Cheyenne - This must be the place (dcm)

Cheyenne – This must be the place (dcm)

Cheyenne (Sean Penn – I Am Sam, Carlitos Way) war einst ein gefeierter Rockstar der Gothik-Szene, bis sich zwei junge Fans nach dem Hören seiner Musik das Leben nahmen. Seitdem lebt er zurückgezogen mit seiner Frau Jane (Frances McDormand – Fargo) in seiner Villa, und gibt sich dort seiner Langeweile und seinen Depressionen hin. Aus Tradition macht er sich jeden Tag in seinem alten Outfit zurecht, um dann mit seinem Trolli in den örtlichen Supermarkt oder zum grab der beiden Teenager zu schlurfen. Als er vom bald anstehenden Tod seiner schwerkranken Vaters erfährt, zu dem er seit über 30 Jahren keinen Kontakt mehr hat, macht er sich auf den Weg nach New York, um ihn zu sehen. Doch er ist zu spät, da der alte Mann mittlerweile verstorben ist. Bei der Lektüre der Tagebücher seines Vaters stößt er auf ein Geheimnis. Da sein Vater Insasse eines Konzentrationslagers war, machte er es sich zur Aufgabe, seinen damaligen Peiniger zu suchen, fand ihn aber Zeit seines Lebens nicht. Nun reift in ihm die Idee, die Suche seines Vaters fortzuführen, und trifft alsbald auch auf die Familie des mittlerweile in den Staaten lebenden KZ-Aufsehers. Aber dieses Treffen verändert seinen Blick auf so manche Dinge in seinem Leben.

Regisseur Paolo Sorrentino zeigte schon mit seinem Film Il Divo sein Talent, subtil seine Botschaften in der Bildsprache zu erklären. Dies erfordert vom Zuschauer eine große Aufmerksamkeit, um die Botschaften und persönlichen Schlüsse daraus zu ziehen.
Großartig ist Sean Penn, dem es gelingt, nach den anfänglichen Zweifeln die Figur des Cheyenne ins Herz zu schließen, und ihn auf seinem Weg zu begleiten. Hier trifft er auf die verschiedensten Leute (unter Anderem David Byrne, der sich selbst verkörpert), die mal seine Sicht auf die Dinge beeinflussen, oder einfach nur Punkte ohne große Bedeutung auf seinem Weg darstellen.

Cheyenne – This must be the place ist Darstellerkino auf einem gehobenen Niveau, den selten erlebt man es als Zuschauer, dass man über eine anrührende Einstiegsgeschichte nahezu nebenbei in eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Thema Schuld und Sühne gezogen wird. Dabei sind alle Punkte der Geschichte quasi das Gerüst, um dem Reifungsprozess eines über 50 Jahre alten Mannes beizuwohnen. Das dies nicht in totaler Langeweile verkommt, ist der große Verdienst von Regisseur und Hauptdarsteller.

Die Blu-ray von Cheyenne – This must be the place weist eine sehr gute Bild- und Tonqualität auf. Im Bonusbereich findet der geneigte Zuschauer noch Interviews mit Cast und Crew so wie einen Trailer und eine Programmübersicht.

Cheyenne – This must be the place ist ein Hammer von einem Film! Ich gebe zu, dass ich erst skeptisch war. Die Bilder von Sean Penn, der aussieht, als sei er ein manisch-depressiver Robert Smith auf Meskalin, und im Trailer eine Bewegungs- und Motivationsarmut aufweist, die einen Dude aus Big Lebowski wie einen ADHS-Erkrankten wirken lässt. Aber wenn Cheyenne dann zu Iggy Pops The Passenger seinen persönlichen Road-Trip antritt, ist das für den Zuschauer so anrührend, wie selten ein filmischer Moment zuvor.
Cheyenne – This must be the place ist ein Film, der einem durch seine Bilder und die Musik/ Texte von David Byrne mehr über den Menschen, seine Empfindungen und das was einen letztendlich antreibt, erzählt… und das mit einer Leichtigkeit und Unbefangenheit, wie man es selten im Film erlebt.

Christian Funke-Smolka