Assault on Wall Street (Splendid Film)

Assault on Wall Street (Splendid Film)

4013549049696_highKultregisseur Uwe Boll wagt einen schonungslosen Blick auf den tiefen Sumpf der US-Finanzwirtschaft, und zeigt auf extreme Weise die Gier und Verantwortungslosigkeit der Finanzindustrie auf. Er schickt Hollywood-Star Dominic Purcell los sich an skrupellosen Bankern und Börsianern zu rächen, und das gnadenlos.

Jim Baxford (Dominic Purcell), Angestellter einer Security-Firma, und seine Frau Rosie sind Opfer der Finanzkrise und stehen vor dem finanziellen Ruin. Rosie ist schwer Krank und die Versicherung will keine Kosten für Behandlungen übernehmen. Finanzielle Rücklagen wurden von der Rücksichtslosen Investmentbankern aufs Spiel gesetzt und vernichtet. Als Jim seinen Job verliert sieht Rosie keinen Ausweg mehr und nimmt sich das Leben. Jetzt hat Jim nichts mehr zu verlieren und sieht rot! Er entwickelt einen todbringenden Plan und macht gnadenlos Jagd auf die skrupellosen Investmentbanker…

Meinung zum Film:

Regisseur Dr. Uwe Boll schafft es erstaunlicherweise, mit seinen zahlreichen Filmen immer abwechslungsreich und nicht festlegbar zu sein. Auf jeden seiner Filme, bei dem man als Zuschauer das Gefühl hatte, es wäre eventuell besser gewesen, man hätte sein Gehirn vorher abgegeben (zum Beispiel „Blubberella“), folgte ein Beitrag, der an Intensität und Gesellschaftskritik kaum zu überbieten war. Ich erinnere mich an „Dafur“, „Rampage“ oder seinen hier vorliegenden Film Assault on Wall Street. Alle diese Beiträge zeigen, was Uwe Boll auch sein kann: ein kritischer, nachdenklicher Wutbürger, der sich über die Missstände in der Gesellschaft aufregt. Natürlich gehört es zum Auftreten des Regisseurs, dieses auch jederzeit lautstark zu zeigen, denn als Geschäftsmann weiß er natürlich, das klappern zum Handwerk gehört. Erstaunlicherweise ist mir dieses Auftreten im Vorfeld zu Assault on Wall Street nahezu gar nicht aufgefallen, was sich letztendlich auch in der sehr ruhigen, teils sogar überaus sensiblen Herangehensweise an die Geschichte im Film widerspiegelt.

Dominic Purcell (Prison Break) spielt Jim Baxford, der ein gutbürgerliches Leben führt. Sicherer Job, ein eigenes kleines Haus und einen guten Freundeskreis. All dies gerät aus den Fugen, als man bei seiner Frau Rosie eine schwere Erkrankung diagnostiziert, deren Behandlung Stück für Stück die Ersparnisse des Pärchens aufbra91Eny-Vp-OL._SL1500_ucht. Jim versucht sein Glück mit Finanzspekulationen, bei denen seine Berater ihm sichere Chancen versprechen. Doch dies ist eine Investment-Seifenblase, die auf einen Schlag seine gesamten Besitztümer vernichtet. Die Lage spitzt sich, da Rosie sich, beziehungsweise ihrer Erkrankung die Schuld gibt, immer weiter zu, so dass Jim plötzlich nur noch eine Chance auf Gerechtigkeit sieht…

Assault on Wall Street ist ein extrem harter Film, der weniger durch seine Gewaltdarstellungen schockiert, als viel mehr durch seine tiefgehende, unverschuldete Ausweglosigkeit seiner Hauptfiguren, die durch ihre authentische Charakterzeichnung und die intensive Darstellung der beiden Hauptdarsteller innerhalb kurzer Zeit dem Zuschauer sehr vertraut und nahe erscheinen. Man fiebert und bangt mit ihnen, spürt die Trauer und Verbitterung und ist sehr schnell von der Story und ihrer geschickten Inszenierung gefesselt. Denn so schockierend das Finale erscheinen mag, hegt man trotzdem als Zuschauer weiterhin Sympathien für die Figur des Jim, der in seiner neuen Lebensaufgabe erschreckend aufzugehen scheint.

Assault on Wall Street erscheint bei Splendid Film als Blu-ray in topp Qualität. Bild und Ton zeigen keinerlei Mängel. Im Bonusmaterial befinden sich eine Programmübersicht und ein sehr interessanter und persönlicher zweisprachiger Audiokommentar des Regisseurs.

Ich hätte es kaum für möglich gehalten, dass ich irgendwann behaupten würde, Uwe Boll habe ein bewegendes und sehr intensives Drama inszeniert. Doch mit Assault on Wall Street ist ihm wohl sein bisher bester und emotionalster Film gelungen, der neben sehr guten Darstellern auch eine hervorragende Inszenierung und einen intensiven Score zu bieten hat. Boll erweist sich als bodenständiger Mann des Volkes mit Blick für die Sorgen der Menschen und der alltäglichen Ungerechtigkeit. Auch wenn man seinen Lösungsvorschlag nicht ernst nehmen sollte (und von ihm auch nicht ernst gemeint ist), ist die Botschaft bewegend und lässt einen auch nach dem Ende des Filmes noch lange darüber nachdenken. Ein beeindruckend intensiver Film, der eine Seite des Regisseurs zeigt, die ich bei ihm so nicht erwartet hätte. Chapeau!

Christian Funke-Smolka