„Amazonen auf dem Mond“ (Turbine Steel Collection)

„Amazonen auf dem Mond“ (Turbine Steel Collection)

Was passiert, wenn der Sohn des Unsichtbaren glaubt, dass ihn keiner sieht, dies aber offensichtlich falsch ist? Was macht eine Horde Komiker auf einer Beerdigung und was machen Schwarze ohne Seele? Und war Jack the Ripper nicht das Ungeheuer von Loch Ness? Eigentlich soll „Amazonen auf dem Mond“ laufen, aber ein normaler Fernsehabend gerät außer Kontrolle.

Nach KENTUCKY FRIED MOVIE liefert John Landis die ebenso wilde Episoden-Komödie AMAZONEN AUF DEM MOND mit Starbesetzung. Regie-Unterstützung fand er in Joe Dante (GREMLINS), Carl Gottlieb (REICHTUM IST KEINE SCHANDE) u.a.. Mit Tempo und schwarzem Humor veralbern sie das US-Fernsehen mit B-Filmen, Shows und Werbung.

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© Turbine Medien

Meinung zur Veröffentlichung:

…oder Warum die Amerikaner den Kanal voll haben

Als John Landis im Jahr 1977 seinen wüsten und respektlosen Episodenfilm Kentucky Fried Movie auf das unvorbereitete Publikum losließ, befand er sich gerade am Anfang seiner Karriere, die sich jedoch nach diesem Film und den darauffolgenden Blues Brothers, American Werewolf oder Die Glücksritter rasant entwickeln sollte. Zehn Jahre später war es an der Zeit, seinen Landsleuten erneut den Spiegel vorzuhalten. Gemeinsam mit den Regisseuren Joe Dante, Carl Gottlieb, Peter Horton und Robert K. Weiss inszenierte man zweiundzwanzig kurze Sketche und Episoden, die die Film- und TV-Landschaft veralberten.

Bullshit…or not?

Die Messlatte lag mit Kentucky Fried Movie verflucht hoch und eines gleich vorweg, dieses hohe Niveau erreicht Amazonen auf dem Mond nicht durchgängig. Doch im Gesamteindruck bewegt sich auch dieser Episodenfilm auf einem extrem unterhaltsamen Level, bewegen sich die einzelnen Episoden und Sketche, allesamt hervorragend besetzt, gekonnt zwischen „witzig“, „respektlos“, „sympathisch geschmacklos“ und „clever pointiert“. Dass dabei immer wieder auch mal der ein oder andere Gag nicht zündet, fällt bei der Menge an guten Ideen kaum ins Gewicht. Denn auch wenn inhaltlich weniger das Ziel eine stringente Erzählung, sondern viel mehr das Hin- und her-zappen durch das amerikanische Abendprogramm mit all seinen hirnerweichenden Beiträgen aufgezeigt wird, wird immer wieder fiktive Werbung eingeblendet, die das intellektuelle Niveau noch weiter in den Keller treibt. Man erlebt ein angenehm bodenständiges Pethouse-Model, einen Aufruf von B.B. King, bitte für „Schwarze ohne Seele“ zu spenden, versucht, dem titelgebenden Science Fiction-Film im Film zu folgen und erfreut sich an Auftritten von Michelle Pfeiffer, Peter Horton, Russ Meyer, Robert Loggia, Steve Guttenberg, Rosanna Arquette, Griffin Dunne und Carrie Fisher. Herzhaft und derbe werden hier Filmklassiker und Trash parodiert, indem man versucht, diese gleichzeitig zu persiflieren und inhaltlich auf oftmals herrlich schwachsinnige Weise zu unterbieten. Dabei nutzt man zahlreiche Klischees und die damalige Angst der Kinobranche vor Umsatzeinbrüchen wegen der steigenden Zahl der TV-Kanäle und der Erfolgswelle der Videocassette. All dies greifen die Filmemacher gekonnt auf und verflechten es in eine neunzigminütiges Netzwerk aus Parodie und Satire, Nonsense und Kalauer, bei dem kein Gag zu schlecht ist, als dass es sich nicht lohnen würde, ihn zu erzählen. Einiges zündet heute noch genauso gut wie vor dreißig Jahren, anderes verpufft wirkungslos, im Gesamteindruck jedoch wird man, ich erwähnte es bereits, sehr gut unterhalten!

 

 

Turbine Medien veröffentlicht Amazonen auf dem Mond (Originaltitel: Amazon Women on the Moon, USA 1987) als Blu-ray-Premiere in ihrer schön gestalteten, streng auf 1.500 Stück limitierten und nummerierten Steel-Edition als FuturePak. Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 2.0) des über dreißig Jahre alten Filmes wurden auf einem qualitativ guten Niveau aufbereitet, im Bonusbereich befand sich neben einem Audio- und Videokommentar der Comedians Torsten Sträter, Hennes Bender und Gerry Streberg, zwei längere Interviews mit Regisseur Carl Gottlieb und Kameramann Daniel Pearl, verpatzte Szenen und sieben entfernte Szenen und Sequenzen. Dazu gab es diverse Trailer, einen textlosen Abspann und als Hidden-Feature den Audiokommentar von Nathaniel Thompson und Tim Greer.

Wer Lust auf Don Simmons, den schwarzen Soulsänger ohne Seele hat, die wahre Identität von Jack the Ripper erfahren möchte, sehen will, was Videopiraterie tatsächlich bedeutet, den Sohn des Unsichtbaren bei seinem Treiben beobachten, oder sich einfach nur mal herrlich sinnfrei unterhalten möchte, der kommt an dem Kultfilm Amazonen auf dem Mond nicht vorbei. Erst recht, wenn er in solch einer rundum gelungenen Edition veröffentlicht wird!

Christian Funke