Das Gästezimmer - Du bist was du isst.... (Schröder Media)

Das Gästezimmer – Du bist was du isst…. (Schröder Media)

Das-Gästezimmer-Du-bist-was-du-isst-Cover-DVD-640x908Everett und Glory Hutchins leben ein ganz normales Leben in einer Mittelklasse-Nachbarschaft. Die Hutchins haben ein Gästezimmer, das sie vermieten. Es ist kein großes Geschäft, das sie hier betreiben – eher ein Hobby. Oder besser gesagt: Die Vorbereitungen, die für ein Festessen vonnöten sind. Denn Everett und Glory sind Kannibalen. Als Richard Reubens auf Everetts Anzeige antwortet und bei den Hutchins vorbeikommt, soll er die neueste Mahlzeit des ungewöhnlichen Paars werden. Doch Richard ist alles andere als ein Lamm, das sich zur Schlachtbank führen lässt. Er dreht den Spieß um…

Meinung zum Film:

Das heutige Regiedebüt wird uns präsentiert von Henry Olek, den es im zarten Alter von 71 Jahren nach zahlreichen Filmen in den Jahren 1971-1981 vor der Kamera nun im Jahr 2011 endlich hinter die Kamera zog.
Doch was serviert uns Henry Olek in seinem Debüt? Einen saftigen Genre-Mix aus Kannibalen-Film und Psychothriller mit mystisch-esoterisch-wirschen Einschüben! Man mag sich fragen, was einen Mann dieses Alters antreibt, nach 30 Jahren des inaktiven Filmeschaffens (bis auf einige von ihm verfasste Drehbücher) plötzlich mit einem Beitrag dieser Thematik an die Öffentlichkeit zu treten, aber das kann wohl nur er selbst beantworten!

Kammerspielartig inszeniert er einen eigentlich bekannten Plot recht innovativ und begrenzt seinen Cast auf drei Personen, die ihre Rollen dabei überzeugend verkörpern. Ross McCall, hier in der Rolle des Börsenmaklers Richard, ist neben Rollen in „Band of Brothers“ und „Autopsy“ auch in vielen TV-Serien wie zum Beispiel „Bones“ oder „White Collar“ zu sehen. Hier spielt er die Rolle des immer zynischer auf seine Situation reagierenden Opfers völlig überzeugend und nachvollziehbar, schafft es aber darstellerisch nicht, seinen filmischen Gegenpart Jude Ciccolella (24, Touch, Sin City) auszustechen. Ciccolella überzeugt in seiner Rolle als Everett Hutchins und beweist, dass er Filme wie „Shining“ oder „Apocalypse Now“ nicht nur gesehen, sondern auch die Merkmale der dortigen psychisch labilen Protagonisten studiert hat. Ihm zur Seite steht Susan Priver (Space) als seine Frau Glory, beide sind Anhänger einer alten südamerikanischen Naturreligion, die dem Kannibalismus d29ece5c4690dd2a6611be97049c2b02frönt.

Henry Olek verzichtet bewusst an vielen Stellen auf allzu brutal-explizite Gewaltexzesse, die solch eine Genre-Thematik normalerweise präsentieren würde und reichert seinen Film Das Gästezimmer – Du bist, was Du isst…. mit guten und glaubwürdigen Dialogen, einer gehörigen Portion Wortwitz und viel drastisch-zynischen Pointen an. Da Ganze wird getragen von einer angenehm düsteren Grundstimmung und einer oftmals überzeugenden Atmosphäre.

Die DVD aus dem Hause Schröder Media (eine BD ist bisher noch nicht erschienen) glänzt durch ein sehr gutes Bild und einen gelungenen Sound, im Bonussektor findet man einen Trailer und eine Programmübersicht.

Das Gästezimmer – Du bist, was Du isst…. wird wahrscheinlich alle Kannibalen-Gorehounds auf Grund der fehlenden Exzesse enttäuschen, ist aber, gerade wegen dem Blick auf das gelungene kommunikative Miteinander der Protagonisten, ein ganz gut gemachter, teils überraschender Psycho-Thriller mit einigen innovativen Ansätzen.

Christian Funke-Smolka