„Battle Royale II“ (Capelight Pictures)

„Battle Royale II“ (Capelight Pictures)

Regie: Kenta & Kinji Fukasaku

Cast: Tatsuya Fujiwara, Aki Maeda, Shugo Oshinari u.a

Drei Jahre nach den Ereignissen der letzten Battle Royale haben sich Shuya Nanahara, Noriko Nakagawa und weitere Überlebende des BR-Programms zum Widerstand zusammengeschlossen. Unter dem Namen Wild Seven erklären sie den Erwachsenen den Krieg und verfolgen nur ein Ziel: die Abschaffung des BR-Gesetzes! Doch Staat und Gesellschaft haben aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt. Sie verleumden Shuya und seine Anhänger als Terroristen und schicken die nächste Schulklasse in das ausweglose Spiel. Doch die Regeln haben sich geändert! Die todgeweihten Schüler haben einen Auftrag: Shuya Nanahara und seine Wild Seven müssen vernichtet werden!

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Requiem / Revenge

Shuya Nanahara (Tatsuya Fujiwara, Death Note), der Überlebende der drei Jahre zurückliegenden Battle Royale, ist mittlerweile mit seiner Organisation Wild Seven ein international gesuchter Terrorist. Die Terrorgruppe setzt sich aus den Überlebenden der vorangegangenen Kämpfe zusammen und haben es sich als Ziel gesetzt, dass die Erwachsenen die BR-Gesetze abschaffen. Doch die Regierung geht auf die Vorschläge der Organisation nicht ein, sondern versammelt die Schüler der Shikanotoride – Mittelschule, um statt eines klassischen Battle Royales die jungen Menschen auf die Terrororganisation und ihren Anführer zu hetzen. Ein unerbittlicher, für die Schüler nicht freiwilliger Kampf beginnt…

Japanische Filme können bei unvorbereiteten Zuschauer in manchen Fällen einen merkwürdigen Eindruck hinterlassen. So auch der hier vorliegende Battle Royale II: Requiem, beziehungsweise habe ich mir die längere Fassung Revenge angeschaut. Hier treten deutlich ältere Darsteller in ihren Rollen als Neuntklässler an, um die Welt von den Erwachsenen, die sie auf brutale Weise unterdrücken, zu befreien. Dazu scheint der Begriff des „Overacting“ wie geschaffen für Sparten des japanischen Kinos. Da wird mit den Augen gerollt, bei Wut, Verzweiflung oder Unsicherheit stampft man auf und ballt die Fäuste, bei großer Trauer schreit man auch gerne schon mal laut auf. Das mag den unerfahrenen Zuschauer irritieren, lässt man sich jedoch darauf ein, ist man bereit für den wahren Filmgenuss. Denn unter der doch eher rauen Schale, es wird hart, sehr blutig und gnadenlos gekämpft, findet man einen sensiblen Kern, der einem eine beinahe sensible Geschichte präsentiert. Es eine etwas andersartige Parabel über die Pubertät zu nennen, mag vielleicht zu weit gehen, aber man beobachtet junge Menschen, die versuchen, sich gegen bestehende Strukturen aufzulehnen, die ihren Weg finden möchten und dafür stellenweise einen sehr hohen Preis zahlen müssen. Okay, ich gebe zu, um diesen Aspekt zu erkennen, muss man schon verflucht tief graben. Denn in erster Linie ist Battle Royale II ein sauber inszenierter Actioner, der sich nicht scheut, Gewalt auch als solche darzustellen. Während Kinji Fukasaku (Graveyrad of Honor) direkt nach dem großen Erfolg des ebenfalls von ihm inszenierten vorgängers seine figuren erneut auf der Leinwand sehen wollte, schrieb sein Sohn Kentadas Drehbuch. Leider musste der Filmemacher aufgrund seiner schnell voranschreitenden Krebserkrankung nach nur einer Szene die Regie an seinen Sohn abgeben, der diesen dann für ihn beendete. Tragischerweise war der große Regisseur zur Premiere bereits verstorben. Battle Royale II ist ein wahrer Brecher von einem Film. In seiner Langfassung 2,5 Stunden lang, erlebt man ein brachiales Sperrfeuer, welches laut, brutal und schnell geschnitten auf den Zuschauer einprasselt. Dazu stellt der wunderbar orchestrale Score von Masamichi Amano einen perfekten Gegenpol dar, der dem Film einen beinahe epischen Anstrich verleiht. Und Riki Takeuchi, der sich hier wieder selber spielt, ist eh einer, dessen Schauspiel man gesehen haben muss, um es zu glauben. Wo Takeshi Kitano zu wenig Mimik hat, hat er zu viel. Im Gesamteindruck vielleicht nicht so auf den Punkt inszeniert wie der Vorgänger, ist Battle Royale II aber auch ein derber, satirischer Spaß, den man erlebt haben sollte!

Capelight Pictures veröffentlichen Battle Royale II: Requiem (Originaltitel: Batoru rowaiaru II: Chinkonka, Japan 2003) im rundum sorglos – Paket als 3-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook oder Steelbook, als Doppel-DVD oder im 4-Disc Mediabook-Package zusammen mit dem ersten Teil. Mir lag zur Ansicht das 3-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook vor, welches neben der Kinofassung, den 133 Minuten langen Requiem-Cut, erstmals auch den 19 Minuten längeren Revenge – Cut in High Definition und vollständig synchronisiert beinhaltet. Bild (1,78:1/1080p) und Ton (Deutsch & Japanisch: dts-HD Master Audio 5.1) sind auf einem qualitativ gut aufbereiteten Niveau. Die dritte Disc ist dann vollgepackt mit interessantem Bonusmaterial. Das Kernstück ist hier ein 82 Minuten langes Making of, dazu kommen ein knapp vierzigminütiges „Hinter-den-Kulissen“– Special, Statements der Darsteller zum Thema „Krieg & Kampf“, Kameratests, Aufnahmen der Filmmusik in der Warschauer Philharmonie, ein Special zum Gedenken an den während der Dreharbeiten verstorbenen Regisseur Kinji Fukasaku und einiges mehr. Abgerundet wird diese Veröffentlichung durch ein 24 Seiten starkes Booklet der in Berlin lebenden Kuratorin Robyn Kerkhof, welches neben zahlreichen Bildern ein hochinteressantes Essay zum Thema „Überleben“ und den Motiven des Films enthält.

Battle Royale II: Requiem ist äußerst unterhaltsames japanisches Actionkino. Vielleicht etwas zu lang, vielleicht nicht ganz in allen Punkten durchdacht, dafür tolle Action, zahlreiche Härten und Darsteller, die mit ihrem emotionalen Spiel fünf Filme füllen könnten. Ein herzhafter Spaß, den man als Genrefan kennen muss und der hier dank Capelight Pictures in einer Veröffentlichung auf den Markt gebracht wird, bei der man unbesorgt zugreifen kann! In einer besseren Fassung kann man diesen Film nicht bekommen!

Christian Funke