästhetik! Ich für meinen Teil war begeistert, weiß aber auch, dass ich diesen Film nicht mit jedem schauen kann, da er durch seine visuelle und psychologische kompromisslose Härte echt verstört! Trotzdem, oder auch gerade deshalb, ist Maniac ein beeindruckender Film geworden, der zudem seinem Hauptdarsteller die Chance gab, zu beweisen, was als oftmals unterschätzter Mime wirklich in ihm steckt. Ich kann Maniac auf jeden Fall empfehlen, es soll aber nachher keiner behaupten, ich habe ihn nicht gewarnt!

Feature:

Survival-Guide: Überleben im Horrorfilm

szenenbild_2Als eines Tages die junge Künstlerin Anna (Nora Arnezeder) im Laden des schüchternen Schaufensterpuppen-Restaurateurs Frank (Elijah Wood) auftaucht, weiß sie noch nicht, in welche Gefahr sie sich mit dieser Bekanntschaft begibt. Frank ist nämlich keineswegs so harmlos, wie es auf den ersten Blick aussieht – tatsächlich ist das genaue Gegenteil der Fall: Nachts macht Frank nämlich Jagd auf wehrlose Frauen! Wird er sich letztlich auch Anna schnappen oder kommt sie ausnahmsweise mit heiler (Kopf-)Haut davon? Horrorfilm-Fans mit starken Nerven können es ab dem 21. Mai selbst herausfinden, wenn ALEXANDRE AJAS MANIAC auf DVD und Blu-ray erscheint. Eines ist derweil bereits sicher: Anna würde es garantiert nicht schaden, sich bis zum Release noch schnell mit den folgenden Horrorfilm-Survival-Tipps auseinanderzusetzen.

– Da die Mehrzahl aller Gewaltverbrechen nach Sonnenuntergang stattfindet, empfiehlt es sich auch und gerade im Horrorfilm, nach dem Sandmännchen möglichst keinen Fuß mehr vor die Tür zu setzen. Vor allem junge Menschen mögen das als gravierende Minderung ihrer Lebensqualität empfinden, jedoch sollten sie bedenken, dass sie im Horrorfilm-Kontext lieber jeden überlebten Tag wie ihren Geburtstag feiern sollten, statt sich über die Einschränkung ihrer Freizeitangebote zu beklagen.

– Doch auch in den eigenen vier Wänden ist es bisweilen alles andere als sicher. Eine nicht ordentlich abgesperrte Tür oder das versehentlich offen gelassene Fenster interpretieren mordlüsterne Täter nur allzu gern als herzliche Einladung, in genau dieser Wohnung ein Blutbad anzurichten. Also: Fenster und Türen immer schön geschlossen halten!

– Ob nun drinnen oder draußen, sei immer wachsam und auf alles (Böse) gefasst! Beschränke dich bei der Kommunikation mit Fremden auf das Nötigste und mach – egal wo, egal wann – nicht unnötig auf dich aufmerksam.

– Flirte nicht mit Typen, die Selbstgespräche führen und/ oder offensichtlich unter Halluzinationen leiden und/ oder hauptberuflich Schaufensterpuppen restaurieren! Im Prinzip ist es am besten, das mit dem Flirten im Horrorfilm gleich ganz bleiben zu lassen!

– Eine besonders schlechte Idee ist es, sich mit Wildfremden übers Internet zu verabreden. Das geht schon im wahren Leben überdurchschnittlich oft schief – und im Horrorfilm erst recht.

– Darüber hinaus ist der Kontakt zu Personen mit eher unschönen Kindheitserinnerungen sowie einem gestörten Verhältnis zu ihrer Mutter generell zu meiden!

– Wirst du trotz aller Vorsicht doch einmal von einem Kerl mit leicht wahnsinnigem Blick verfolgt, dann bist du durchaus gut beraten, sofort (auf diesem Wort liegt die Betonung!) die Beine in die Hand zu nehmen und an einen sicheren Ort zu flüchten! Nicht ganz so gut ist es allerdings, wenn die Wahl auf eine Sackgasse oder einen eingezäunten Parkplatz mit nur einem Ein- und Ausgang fällt…

– Steht dir ein unheimlicher Typ bereits direkt gegenüber, ist guter Rat noch etwas teurer. Insbesondere dann, wenn er auch noch ein langes Messer rausholt, um dich davon zu überzeugen, dass Selbstberuhigungsversuche im Stile von „Der wird mir schon nichts tun…“ im wahrsten Sinn des Wortes an den Haaren herbeigezogen sind.Szenenbild_02(700x465)

– Apropos: Wenn du hörst, dass irgendjemand in der Nachbarschaft am laufenden Band Frauen mit langen Haaren skalpiert, kann es dem eigenen Nervenkostüm extrem zuträglich sein, sich eine Kurzhaarfrisur zuzulegen. Du hältst das für übertrieben? Dann hast du vermutlich vergessen, dass es hier um das Thema „Überleben im Horrorfilm“ geht und nicht um eine individuelle Typberatung!

– Da niemand mit Sicherheit sagen kann, ob er/ sie sie nicht vielleicht wirklich mal in einen Horrorfilm gerät, sollte das regelmäßige Auffrischen der eigenen Selbstverteidigungs-Kenntnisse eigentlich auf jedem Trainingsplan stehen.

Christian Funke-Smolka