Crawl (Euro Video)

Crawl (Euro Video)

397733_721_crawl_bd_picbigAls in einer kleinen Stadt im australischen Hinterland ein mysteriöser Fremder (George Shevtsov) auftaucht, verheißt das nichts Gutes: seltsamer Akzent, schlaksige Gestalt, ein alternder Cowboy mit riesigem Stetson- Hut und erbarmungsloser Auftragskiller, der von dem schmierigen Barbesitzer Slim Walding (Paul Holmes) beauftragt wurde, einen zahlungsunwilligen Geschäftspartner zu beseitigen. Zunächst läuft alles nach Plan, und der Fremde will nichts lieber als wieder schnell zu verschwinden. Doch das ist alles andere als einfach, die Flucht misslingt und er landet im Haus der unschuldigen Kellnerin Marilyn Burns (Georgina Haig), die eigentlich nur einen schönen, romantischen Abend mit ihrem Freund verbringen wollte. Jetzt ist sie aber Gefangene in ihren eigenen vier Wänden, und muss um ihr Überleben kämpfen…

Meinung zum Film:

Wie manch einer weiß, bin ich ein Freund australischer Filmkunst, ist diese doch meiner Meinung nach eine ganz besondere, mit einer völlig eigenen Atmosphäre, die ich in Filmen anderer Breitengrade so noch nicht bemerkt habe. Aus diesem Grunde war ich sehr gespannten auf Crawl.216973_961_397733_721_crawl_scebig_01

Crawl ist der Debütfilm von Regisseur Paul China, der sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeigte. Der Regisseur erzählt hier die Geschichte eines älteren Auftragskillers, der eigentlich nur schnell einen Auftrag ausführen möchte, um dann wieder zu verschwinden. Jedoch unterläuft ihm ein fataler Fehler, der ihn letztendlich zum Haus der jungen Marilyn führt. Da er keine Zeugen gebrauchen kann, entwickelt sich die Situation für die junge Frau zu einem Kampf um Leben und Tod.

216973_961_397733_721_crawl_scebig_06Nach Sichtung des Trailers könnte der erfahrene Vielgucker meinen, die Coen-Brüder hätten ihre Version eines Home-Invasion-Films inszeniert. In Teilen ist Paul China dabei auch ein guter Ansatz gelungen. Verzichtet er doch erfreulicherweise auf die oftmals sehr nervende Wackelkamera-Optik und liefert einen sehr ruhigen, beinahe bedächtig inszenierten Terror-Film. Ebenfalls positiv zu vermerken ist der Punkt, dass China sich nicht hat hinreißen lassen, auf den Torture-Porn-Zug aufzuspringen. Auch wenn sein Film einige Härten zu bieten hat, sind diese doch eher klassischer Natur und kommen ohne explizite Foltereinlagen aus. Negativ zu vermerken ist jedoch das Fehlen eines durchgängig guten Drehbuchs. Hier merkt man deutlich, dass der Verantwortliche wenig Erfahrung mitgebracht und wenig Zeit investiert hat. Einige Dialoge wirken gestelzt, künstlich und unfreiwillig komisch, was unterstrichen wird von dem oft sehr pompös eingesetzten Score, der in solchen Momenten den Anflug von Spannung im Keim erstickt.

Crawl ist dabei trotz der genannten Defizite ein größtenteils atmosphärischer, aufgrund der Lauflänge von unter 80 Minuten recht kurzweiliger und technisch solider Film, der jedoch mit etwas mehr Mühe beim Drehbuch-Feinschliff wesentlich mehr hätte erreichen können.

Christian Funke-Smolka