Das Geheimnis von Kells  (Pandastorm Pictures)

Das Geheimnis von Kells (Pandastorm Pictures)

Das Buch von Kells zählt zu den schönsten Werken mittelalterlicher Buchmalerei. Hier wurden die vier Evangelien in einer Sammlung aufwändig illustriert, und im 9. Jahrhundert, in der Zeit der Wikingereinfälle, in das irische Kloster Kells gebracht. Es fiel durch seine von einem unbekannten Meister so herrlich gestalteten Zeichnungen und Verzierungen auf, dass man es lange Jahre für ein Werk der Engel hielt. Dieses Buch diente als Vorlage und Idee für den folgenden Animationsfilm Das Geheimnis von Kells.

Wir befinden uns im 9. Jahrhundert und lernen den jungen Lehrling im Skriptorium der Abtei namens Brendan kennen. Während sein Onkel, der Abt Cellach, besessen von dem Bau eines mächtigen Walls um die Abtei von Kells zu sein scheint, um diese vor den plündernden Wikingern zu schützen, ist sein Neffe fasziniert von einem geheimnisvollen Buch, an dem der alte Bruder Aidan von Iona arbeitet. Während er alles dafür tut, damit Aidan ungehindert weiter zeichnen kann, lernt er jenseits des Walls die Waldfee Aisling kennen. Doch sein Onkel erfährt von den heimlichen Ausflügen und lässt ihn einsperren. Wie soll er nun dem alten und auf seine Hilfe angewiesenen Bruder Aidan bei der Fertigstellung des Buches zur Seite stehen? Muss er sich gegen den mächtigen Abt, seinen eigenen Onkel, stellen?

Der für den Oscar© als bester Animationsfilm 2010 nominierte Das Geheimnis von Kells ist ein wahrlich berauschender, traumwandlerisch schöner Film, der sich dem gängigen Animationsstil total verwehrt und seine Bilder in einer kunstvollen, teils abstrakten Zeichnung zu einer visuellen Meisterleistung zusammenführt. Teils erscheinen die Figuren extrem stilisiert, wirken aber in der Kombination mit den malerisch schönen, sehr detaillierten Hintergründen in der Bewegung wie ein langer Traum, dem man sich als Zuschauer nur sehr schwer entziehen kann.
Musikalisch wird der Film perfekt von der Musik des französischen Filmkomponisten Bruno Coulais (Mikrokosmos, Don Juan, Unsere Ozeane), die dieser zusammen mit dem Regisseur komponierte, abgerundet, so dass Das Geheimnis von Kells ein Fest für Auge und Ohr ist.

Die Blu-ray von Das Geheimnis von Kells erscheint als schön gestaltete Veröffentlichung bei Pandastorm Pictures im Schuber mit Prägedruck, und präsentiert den märchenhaften Animationsfilm in einer herausragenden Bild- und Tonqualität. Der umfangreiche Bonussektor beinhaltet einen Audiokommentar, neun Minuten an entfernten Szenen, diverse Featurettes zu den Sprachaufnahmen, den Storyboards, etc. Dazu gibt es einen längeren Konzepttrailer, den Originaltrailer und eine Programmübersicht.

Das Geheimnis von Kells ist ein, sich künstlerisch auf hohem Niveau bewegender Animationsfilm, der seine klassische Geschichte ästhetisch, beinahe traumwandlerisch seinem Publikum darbietet. Da die fantasievolle Geschichte sehr komplex erzählt und voller düsterer und auch zum Teil verstörender Momente ist, die in ihren abstrakten Zeichnungen wirklich unheimlich sein können, ist der Film nicht unbedingt für ein jüngeres Publikum, trotz der geringen Altersfreigabe, geeignet.

Das Geheimnis von Kells von Regisseur Tomm Moore (Old Fangs, Die Könige aus dem Morgenland) beweist, dass gute Animationsfilme nicht zwingend von den üblichen Verdächtigen inszeniert werden müssen, denn hier handelt es sich um eine Co-Produktion aus Irland, Frankreich und Belgien, die zeigt, dass die grafischen-künstlerischen Wurzeln der beiden letztgenannten in Kombination mit den mythischen Sagen Irlands eine bezaubernde Mischung für ein wundervolles Märchen mit viel Spielraum für die eigene Phantasie sein kann. Ein Fest für alle, die sich mal wieder richtig in einen magischen, bezaubernden Film hineinziehen lassen wollen, der perfekt für die nahenden Herbst- und Winterabende ist.

Christian Funke-Smolka