As I Lay Dying (Splendid Film)

As I Lay Dying (Splendid Film)

James Francos („Spring Breakers“, „127 Hours“) Literaturverfilmung AS I LAY DYING basiert auf Nobelpreisträger William Faulkners gleichnamigem Roman von 1930, der als einer der besten des 20. Jahrhunderts gilt. Multitalent Franco verfasste nicht nur das Drehbuch und führte Regie, sondern spielte auch eine der Hauptrollen. Die beschwerliche Odyssee einer verarmten Südstaatenfamilie ist bewegendes, großes Arthouse-Kino. Neben CoverFranco überzeugen auch Tim Blake Nelson („Lincoln“, “Leaves of Grass”), Danny McBride („Stichtag”, „Up in the Air”), Beth Grant („The Artist”) und Logan Marshall-Green („Prometheus“).

Addie Bundren (Beth Grant), die Mutter einer armen Familie in Mississippi, ist sehr krank und steht kurz vor dem Tode. Ihr handwerklich begabter ältester Sohn Cash (Jim Parrack) arbeitet bereits an ihrem Sarg. Als Addie schließlich stirbt, bricht ihr Mann Anse (Tim Blake Nelson) zusammen mit den Kindern Cash, Darl (James Franco), Jewel (Logan Marshall-Green), Dewey Dell (Ahna O’Reilly) und Vardaman (Brady Permenter) auf, um ihren letzten Wunsch zu erfüllen: in ihrer Heimatstadt Jefferson begraben zu werden. Doch die 40 Meilen lange Reise birgt eine Menge Gefahren. Die Trauer um die Mutter und Ehefrau lässt die bis dahin unterdrückten und verborgenen Emotionen der Familienmitglieder immer stärker zu Tage treten und es kommt zu einem tragischen Vorfall…

Meinung zum Film:

Das sich ein Schauspieler, der vor der Kamera erfolgreich sein Talent unter Beweis stellen konnte und entsprechende Ehrungen erfahren hat, hinter der Kamera neuen Aufgaben und Erfahrungen widmen möchte, ist nicht unbedingt neu. Wenn sich aber ein junger und talentierter Darsteller wie James Franco gar nicht mit einem kleinen Regie-Experiment zufriedengibt, sondern direkt an die prominent besetzte Verfilmung eines literarischen Schwergewichts geht, in diesem Falle dem überaus verschachtelten und komplexen As I Lay Dying von William Faulkner, dann ist das definitiv eine nähere Betrachtung wert. Dabei ist das Setting des amerikanSzene 1ischen Hinterlandes nicht neu, jedoch die filmische Betrachtungsweise hat sich in den letzten Jahren gravierend geändert. Nüchtern, beinahe dokumentarisch werden die Lebensumstände der, oftmals unter ärmlichen Bedingungen lebenden, Bevölkerung analysiert und sowohl respektvoll als auch vielschichtig dargestellt. Dabei sind ihre Protagonisten keine klischeebehafteten Überzeichnungen sondern komplexe, authentisch wirkende Personen. Hier bieten sich natürlich die Erzählungen Faulkners für eine filmische Adaption an.

Doch zurück zu James Francos Filmversion von As I Lay Dying. In Faulkners Roman „Als ich im Sterben lag“ wird die Odyssee einer armen Südstaaten-Farmersfamilie erzählt, die dem Wunsch der verstorbenen Ehefrau und Mutter entsprechend gemeinsam ihren Leichnam in die weit entfernte Heimat überführen wollen. Doch dieser Trauerzug wird zu einer großen Belastungsprobe, führt er doch zu einer psychischen wie physischen Auflösung der trauernden Familienmitglieder, die nicht nur mit den äußerlich extrem erschwerten Bedingungen umgehen müssen, sondern sich auch mit den familieninternen Problemen und tiefsitzenden Konflikten auseinanderzusetzen haben.

As I Lay Dying erscheint als DVD und Blu-ray bei Splendid Film. Bild- und Tonqualität sind auf einem sehr guten Niveau, im Bonusmaterial befinden sich zusätzliche Informationen in Form von kurzen Interviews mit James Franco, Tim Blake Nelson oder Danny McBride. Zudem liegen noch eine B-Roll, Szenen der Dreharbeiten und eine Programmübersicht vor.

Man muss als Zuschauer den Hut vor James Franco ziehen. Auch wenn seine filmische Version des Literaturklassikers deutlich und sehr konsequent mit den gängigen Sehgewohnheiten des PSzene 2ublikums bricht, sich dabei einiger auf den ersten Blick ungewöhnlicher, eventuell sogar unpassender Stilmittel bedient (ich denke hier an die Wahl des Split Screens, an die ich mich nur sehr langsam gewöhnen konnte, die aber im weiteren Verlauf des Films einen -etwas sperrigen- Sinn ergab), kann man ihm eine enge intellektuelle Bindung an das Buch nicht absprechen. Denn gerade die Perspektivwechsel machen den Reiz des komplex aufgebauten Romans aus, dem man sich auch als Zuschauer, lässt man sich denn auf die filmischen Umsetzungsmittel ein, ab einem gewissen Punkt nur schwer entziehen kann. Dabei spart er nicht mit düsterer Grundstimmung und grüblerische Dialoge, was As I Lay Dying dann endgültig vom massenkompatiblen Unterhaltungsfilm wegkatapultiert. Dies ist jedoch keinesfalls negativ zu verstehen, denn wenn man sich auf James Francos Regiearbeit trotz der anfänglichen Sperrigkeit einlässt, erlebt man als Zuschauer einen musikalisch sehr gut unterlegten, darstellerisch hervorragenden, atmosphärischen und sehr düster-grimmigen Film eines überaus talentierten Künstlers.

Christian Funke-Smolka