„Alles Geld der Welt“ (Tobis/Universum Film)

„Alles Geld der Welt“ (Tobis/Universum Film)

Regie:
Ridley Scott

Schauspieler:
Christopher Plummer, Mark Wahlberg, Michelle Williams

Es ist einer der aufsehenerregendsten Fälle der Kriminalgeschichte: 1973 wird der 16-jährige Paul, Enkel des milliardenschweren Ölmagnaten J. Paul Getty, in Rom entführt. Die Kidnapper verlangen 17 Millionen Dollar Lösegeld, doch der reichste Mann der Welt denkt gar nicht daran, zu bezahlen. Der alte Griesgram hält das Ganze für eine Inszenierung und fürchtet Nachahmer – schließlich hat er 13 weitere Enkel. Nur Pauls verzweifelte Mutter Gail kämpft weiter um das Leben ihres Sohnes. Unermüdlich versucht sie, den alten Getty umzustimmen, und verbündet sich schließlich mit dessen Sicherheitsberater, dem Ex-CIA-Agenten Fletcher Chase. Den beiden bleibt nur noch wenig Zeit, bis das Ultimatum abläuft…

Meisterregisseur Ridley Scott („Der Marsianer“, „American Gangster“, „Der Blade Runner“) rekonstruiert in ALLES GELD DER WELT einen der spektakulärsten Entführungsfälle des letzten Jahrhunderts. Der Cast ist hochkarätig besetzt mit Michelle Williams („Manchester by the Sea“), Mark Wahlberg („Boston“) und Christopher Plummer („Beginners“). Letzterer erhielt für seine Darstellung 2018 eine Oscar Nominierung in der Kategorie Bester Nebendarsteller.

© Tobis/Universum Film

Meinung zur Veröffentlichung:

Am 10. Juli 1973 auf der Piazza Fernese in Rom kommt es gegen 3 Uhr morgen s zu einem der wahrscheinlich spektakulärsten Entführungsfälle der jüngsten Vergangenheit. Das Opfer ist der 16-jährige John Paul Getty III., Enkel des US-Industriellen Jean Paul Getty, der mit Erdöl ein Milliardenvermögen gemacht hat und in den 1970ern als der reichste Mann der Welt galt. Das Lösegeld betrug 17 Millionen Dollar. Eine Summe, die aus finanzieller Sicht für den Ölmagnaten kein Problem darstellen sollte. Doch dieser weigerte sich zu zahlen, da er befürchtete, sich dadurch angreifbar für weitere kriminelle Übergriffe zu machen. Zähe Verhandlungen drohen, die sich über fünf Monate hinziehende Entführung eskalieren zu lassen. Ein für die Beteiligten nervenzehrender Kraftakt, der durch das große Interesse der Öffentlichkeit ungeahnte Dimensionen anzunehmen droht…

Ähnlich gestaltete sich auch das Publikumsinteresse an den Dreharbeiten. Denn Regisseur und Produzent Ridley Scott wollte einen gut recherchierten, einen sich nahe an den Tatsachen befindenden True Crime-Thriller drehen, der durch eine makellose Inszenierung und eine hervorragende Besetzung überzeugen kann. Doch nur wenige Wochen vor der Uraufführung werden massive Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den Hauptdarsteller Kevin Spacey, der den Ölmagnaten Getty spielt, erhoben, woraufhin man einstimmig beschloss, seine Passagen zu streichen und mit dem Charaktermimen Christopher Plummer neu zu besetzen und sämtliche Szenen, als auch das Werbematerial anzupassen. Man schaffte dies in einer Rekordzeit von 14 Tagen, so dass der Film drei Tage später als geplant in die Kinos kam.

Der Film basiert auf dem 1995 erschienenen Sachbuch Painfully Rich : The Outrageous Fortune and Misfortunes of the Heirs of J. Paul Getty von John Pearson und ist ein gut recherchierter, detailverliebt ausgestatteter und hervorragend besetzter Thriller, der jedoch seinen Fokus eher auf das menschliche Drama hinter dem Kriminalfall richtet. Hier gelingt es allen Darstellern, eine hervorragende Leistung abzuliefern, jedoch Christopher Plummer gelingt es, der charakterlich knallharten Figur des Multimilliardärs eine emotionale Tiefe zu verleihen, die die Tragik seiner Person greifbar macht. So erleben wir eine faszinierende, Rekonstruktion eines der aufsehenerregendsten Entführungsfälle, erhalten jedoch gleichzeitig einen intensiven Einblick hinter die tragischen Fassaden einer zerrütteten Familie, die beweist, dass extremer Reichtum eher Fluch als Segen sein kann.

 

 

Alles Geld der Welt (Originaltitel: All the Money in the World, USA 2017) erscheint auf DVD, Blu-ray und Digital bei Tobis und Universum Film. Mir lag zur Ansicht die DVD vor, die in Bild (2,40:1/16:9 anamorph) und Ton (Deutsch & Englisch: Dolby Digital 5.1) auf einem durchweg soliden, aber nicht hervorragenden und wenig einheitlichen Niveau liegt. Der Bonusbereich kann dann mit einer Fülle an Material voll überzeugen. Neben einem kurzen Making of gibt es ein kurzes Special zu den Nachdrehs, deleted scenes, eine B-Roll, Featurettes zur Neubesetzung der Hauptrolle, der Arbeit des Regisseurs, Aufnahmen von der Premierenveranstaltung, entsprechende Interviews, diverse Trailer und eine Programmübersicht. Ich persönlich hätte mich noch über die ursprüngliche Filmfassung mit Kevin Spacey in der Rolle des Ölmagnaten J. Paul Getty gefreut, aber das bleibt wohl Wunschdenken.

Alles Geld der Welt meistert einen eindrucksvollen und in sich stimmigen Spagat zwischen Charakterstudie und Entführungsthriller, der sowohl hochwertig und bildgewaltig in Szene gesetzt wurde, als auch durch seine darstellerischen Schwergewichte schauspielerisch überzeugen kann. Ein fesselnder, detailverliebter und durchweg faszinierender Film, der mir sehr gut gefallen hat.

Christian Funke