“Das darf man nur als Erwachsener - Sixteen Candles” (Capelight Pictures)

“Das darf man nur als Erwachsener – Sixteen Candles” (Capelight Pictures)

Regie:

John Hughes

Darsteller:

Molly Ringwald, Michael Schoeffling, Anthony Michael Hall, Haviland Morris, John Cusack

Es ist Samanthas 16. Geburtstag – der Tag, an dem sich für die Teenagerin eigentlich alles zum Guten wenden sollte. Doch aus irgendeinem Grund wollen sich Samanthas Sorgen und Nöte nicht einfach von einem Tag auf den anderen in Luft auflösen. Im Gegenteil! Ihre Eltern ignorieren ihren Geburtstag und ihr Schwarm Jake scheint noch immer nicht zu wissen, dass sie überhaupt existiert. Zu allem Überfluss versucht auch noch ein junger Geek, sein Image durch krude Annäherungsversuche aufzupolieren. Um den Tag zu überstehen, muss die Zehntklässlerin jede nur denkbare Peinlichkeit ertragen. Doch am Ende könnte ihr größter Wunsch doch noch in Erfüllung gehen…

© Capelight Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

Die junge Samantha Baker (Molly Ringwald) ist frustriert. In der Aufregung rund um die Hochzeit ihrer Schwester Ginny (Blanche Baker) hat ihre Familie ihren 16. Geburtstag komplett vergessen. Zudem wird sie von dem nerdigen Neuntklässler Farmer Ted (Anthony Michael Hall) angebaggert, obwohl sie doch heimlich auf den smarten Jake Ryan (Michael Schoeffling) steht. Da zudem ihre vier Großeltern das Elternhaus, einschließlich ihres Zimmers besetzen, ist das Chaos perfekt…

John Hughes (* 18. Februar 1950; † 6. August 2009) war ein US-amerikanischer Filmregisseur, -produzent und Drehbuchautor. Bekannt wurde er mit seinen pointierten und scharf beobachteten Teenagerkomödien, die virtuos die Gratwanderung zwischen Klamauk, Wahnsinn und Gefühlen meisterten. Schon mit seinem vielbeachteten Debüt Das darf man nur als Erwachsener, den ich aufgrund seines grässlichen deutschen Titels lieber bei seinem Originaltitel Sixteen Candles nenne, gelang ihm ein großer Erfolg, der ihm den Weg für Klassiker wie The Breakfast Club, Ferris macht blau oder Allein mit Onkel Buck ebnete. Sein Markenzeichen ist ein feinfühliger Stil, der seine Figuren stets witzig, aber niemals herablassend skizzierte. So galt er als der „Philosophen der Adoleszenz“(Roger Ebert), dem es gelang, seine Geschichten lebendig und intuitiv zu erzählen. Man kann Hughes Werke als Zeitdokument ihrer Ära sehen, die heute als berechtigterweise Klassiker des Teenagerfilms gesehen werden. Dies liegt auf der einen Seite an ihrer bereits erwähnten feinfühligen Erzählweise, aber auch daran, dass man das Gefühl hat, dass der Autor und Regisseur eigene Erlebnisse verarbeitet, aber auch aufgrund seines Alters eine gewisse reflektierende Distanz zu dem Gefühlschaos seiner Figuren besitzt, sodass diese stets fein ausbalanciert sind, aber immer auch eine Prise Chaos und Irrsinn in sich tragen. Sixteen Candles wirkt hier, wenn man ihn mit seinen späteren Werken vergleicht, wie ein ungeschliffener Diamant, der seine wahre Schönheit noch sehr unterschwellig und subtil präsentiert, dessen Klasse man aber erst erkennen kann, wenn man ihn näher erforscht. Hier legte er den Grundstein dessen, was ihn später zur Leitfigur eines ganzen Genres machen sollte. Die Kombination von hervorragenden Darstellern (für Joan und John Cusack war dies einer ihrer ersten Filme) in herrlich ausgearbeiteten Charakteren, ein stimmiger Soundtrack (u.a. Stray Cats, Patti Smith, Thompson Twins, Kajagoogoo) und eine emotionale, trotzdem sprühende und überbordende Geschichte voll phantastischer Ideen und einer unglaublichen Detailverliebtheit machen heute noch genauso viel Spaß, wie damals. Ein Klassiker, der zwar ein bisschen im Schatten der nachfolgenden Werken Hughes steht, einigen davon aber qualitativ weit überlegen ist!  

Die 80er Jahre feiern seit geraumer Zeit in Filmen und Serien eine Wiederauferstehung. Aber wieso soll man sich mit einem „Abklatsch“ begnügen, wenn man hier auch das grandiose Original in einer herausragenden Veröffentlichung genießen kann!

Das darf man nur als Erwachsener (Originaltitel: Sixteen Candles, USA 1984) erscheint bei Capelight Pictures als Neuauflage als DVD und ansprechend gestaltete 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook. Dazu konnte man einen 4K-Scan vom Original-35mm-Negativ verwenden, der den Film in einer bisher ungeahnten Qualität präsentiert. Neben der Kinofassung (93 Minuten) befindet sich noch der Extended Cut (94 Minuten, High Definition) auf der Blu-ray, während die beiliegende DVD lediglich die längere Fassung und etwas weniger Bonusmaterial beinhaltet. Da die Langfassung in Deutschland erstmalig veröffentlicht wird, hat man sich die Mühe gemacht und die eingefügte Szene aufwändig nachsynchronisiert. Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch: dts-HD Master Audio 2.0 Original-Mix & Alternativ-Mix; Englisch: dts-HD Master Audio 5.1/1.0 Mono/1.0 Mono US-Video-Version) der von mir getesteten Blu-ray waren auf einem für einen Film dieses Alters qualitativ beeindruckenden Niveau. Im Bonusmaterial befindet sich eine entfallene zweiminütige Szene, diverse Trailer und TV-Spots, Programmhinweise, dass neunminütige Special Casting Sixteen Candles, Interviews mit Casting-Direktor Jackie Burch, Gedde Watanabe und Deborah Pollack, John Kapelos, Kameramann Gary B. Kibbe, Filmemacher Adam Rifkin und Komponist Ira Newborn. Dazu gesellen sich das 17 Minuten lange Special A Very Eighties Fairytale – Ein feministischer Blick zurück und die knapp vierzigminütige, – 11-teilige Dokumentation Celebrating Sixteen Candles mit Anthony Michael Hall, Paul Dooley, Justin Henry u. a. Abgerundet wird diese tolle Veröffentlichung mit einem 24-seitigen Booklet, welches neben zahlreichen Filmbildern ein äußerst interessantes Essay von Jenny Jecke beinhaltet, in welchem sie auf den Regisseur, seine Filme und seinen kulturellen Einfluss, dass Genre und den darin vorkommenden Anarcho-Humor eingeht.

Mit Sixteen Candles gelingt Regisseur und Drehbuchautor John Hughes ein sympathisches Debüt, welches schon deutlich dessen Talent zeigt. Gut gealtert, kann die 80’er-Jahre Teenagerkomödie auch heute noch in ihrer damals wie heute frischen, unverfälschten Art überzeugen und wirkt wie ein Rohdiamant ohne den Feinschliff seiner späteren Werke. Ein tolles Debüt mit herrlich aufgelegten Darstellern, einem grandiosen Soundtrack und vielen grandiosen Ideen und Einfällen. Gerade in solch einer toll gestalteten und umfangreich bestückten Veröffentlichung wie dieser ein Pflichtkauf!

Christian Funke