Das Paradies der Mörder (atlas film)

Das Paradies der Mörder (atlas film)

Dass das Leben in Lateinamerika kein leichtes ist, wird jedem aufmerksamen Leser bekannt sein. Schon oft wurden die dortigen Lebensumstände in Filmen aufgezeigt, mal verklärt romantisch, mal nüchtern, realistisch und aufrüttelnd. Der hier vorliegende mexikanische Film Das Paradies der Mörder von Regisseur Carlos Carrera (Sender Unknown, Die Versuchung des Padre Amaro) nährt sich einem heiklen Thema, nämlich den Frauenmorden von Ciudad Juarez.
Die Stadt Ciudad Juarez liegt an der mexikanischen Grenze direkt gegenüber von El Paso, Texas. Zahlreiche ausländische Konzerne haben dort ihre Fabriken angesiedelt, und beschäftigen hauptsächlich weibliche Mitarbeiter. Seit 1993 erschüttert eine immer noch andauernde Mordserie an den dort lebenden Frauen die Öffentlichkeit. Im Jahr 2005 bezifferte man die Morde auf 370 weibliche Leichen und über 400- 600 vermissten Frauen zwischen 13 und 25 Jahren. Ein Großteil dieser Taten konnte bisher nicht aufgeklärt werden, was natürlich schnell den Eindruck der schlampigen Ermittlungen und der Behinderung der Aufklärung der Verbrechen vermittelte. Die Behörden bestreiten die Existenz von Serienmorden, und versuchen den Verdacht der Korruption weit von sich zu weisen, jedoch hinterlassen die teils sehr geringen Strafen bei den zum Teil nur auf Grund von fadenscheinigen Indizien verhafteten Verdächtigen oftmals einen anderen Eindruck.
Recht schnell geriet die Mordserie ins Licht der Öffentlichkeit, und war einige Male Thema verschiedener Dokumentationen. Auch verschiedene Bands nahmen sich der Thematik in ihren Liedern an. Im Jahr 2007 erschien der mit Jennifer Lopez prominent besetzte Film Bordertown, der ebenfalls dieses Thema behandelte.
Doch mit dem vorliegenden Film Das Paradies der Mörder gelingt es, die Tristesse der Umgebung, die teils unmenschlichen Lebensumstände und die Verzweifelung der dort Lebenden für den Zuschauer spürbar zu machen. Tolle Bilder und authentisch agierende Darsteller liefern einen realistischen Blick auf die Mordserie, was den Film jedoch zum Teil für den Zuschauer zu einem wirklich harten weil zwar fesselnden aber doch verschreckenden Brocken gestalten lässt.
Zu Recht bekamen der Film und seine Crew dafür mehrere Auszeichnungen, unter anderem war er der mexikanische Beitrag um den Oscar für den fremdsprachigen Film 2010.
Wer lateinamerikanisches Kino mag, sich nicht vor unangenehmen Themen und einer realistisch – drastischen Darstellung scheut, der kommt an dem handwerklich soliden, thematisch verstörend- fesselnden Das Paradies der Mörder nicht vorbei. Ein zum Teil wirklich beeindruckender Film!

 

Christian Funke-Smolka

Trailer