“Das Haus der Vergessenen” (Koch Films)

“Das Haus der Vergessenen” (Koch Films)

Regie: Wes Craven

Darsteller: Brandon Quintin Adams, Everett McGill, Wendy Robie u.a.

Das Ghettokind Poindexter (Brandon Adams aus Michael Jacksons Moonwalker) geht auf Raubzug, um Geld für seine kranke Mutter zu besorgen. Mit zwei Einbrechern macht er sich auf ins schaurige Haus der reichen Robesons (dargestellt von dem famosen Twin Peaks-Paar Everett McGill und Wendy Robie) – und damit seinem Spitznamen „Fool“ alle Ehre: Es entpuppt sich als regelrechte Festung, aus der es kein Entkommen gibt. Bei den Besitzern handelt es sich offensichtlich um ein mordlüsternes, geisteskrankes Geschwisterpaar mit kannibalischen Neigungen.

Mit Filmen wie THE LAST HOUSE ON THE LEFT oder A NIGHTMARE ON ELM STREET hat Wes Craven Klassiker des modernen Horrorkino geschaffen, mit PEOPLE UNDER THE STAIRS schrieb und inszenierte er eine unterschätzte Variation auf sein Lieblingsthema vom unheimlichen Haus: eine groteske Gruselmischung aus Splatter-Schocks und überdrehtem Humor, aufgehängt an einer zornigen, sozialen Allegorie.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Poindexter „Fool“ Williams (Brandon Adams) wächst in ärmlichsten Verhältnissen auf. Er lebt zusammen mit seiner schwerkranken Mutter und seiner Schwester in einer stetig verfallenden Wohnung. Als Leroy (Ving Rhames), der kleinkriminelle Freund der Schwester, den Kleinen aufmuntert, seinen Beitrag zum Unterhalt der Familie beizusteuern, willigt dieser ein, sich am Einbruch in dem Haus der reichen Familie Robeson (Everett McGill und Wendy Robie) zu beteiligen, da man dort eine große Meneg Geld und andere Reichtümer vermutet. Dem Ehepaar gehören nahezu alle Wohnungen im Ghetto, doch sie gelten gemeinhin als unnahbar und skrupellos. Als Leroy, Fool und ein weiterer Kleinganove in das Haus eindringen, erfahren sie am eigenen Leib, dass der böse Ruf der Robesons völlig gerechtfertigt ist.

Regisseur Wes Craven, der hier auch für das Drehbuch verantwortlich war, galt gemeinhin als Mann des eher unerbittlichen, ausweglosen Horrorfilms, bei der die Protagonisten in die Fänge brutaler und/oder sadistischer Mörder geraten (The Last House on the Left, The Hills Have Eyes). Grob gesagt trifft dies auch bei dem vorliegenden Das Haus der Vergessenen zu, bei dem der Regisseur jedoch versuchte, den Horror mit komischen Elementen zu durchsetzen. Dazu besetzt er die Hauptrollen mit Everett McGill und Wendy Robie, die bereits in Twin Peaks als eher sonderbares Ehepaar in Erscheinung treten durften. Ihr Verhalten dort jedoch war der reinste Kindergeburtstag im Vergleich zu dem, was man bei Cravens Film beobachten kann. Man kann es nur schwer erahnen, was ihn hier getrieben hat, Everett McGill im nietenversetzten Lack- und Lederoutfit tollpatschig Jagd auf die Eindringlinge machen zu lassen, aber es hat schon etwas deutlich verstörendes! Herausgekommen ist eine überzogene, stellenweise ins Absurde abdriftende gesellschaftskritische Horrorkomödie, die zombieähnliche Wesen und Kannibalismus mit Sozialkritik paart und mit völlig überzogenem Overacting der Darsteller eine Parodie eines Schockers darstellt. Hier wird weniger gegruselt, vielmehr schmunzelt man oder reibt sich verwundert die Augen. Ein wahrer Hingucker ist die Konstruktion des Hauses, welches einen immer wieder mit gelungenen, aber auch völlig sinnfreien Fallen und Gimmicks überrascht. Ich persönlich konnte mit dieser etwas andersartigen „Fool allein zu Haus“-Variante nicht warm werden, kann aber verstehen, dass viele ihn als völlig unterschätzten, aber durchweg sehenswerten Film des Großmeisters betrachten.

 

Trailer: HD Kanal (Quelle)

 

Das Haus der Vergessenen (Originaltitel: The People Under the Stairs, USA 1991) erscheint nach seiner Streichung von der Liste der indizierten Filme im Januar 2018 bei Koch Films als hervorragend aufbereitetes und liebevoll gestaltetes Mediabook mit einer Blu-ray und zwei DVDs. Der Hauptfilm liegt in guter Bild- und Tonqualität (Bild: 1,85:1/1080p/16:9; Ton: Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 2.0) auf Blu-ray und DVD vor, auf der zweiten DVD befindet sich eine Unmenge an zusätzlichem Bonusmaterial. Neben drei Audiokommentaren gibt es zahlreiche umfangreiche Interviews, ein Making of, eine Bildergalerie und einiges mehr.

Man kann Das Haus der Vergessenen einen gewissen verspielt-trashigen Charme nicht absprechen, aber nichtsdestotrotz wollte der Film bei mir nicht so wirklich zünden. Zu überdreht, zu chaotisch, inhaltlich zu sehr zwischen den Stühlen. Trotzdem hat er einige wirklich schöne und atmosphärische Momente, so dass sich Fans des Films über diese wirklich hervorragende und wieder mal liebevoll gestaltete Veröffentlichung aus dem Hause Koch Films freuen können.

Christian Funke