„Black Christmas“ (Capelight Pictures)

„Black Christmas“ (Capelight Pictures)

Regie: Bob Clark

Cast: Olivia Hussey, Margot Kidder, John Saxon, Keir Dullea, Art Hindle

In ihrem Studentenwohnheim treffen Jessy (Olivia Hussey) und die anderen Mädchen die letzten Vorbereitungen für ein fröhliches Weihnachtsfest. Doch die friedliche Stimmung wird plötzlich durch anonyme und obszöne Anrufe gestört. Eine unheimliche Stimme terrorisiert sie immer mit der gleichen Drohung: „Ich werde euch alle töten!“ Und dann verschwindet eines der Mädchen spurlos. Die Polizei nimmt den Fall zunächst nicht besonders ernst, bis eine Leiche gefunden wird. Die anonymen Drohungen scheinen sich zu bewahrheiten: Eine Studentin nach der anderen verschwindet. Endlich entdeckt die Polizei, dass die Anrufe aus dem Haus kommen…

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Es ist der Vorabend vor Weihnachten und im Haus der Studentenverbindung von Jessy Bradford (Olivia Hussey, Tod auf dem Nil, ES), Clare Harrison (Lynne Griffin, Stephen King’s Storm of the Century), Phyllis „Phyl“ Carlson (Andrea Martin, Wag the Dog, My Big Fat Greek Wedding) und Barbara „Barb“ Coard (Margot Kidder, Die Schwestern des Bösen, Superman I-IV) herrscht ausgelassene Stimmung. Seit einiger Zeit erhalten die jungen Frauen in regelmäßigen Abständen obszöne Anrufe, lassen sich dadurch jedoch nicht einschüchtern. Auch private Probleme sollen die Stimmung nur geringfügig beeinflussen. Doch dies ändert sich, als sich ein psychopathischer Killer im Haus versteckt und Jagd auf die Studentinnen macht…

Sich an dieser Stelle auf die Ursprünge des Slashers, beziehungsweise der frühen Einflüsse des Giallo, hier ganz besonders Bava und Argento und der Nutzung einiger Elemente der Klassiker Psycho und Peeping Tom einzulassen, würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen. Aber die frühen 1970er Jahre waren die Blütezeit neuer Grenzerfahrungen im Horrorfilm. Craven, Romero oder Hooper loteten die Grenzen des zeigbaren aus und schufen kontrovers aufgenommene Meilensteine. Einer dieser Wegbereiter, der jedoch fatalerweise nie die Popularität der eben genannten erfahren sollte, war Bob Clark, der mit dem hier vorliegenden Black Christmas den Prototypen des Slashers schuf und damit eine Blaupause zeichnete, die in den 1980ern stilistisch Bestandteil nahezu sämtlicher Genrevertreter werden sollte. Der geneigte Vielseher kennt diese Bausteine: junge Menschen, gemeinsam in einem Haus, ein Killer, der sich unerkannt ebenfalls in diesem befindet und skrupellos seinem Treiben nachgeht. Dazu unterschwellig wirkende Musik, Taten, die man aus der Egoperspektive des Killers beobachtet und ungewöhnliche Kameraperspektiven. Oft genutzt, entsprechend oft gesehen. Mit Black Christmas erleben wir jedoch den Ursprung des Genres und haben einen Film, der als einer der allerersten Slasher gilt, und die eben genannten charakteristischen Merkmale als Stilmittel einführt. Noch vor Filmen wie Halloween und Freitag der 13. erleben wir hier einen Genrebeitrag, der neben hoher Spannung genug humorvolle Einschübe bietet, inhaltlich aber zudem auch einen hohen Anteil an Thriller-Elementen beinhaltet, um damit auch die Grenzen des Horrorgenres ungewöhnlich weit auszudehnen. Es zeugt von der hohen Qualität der Inszenierung und der guten Darsteller, dass der Film aus heutiger Sicht vielleicht modisch antiquiert, aber aufgrund seiner ungewöhnlichen Story so frisch wie zu seiner Premiere wirkt. Ein innovatives und wegbereitendes Meisterwerk des Horrorfilms, welches hier in einer hervorragenden Veröffentlichung gewürdigt wird.

© Trailer: ScreamFactoryTV

Black Christmas (Black Christmas, USA 1974), der bei seiner deutschen Veröffentlichung seinerzeit den Titel „Jessy – Die Treppe in den Tod“ spendiert bekommen hat, erscheint bei Capelight Pictures als wie immer sehr schön gestaltetes 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook und Limited Collector’s Edition im VHS-Design. Zur Ansicht stand mir das Mediabook zur Verfügung, welches den Titel unzensiert, neu restauriert und mit zum Teil neuem Bonusmaterial präsentierte. Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 5.1) der von mir getesteten Blu-ray waren für ein B-Movie diesen Alters auf einem qualitativ sehr guten Niveau, dass Sahnehäubchen jedoch ist das vorhandene Bonusmaterial. Hier gab es neben einem Audiokommentar mit Regisseur Bob Clark noch einen mit den Darstellern John Saxon und Keir Dullea, die 36 Minuten lange Dokumentation Black Christmas Revisited, das zwanzigminütige Featurette The 12 Days of Black Christmas, die zwei längeren Specials Film & Furs und Victims & Virgins, Interviews, Sound Scenes, TV- und Radio-Spots, und vieles mehr. Perfekt abgerundet wird diese Veröffentlichung durch ein 24-seitiges, reich bebildertes Booklet der Filmjournalistin Jenny Jecke, in welchem sie detailliert auf den Regisseur, die Bedeutung des Films im Genre, die technische Seite der Dreharbeiten und die Bedeutung der Frauen im Film eingeht.

Bob Clark schuf mit Black Christmas einen der ersten Slasher-Filme, der viele filmische Mittel einführte, die wenige Jahre später zu den Charakteristika des Genres wurden. Ein auch heute noch höchst unterhaltsamer und wegbereitender Meilenstein, der hier eine herausragende Veröffentlichung erhält und den Film in angemessener Weise würdigt.

Christian Funke