“Blood Quantum” (Koch Films)

“Blood Quantum” (Koch Films)

Regie:

Jeff Barnaby

Darsteller:

Michael Greyeyes, Devery Jacobs, Elle-Máijá Tailfeathers u.a.

Im kanadischen Red-Crow-Reservat liegt einiges im Argen: Fälle von häuslicher Gewalt nehmen in beunruhigendem Ausmaß zu, und totes Getier erwacht überraschend zu neuem Leben. Dann beginnt die Apokalypse, und wir blenden sechs Monate nach vorn. Die indianischen Ureinwohner sind die einzigen Menschen, die gegen das Virus immun sind, das mittlerweile fast die gesamte Weltbevölkerung in geifernde Untote verwandelt hat. Täglich müssen sie nun entscheiden, wen sie in die relative Sicherheit ihrer kleinen Festung lassen. Doch wie so oft lauert selbst hinter den Fassaden der vertrautesten Freunde Gefahr. Es dauert nicht lange, bis sich drinnen und draußen die Bestien ihre Bahn brechen und ein verzweifelter Kampf ums Überleben beginnt.

Jeff Barnaby hat mit BLOOD QUANTUM einen ungewöhnlichen Zombie-Schocker geschaffen, der an die gesellschaftskritische Tradition von George A. Romeros DAWN OF THE DEAD anknüpft und dabei keine Gefangenen macht. In der Hauptrolle des modernen Genre-Klassikers glänzt Michael Greyeyes aus FEAR THE WALKING DEAD.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Der Stamm der Mi’kmaq lebt im kanadischen Red-Crow-Reservat. Der Stammesführer Old Gisigu (Stonehorse Lone Goeman) muss mit Erstaunen feststellen, dass der von ihm gefangene und ausgeweidete Lachs weiterhin zu leben scheint. Auch ein verstorbener Hund fällt seinen Besitzer aggressiv an…

Kurze Zeit später wandeln die Untoten auf der Suche nach Nahrung umher! Einzig die Mi’kwaq-Indianer scheinen immun gegen das Virus und haben eine Festung gebaut, die den Schutzsuchenden ein Zuhause bietet. Doch manchmal ist der Untote nicht der schlimmste Feind…

Ein Indianer trifft einen Zombie… was der Beginn eines faden Witzes sein könnte, entpuppt sich in Blood Quantum als überraschender Genrebeitrag. Der Drehbuchautor und Regisseur Jeff Barnaby, ebenfalls Angehöriger des Stammes der Mi’kmaq, präsentiert hier einen erstaunlich frischen und ungewöhnlichen Zombiefilm, der sich zwar der bekannten Versatzstücke bedient, diese aber so zusammensetzt, dass sie aus der Flut an Genreveröffentlichungen positiv heraussticht. Schon die Ausgangsprämisse überrascht, denn einzig die Stammesangehörigen scheinen immun, so dass sie letztendlich der Flut an (weißen) Flüchtlingen einen Schutzraum anbieten können. Barnaby nimmt sich die Zeit, seine Figuren vorzustellen, interessiert sich für die Handlung und deren Entwicklung, geizt nicht mit politischen Statements und Anspielungen zur Situation der indianischen Urbevölkerung Nordamerikas. Das Politik, Sozialkritik und Zombies hervorragend zusammenpassen, hat schon Romero gezeigt. Und genau an diesen Klassikern scheint sich Barnaby zu orientieren, kombiniert eine ausgewogene Story, die mit interessanten und gut ausgearbeiteten Figuren glänzt, baut galant einen überzeugenden Spannungsbogen auf und garniert all dies mit zum Teil wirklich derben Effekten! Blood Quantum ist ein durchweg gelungener Genrebeitrag, der auch all denen zu empfehlen ist, die sich mittlerweile an Zombiefilmen sattgesehen haben!      

Koch Films veröffentlicht Blood Quantum (Originaltitel: Blood Quantum, Kanada 2019) uncut mit einer 18er-Freigabe als DVD, Blu-ray und schön gestaltetem Mediabook. So kann jeder Filmfreund seine Wunschversion käuflich erwerben! Mir lag zur Ansicht die Blu-ray vor, die in Bild (2,35:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 5.1) auf dem erwartet hohen Niveau qualitativ überzeugen konnte. Auch das Bonusmaterial konnte überzeugen, denn hier gab es neben einem dreizehnminütigen Making-of eine knapp halbstündige Frage- und Antwort-Runde mit den Machern, diverse Interviews, die während des Toronto International Filmfestivals 2019 entstanden sind, zensierte und unzensierte Trailer und Teaser und Programmhinweise.  

Regisseur und Drehbuchautor Jeff Barnaby präsentiert mit seinem zweiten Spielfilm Blood Quantum einen Zombiefilm, wie man ihn sich als Fan wünscht. Ernsthaft, kritisch und insgesamt inhaltlich geschickt aufgebaut, verlässt er sich nicht nur auf die guten Effekte, sondern weiß auch eine Geschichte mit gut gezeichneten Charakteren zu erzählen. Damit gelingt ihm ein wirklich überzeugender Genrebeitrag, der stimmungsvoll unterhält!  

Christian Funke