„Border“ (Capelight Pictures)

„Border“ (Capelight Pictures)

Regisseur: Ali Abbasi

Besetzung:
Eero Milonoff, Sten Ljunggren, Ann Petren, Jörgen Throsson, u.a.

Die Grenzbeamtin Tina ist eine bemerkenswerte Erscheinung. Ihr seltsam geschwollenes Gesicht, ihr bohrender Blick und ihre körperliche Kraft verleihen der jungen Frau etwas Animalisches. Tina hat zudem eine besondere Fähigkeit: Sie kann Angst, Scham und Wut anderer Menschen wittern. Ihr Talent macht sich der schwedische Grenzschutz erfolgreich zunutze, um Kriminelle aufzuspüren. Dennoch fühlt sich Tina seltsam fremd unter ihren Mitmenschen und lebt einsam und naturverbunden als Außenseiterin in den Wäldern. Doch dann begegnet sie Vore, der ihr auffallend ähnlich sieht und bei dem ihre Begabung an ihre Grenzen stößt. Tina ahnt, dass Vore etwas zu verbergen hat. Und doch, unbefangen, wild und erstaunlich frei, wirkt Vore ungemein anziehend auf sie. Tina spürt bei ihm eine Vertrautheit, die ihr bisher fremd war. Als die beiden sich näherkommen, offenbart Vore ihre mystische Herkunft. Aber dieses Wissen bringt nicht nur neue Freiheiten, sondern auch unbequeme Herausforderungen mit sich, denen sich Tina stellen muss.

BORDER ist so mutig und so finster wie ein Märchen nur sein kann. Regisseur Ali Abbasi begeistert mit einer phantastischen Geschichte, die so behutsam wie berührend Grenzen sprengt. Zwischen Identität und Selbstbestimmung gelingt ihm eine hinreißende Fabel, deren raue Magie die Zuschauer gefangen nimmt.

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

„Tina ist… etwas ganz Besonderes.“

Tina (Eva Melander, Jordskott – Der Wald vergisst niemals) ist eine einsame, optisch eher ungewöhnlich grobschlächtige Frau, die abseits gelegen in einem Haus im Wald wohnt. Sie lebt zusammen mit dem Hundezüchter Roland (Jörgen Thorsson, Die Brücke – Transit in den Tod), der sich jedoch eher eigennützig auf die Gutmütigkeit Tinas verlässt, als einen sinnvollen Beitrag zum Zusammenleben zu leisten. Tina besitzt eine spezielle Fähigkeit, die Gefühlslage von anderen Menschen sehr genau spüren, ja sogar riechen zu können, was ihr in ihrem Job als Zollbeamtin schon oft geholfen hat. Eines Tages trifft sie auf den optisch ähnlich grobschlächtigen Vore (Eero Milonoff, Die Nacht der Jäger), zu dem sie sich auf unerklärliche Weise hingezogen fühlt. Diese Begegnung jedoch wird ihr Leben nachhaltig verändern…  

„Als ich ein Kind war, dachte ich, ich sei etwas Besonderes. Als Erwachsener weiß ich, dass ich nur ein besonders hässlicher Mensch bin.“

Basierend auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von John Ajvide Lindqvist inszeniert Regisseur und Drehbuchautor Ali Abbasi einen un- als auch außergewöhnlichen Film, der völlig zu Recht den “Prix Un Certain Regard” in Cannes gewonnen hat und für Schweden ins OSCAR-Rennen um den besten fremdsprachigen Film geschickt wurde. Die Geschichte um zwei gesellschaftliche Außenseiter mit einem vermeintlichen Chromosomenfehler funktioniert am Besten, wenn man als Zuschauer unvorbereitet ist. Die Mischung aus Mystery-Film und Thriller, Liebesfilm und Drama besticht durch eine so wagemutige wie feinfühlige erzählerische Gratwanderung, die aus Border ein lange nachwirkendes, emotional berührendes und jederzeit fesselndes Meisterwerk macht, welches man in dieser Form selten zu sehen bekommt und die Kraft des Filmemachens eindringlich unter Beweis stellt. Die stilsichere Inszenierung und die beeindruckende, sehr einfühlsame Darstellung machen sprachlos. Ein grandioses, märchenhaftes Drama, welches ich unbedingt empfehlen kann!   

Border (Originaltitel: Gräns, Schweden und Dänemark 2018) erscheint bei Capelight Pictures als DVD, Blu-ray und 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook. Mir lag zur Ansicht die Blu-ray vor, die in Bild (2,35:1/1080p) und Ton (Deutsch & Schwedisch: dts-HD Master Audio 5.1) auf dem erwartet guten Niveau überzeugen konnte. Im Bonusbereich befanden sich lediglich der Trailer und diverse Programmhinweise.

Mit Border präsentiert Regisseur Ali Abbasi einen wundervoll gespielten, phantastischen Ausnahmefilm, der gängige Sehgewohnheiten sprengt und Genres mit virtuoser Leichtigkeit vereint. Ein Film, der inhaltlich Haken schlägt und schon jetzt einer meiner Favoriten für dieses Filmjahr ist. Jeder, der sich offenherzig auf märchenhafte Geschichten einlassen kann, wird hier mit einem außergewöhnlichen Erlebnis belohnt.

Christian Funke