"Cruelty" von Tim Augurzke

„Cruelty“ von Tim Augurzke

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Als ein kleiner, alliierter Stoßtrupp, knapp nach der Landung  in der Normandie, von einer feindlichen deutschen Einheit aufgerieben wird, überlebt nur ein Mitglied, der geistliche Dolmetscher Jones. Geplagt von den unerträglichen Geschehnissen, die er miterlebt hat und von seinen Schuldgefühlen, zieht er sich in die französischen Wälder zurück.

Cruelty_Still_13Hoffend, dem Geschehenen entfliehen zu können, beginnt er ein Leben abseits der Schlachtfelder.

Jedoch kreuzen immer wieder Soldaten aller Fraktionen seinen Weg und ziehen ihn immer weiter in Richtung Abgrund. Ein Film voller starker Bilder und Emotionen, Hoffnung, Mitleid, Hass, Rache, Trauer. Ein Film der sich ein Beispiel an „Apocalypse Now“ und „Full Metal Jacket“ nimmt und einen Fokus auf die emotionale und zwischenmenschliche Ebene des Krieges wirft.

Meinung zum Film:

Tim Augurzke ist ein Berliner Regisseur, der mit Cruelty sein Regiedebüt präsentiert. Angelehnt an die großen Klassiker des Cruelty_Still_10Genres zeigt er in seinem Kurzfilm weniger die Gewalt an der Front als viel mehr das Grauen, welches nach dem Kampf einwirkt. Sein Protagonist Jones (dargestellt von dem talentierten Chris Nachtigall) ist Dolmetscher der Alliierten, der nach einem blutigen Feindkontakt auf sich allein gestellt versucht, in den französischen Wäldern zu überleben. Das Grauen des Kriegsalltags ist ihm ins Gesicht geschrieben, die Traumata bestimmen sein Denken und sein Handeln. Der Wunsch, den Krieg zu überleben, zwingt ihn bei Kontakt mit anderen Menschen zu Taten, die er zu verarbeiten nicht in der Lage scheint. Denn das Aufeinandertreffen mit vermeintlichen Feinden könnte seinen Tod bedeuten.

Der etwa 32 Minuten lange Kurzfilm Cruelty erzählt seine Geschichte in behutsam aufgebauten, sehr atmosphärisch gestalteten Bildkompositionen, die den Zuschauer dank der guten Darsteller und der beeindruckenden, immer stimmigen musikalischen Untermalung schnell in das Geschehen ziehen und einem die trostlos-bedrückende Grundstimmung auch aus visuell-akustischer Sicht gut vermittelt.

Cruelty_Still_9Regisseur Tim Augurzke gelingt es dabei, seine in die Tiefe gehende Geschichte ohne überflüssige Dialoge zu transportieren. Seine gut agierenden Darsteller, wie zum Beispiel der eingangs erwähnte Chris Nachtigall, aber auch Marc Bluhm, Joachim Assfalg, Martin Geuer oder Mandy Neukirchner füllen ihre Rollen punktgenau und sensibel mit Leben und machen das Grauen, die Wut aber auch die Einsamkeit und die Hoffnung auf Frieden jederzeit spürbar. 

Cruelty ist ein durchweg erstaunliches Regiedebüt, welches die hässliche Fratze des Krieges mit einem ungeschönten Blick auf den einzelnen Menschen facettenreich und ohne eine beeinflussende Wertung aufdeckt. Tim Augurzke, der für Drehbuch, Produktion und Regie verantwortlich war, zeigt, dass er ein sehr gutes Gespür für eine starke  Bildgestaltung und die Erzeugung einer emotional bewegenden Atmosphäre besitzt. Ich hoffe, bald einen weiteren Film von ihm sehen zu können!

Christian Funke-Smolka

Cruelty – Official Trailer (2013) from Tim Gerrit Augurzke on Vimeo.