"Colors - Farben der Gewalt" (Capelight Pictures)

„Colors – Farben der Gewalt“ (Capelight Pictures)

Die Straßenbanden von Los Angeles: Sie sind fast noch Kinder, bekämpfen sich aber bis aufs Blut. Um die Welle der Gewalt einzudämmen, setzt eine Spezialeinheit des LAPD den erfahrenen Polizeioffizier Bob Hodges (Robert Duvall) auf die Jugendlichen an. Ihm zugeteilt wird der junge Danny McGavin (Sean Penn). Doch mit seinem aggressiven Verhalten bringt der heißspornige Neuling schnell die Gangs gegen sich auf. Die beiden völlig gegensätzlichen Cops finden sich schon bald mitten im Krieg zwischen den rivalisierenden Bloods und den Crips wieder, die selbst vor Mord – auch an Polizisten – nicht zurückschrecken.

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

„Two Cops. Two Gangs. One Hell of a War.”

US-amerikanische Schauspieler und Regisseur Dennis Hopper war zeitlebens ein Künstler, der es sich nicht bequem machte und lieber den Finger in so manche gesellschaftliche Wunde bohrte. Ob es sein Regiedebüt Easy Rider 1969 war, oder knapp zwanzig Jahre später seine Betrachtung der Ghettoisierung in den Randgebieten amerikanischer Großstädte, den gewalttätigen Bandenkriegen und der allgemeinen Hilflosigkeit der Polizei, diesem zu begegnen. Colors – Farben der Gewalt erzählt seine Geschichte am Beispiel des erfahrenen Polizeioffizier (Robert Duvall), der sich mit seiner Art einen Status erarbeitet hat, welcher ihm, kurz vor seiner Pensionierung, durch seinen aggressiven neuen Partner McGavin (Sean Penn) kaputt gemacht zu werden droht. Dieser versucht sich durch gnadenloses Vorgehen und gewalttätigen Überreaktionen eine Machtposition in den Ganggebieten aufzubauen, die gefährliche Auswirkungen haben kann…

Bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt und musikalisch perfekt untermalt, war es der Anspruch Hoppers, ein möglichst authentisches Bild zu zeichnen, in dem Gewalt, egal von wem ausgeübt, jederzeit Gegengewalt erzeugt. Dazu holte er sich nicht nur erfahrene technische Berater ans Set, sondern besetzte Nebenrollen auch mit echten Gangmitgliedern, was zur Folge hatte, dass die Dreharbeiten alles andere als ungefährlich waren, und zwei dieser Nebendarsteller in dieser Zeit erschossen wurden. Hier wird deutlich, wie nahe sich der Regisseur mit seinem Film dem realen Leben angenähert hat. Durch die von Kameramann Haskell Wexler (Einer flog über das Kuckucksnest) eingefangenen Bilder gewinnt Colors – Farben der Gewalt einen dokumentarischen Charakter, bei dem der Zuschauer mittendrin ist und sich nicht aus dem Geschehen distanzieren kann. Ein komplexer, vielschichtiger und wegweisender Blick auf die Bandenkriminalität Amerikas in der späten Reagan-Ära, der auch heute noch nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat und dank Capelight Pictures endlich in einer angemessenen Qualität veröffentlicht wird.

 

 

Capelight Pictures veröffentlicht den Klassiker des Gang-Films Colors – Farben der Gewalt (Originaltitel: Colors, USA 1988) als 3-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook. Dazu gab es im Vorfeld via Facebook eine Abstimmung über die möglichen Covermotive. Beide Varianten gefallen mir ausgesprochen gut, das mir zur Ansicht vorliegende Mediabook war das dunkle mit dem Covermotiv B. Auf einer Blu-ray befindet sich die 119 Minuten lange Kinofassung (plus Trailershow), auf der verbleibenden Blu-ray und DVD gibt es den vormals nur auf der britischen VHS veröffentlichten 127 Minuten langen Unrated-Cut, der hier erstmals offiziell in Deutschland veröffentlicht wird. Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch: dts-HD Master Audio 5.1, Englisch: PCM 2.0) der von mir getesteten Blu-ray (in der Unrated-Version, bei der die erweiterten Szenen im O-Ton mit Untertiteln war) waren auf einem guten bis sehr guten Niveau, im Bonusbereich gab es in Interview mit Drehbuchautor Michael Schiffer und eines mit dem technischen Berater Dennis Fanning, den Trailer und eine Programmübersicht. Ergänzt wurde das schön gestaltete Mediabook mit einem 24-seitigen Booklet mit Fotos, Filmografien und Texten von Christoph N. Kellerbach zu den schwierigen Dreharbeiten, den Gangs jener Zeit und den Vorbereitungen zum Film.

Dennis Hopper inszeniert mit Colors – Farben der Gewalt eine beinahe dokumentarisch wirkende Studie über die Gangkriminalität in den USA der späten 80’er Jahre. So schonungslos, direkt und ehrlich, dass einem auch dreißig Jahre später das Zuschauen noch schmerzt.

Christian Funke