Chillerama  (Sunfilm Entertainment/ Tiberius Film)

Chillerama (Sunfilm Entertainment/ Tiberius Film)

81PWov3ExCL._AA1500_Menschenfressende Killerspermien, schwule Werwölfe, sexbesessene Zombies und ein Frankenstein-Monster von Hitler persönlich geschaffen, das sich als Jude herausstellt! CHILLERAMA ist die ultimative Hommage an das Grindhouse-Kino! Als sich ein paar Freunde in einem Autokino treffen um einen Horrorfilm-Marathon zu sehen, ahnen sie nicht, dass sich direkt unter den Gästen eine Zombie-Epidemie ausbreitet, die in einem ultimativen Massaker endet.

Die Kult-Regisseure Adam Green (HATCHET), Joe Lynch (WRONG TURN II), Tim Sullivan (2001 MANIACS) und Adam Rifkin (DETROIT ROCK CITY) zünden ein Trash-Feuerwerk, dass die Herzen aller Genre-Fans vor Freude explodieren lässt. Hier geht garantiert jeder Gag unter die Gürtellinie und kein Körperteil bleibt unentfernt.

Meinung zum Film:

Wenn sich vier der schrägsten und unter Genrekennern beliebtesten Horror-Regisseure zusammenfinden, um filmisch mal ohne Rücksicht auf Verluste loszulegen, dann muss man sich als Zuschauer schon mal warm anziehen. Dachte man bei dem Tarantino/Rodriguez – Grindhouse-Projekt, das Maß aller Dinge wäre erreicht, so hat man noch nicht den vorliegenden Chillerama gesehen! Dem Drive-In der 50er und dem Trash-Kino der 70er – 80er huldigend präsentieren sie vier Kurzfilme, deren Handlungsgerüst durch eben solch ein Drive-In-Kino zusammengehalten wird, welches die vier Episoden vorführt.
Wir erleben hier klamaukigen Horror, unter anderem inszeniert von Adam Green, der seinen Beitrag politisch herrlich unkorrekt „Diary of Anne Frankenstein“ nennt und uns einen aus Juden zusammengebauten Supersoldaten präsentiert, den „Meshugannah“ (dargestellt von Genre-Größe Kane Hodder), einem Rabbi-Zombie, der sich alsbald gegen seinen Schöpfer, Adolf Hitler (wahnwitzig von Joel David Moore dargeboten) stellt. Diese Geschichte ist aus meiner Sicht auch das Herzstück der Anthologie, da sie liebevoll im Detail, gedreht in deutscher Sprache und in s/w sowohl den Klassikern huldigt, als auch die wohl irrwitzigste Naziploitation der Filmgeschichte darstellt.

Da kommen die restlichen drei Filme nur schwer gegen an. „Wadzilla“, inszeniert von Adam Rifkin, handelt von einem genital minderbemittelten Mann, der nach einem medizinischen Versuch plötzlich ein Hühnereigroßes, jedoch ständig 713+yZO-FtL._AA1500_wachsendes Spermium ausscheidet, welches nun mordend und vergewaltigend die Stadt unsicher macht!

„I Was A Teenage Werebear“ von Tim Sullivan handelt von homosexuellen Werwölfen an einer amerikanischen Highschool in den 50er Jahren. Der Regisseur schreckt hier weder vor schrägen Klamotten noch vor Musical-Einlagen zurück und liefert damit den wohl absurdesten Beitrag der Sammlung.

Abgeschlossen wird Chillerama dann von „Zom-B-Movie“, inszeniert von Joe Lynch, der sich nahtlos in die Rahmenhandlung einfügt und dem Zombie-Horror der 80er frönt.

Chillerama erscheint in seiner unzensierten Version bei Sunfilm Entertainment/ Tiberius Film. Bild und Ton der Blu-ray sind topp, wenn man die bewusst eingesetzten Kratzer, Unschärfen und Störungen als vom Regisseur gewolltes filmisches Stilmittel sieht. Der Bonussektor quillt dann förmlich über! Neben einem sehr unterhaltsamen und anscheinend feucht-fröhlichen Audiokommentar mit allen vier Regisseuren findet der geneigte Zuschauer noch ein Making of zu „Diary of Anne Frankenstein“, entfernten Szenen und Drehberichte zu nahezu allen Episoden, Interviews, die auf der Comic-Con geführt wurden, einem „Famous Monsters Interview“ mit den Regisseuren, den Originaltrailer und ein Musikvideo der Band „Psycho Charger“, welches von Tim Sullivan inszeniert wurde.

Chillerama ist brutal, anarchistisch, respektlos, total bekloppt und gerade deshalb saukomisches Mitternachts-Kino! Den Spaß, den die Beteiligten beim Dreh hatten, übertragen sie in jeder Sekunde des Films, man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass entsprechende alkoholische Kaltgetränke, Chips und eine Gruppe von Freunden beim Filmgenuss definitiv von Vorteil sind! Da es Chillerama gelingt, „Planet Terror“ wie seriöses Autorenkino wirken zu lassen und eher an eine Exploation-Version von „Kentucky Fried Movie“ auf Speed erinnert, gilt: Hirn aus, Unterhaltungsmodus an!

Christian Funke-Smolka