Bloodline  - Der Killer (Schröder Media)

Bloodline – Der Killer (Schröder Media)

61JfcqQ572L._SL500_Die Journalistin Sandra und ihr Kameramann Marco sind bei einer Undercover Recherche aufgeflogen. Da hierbei die Kamera mit allen wichtigen Informationen für die Story zerstör wurde, stehen ihre Karrieren nun an der Kippe. Doch das Team bekommt noch eine Chance und soll nun einen Hintergrundbericht über einen Hardcore Pornofilm liefern, der soeben gedreht wird. Der Drehort ist jedoch genau jener Wald in dem Sandras Zwillingsschwerster vor vielen Jahren, von einem brutalen Serienkiller, der von den Medien als  „Der Chirurg“ bezeichnet wird, hingerichtet wurde. Trotz ihrer wiederkehrenden Ängste und der schlimmen Erinnerungen nimmt Sandra, mit Marco, den Auftrag an. Und bald zeigt sich, dass die Vergangenheit nicht ruht. „Der Chirurg“ ist anscheinend zurück. Doch ist es wirklich der Mörder von damals oder handelt es sich jetzt um einen Nachahmer? Damit nicht genug erwachen seine Opfer wieder zum Leben und beginnen ebenfalls zu morden…

Meinung zum Film:

Der erfahrene Vielgucker weiß, dass eine italienische Genre-Produktion fast immer eine große Offenheit für cineastische Versuche voraussetzt. Zudem muss man oftmals Toleranz gegenüber so manchem Drehbucheinfall und zu charismatisch auftretenden Schauspielern beweisen, so dass viele der Zielgruppenspezifischen Produktionen jedem „normalen“ Zuschauer die Tränen in die Augen treiben würden, beim Fan aber einen hohen Unterhaltungswert besitzen (ich spreche hier jetzt nicht von den ganz Großen des italienischen Kinos – zum Beispiel die frühen Argento-Beiträge, Bava, etc. -, sondern eher von den kleineren Direct to Video-Produktionen). Da viele dieser Beiträge auch eine mangelnde Zimperlichkeit an den Tag legen, was dass Gewaltlevel angeht, sind diese Filme auch heute noch jeder freigaberelevanten Prüfstelle ein Dorn im Auge. Umso mehr verwundert es, dass der hier vorliegende Bloodline – Der Killer, das Debüt von Regisseur Edo Tagliavini, der so einige explizite Härten aufweist, unbeschadet die Freigabebehörde FSK passieren durfte.

Die Story ist so krude wie kunterbunt gemischt, handelt der Film von einem journalistischen Undercover-Pärchen, die nach einem misslungenen Auftrag nun die Dreharbeiten eines Hardcore-Pornos von Regisseur Klaus Kinski (!!!) begleiten sollen. Die Dreharbeiten finden auf dem verlassenen Anwesen eines mittlerweile verstorbenen, ziemlich irren Arztes statt, der hier vor Jahren zufälligerweise auch die Zwillingsschwester der Reporterin ermordete, deren Leiche jedoch nie gefunden wurde. Da der Reporterin aber in regelmäßigen Abständen der Geist ihrer Schwester erscheint, scheint sie wohl wirklich tot zu sein.51dEpt21h5L
Kaum dass der Porno-Dreh beginnt, kommt es jedoch zu blutigen Zwischenfällen, die die Vermutung nahelegen, dass der „Chirurg“ wieder sein brutales Werk aufgenommen hat.

Klingt krude, ist es auch… und das sogar in 3D!
Leider begeht der Film, beziehungsweise das Drehbuch oder der Regisseur den Fehler, zu lange zu warten, ehe es mit dem losgeht, was man von solch einer Produktion erwartet. Nach ungefähr der (eher ruhigen) ersten Hälfte des Films überschlagen sich dann plötzlich die Ereignisse und die Geschichte nimmt ordentlich an Fahrt auf. Was dann in der zweiten Hälfte gezeigt wird, lässt viele der zu Beginn gemachten Fehler wieder vergessen, denn sowohl die Effekte als auch die Wendungen der Geschichte sind für solch eine gering budgetierte Produktion auf einem erstaunlich guten Niveau.

Die Blu-ray wird von Schröder Media sowohl in 2D als auch 3D veröffentlicht, Bonusmaterial ist leider gar nicht vorhanden.

Bloodline – Der Killer ist einer der Filme, die voraussetzen, dass man ihn sich in geselliger Gruppe mit reichlich Bier und Knabbereien zu Gemüte führt. Denn geht man ernsthaft an den Film heran, und versucht die Story logisch zu durchdringen, oder die hohe Kunst des Schauspiels bei den Darstellern zu finden, scheitert man zwangsläufig.
Es handelt sich hier um einen kleinen Genrefilm, der in seinen wenig zimperlichen brutalen Momenten Atmosphäre aufbauen kann, aber an vielen Stellen auch etwas holperig inszeniert wurde. Ein Partyfilm eben, der als solcher wohl auch verstanden werden will.

Christian Funke-Smolka