Camp Armadillo

Camp Armadillo

Das es Dokumentationen gibt, die spannender sind als so mancher Spielfilm, hab ich ja schon an verschiedenen Stellen kundgetan. Dass es jedoch auch Dokumentationen gibt, die solch eine Brisanz und Spannung bieten, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, man wäre mitten im Geschehen, so was gibt es selten!
Ein Beispiel ist die vorliegende dänische Dokumentation Camp Armadillo von Regisseur Janus Metz Pedersen.
Die Dokumentation beginnt im Februar 2009, und begleitet eine Gruppe dänischer Soldaten auf ihrem sechsmonatigen Einsatz in die afghanische Provinz Helmand. Dort sollen sie im Auftrag der Vereinten Nationen die von militärischen Unruhen gebeutelte Zivilbevölkerung unterstützen und die dortige Situation stabilisieren. Auch wenn man weiß, dass sich in der Nähe militante Taliban aufhalten, absolviert man seine tägliche Routine aus Patrouillengängen und anderen Tätigkeiten. Kontakt zu den Einheimischen findet kaum statt. Gefährlich wird die sogenannte Friedensmission durch Schusswechsel, verstreut vergrabene Minen oder Anschläge auf die Truppe, so dass es zu ersten Verwundungen kommt.
Regisseur Janus Metz Pedersen gelingt das Kunststück, den Film zwar unpolitisch zu halten, sich auch nicht auf eine Diskussion über Sinn und Unsinn der Kriegssituation auszulassen, sondern die zu vermittelnde Botschaft über Aussagen und Verhalten der Soldaten zu transportieren. Denn eines wird deutlich: sehr schnell verändern sich die Menschen in solchen Krisen- und Ausnahmesituationen. Die teils naiven Ansichten wechseln recht schnell zu einem alltäglichen Zynismus unter den Beteiligten, und die Doppelmoral einer sogenannten „Friedensmission“ wird deutlich durch das gefilmte Geschehen aufgezeigt.
Zu Recht erhielt Camp Armadillo diverse Preise und Auszeichnungen, wie etwa in Cannes 2010, führte auf der anderen Seite jedoch auch zu Protesten in Dänemark, oder der Anklage des Kriegsverbrechens gegen einige der beteiligten Soldaten.
Hautnah sind der Regisseur und sein Kameramann am Geschehen, selbst in Kampfsituationen ist die Kamera mittendrin, so dass der Zuschauer denkt, er sei selber vor Ort. Dadurch gelingen unglaubliche Aufnahmen, die man so in einer Dokumentation noch nicht gesehen hat, und das Gezeigte auf Kinoniveau hieven.
Da der Zuschauer gezwungen wird, sich selbst seine Gedanken zum Gezeigten machen zu müssen, durch den engen Kontakt zu den Soldaten jedoch auch eine Verbindung entsteht, wird der Film für den Zuschauer sehr intensiv und mitreißend. Dadurch entsteht ein aufwühlender, verstörender und teils knallharter Film, der noch lange bei dem Zuschauer nachwirkt. Was gibt es besseres bei einer Dokumentation?!

Christian Funke-Smolka