Der blaue Engel -Remastered Version-  (Universum Film©)

Der blaue Engel -Remastered Version- (Universum Film©)

Er gilt zu Recht als einer DER deutschen Filmklassiker, der auch heute, mehr als achtzig Jahre nach seiner Entstehung noch zu faszinieren weiß, und deutlich zeigt, was für eine Ausstrahlung seine Hauptdarstellerin damals (und auch noch heute) auf ihr Publikum hatte und hat. Der Name dieser Darstellerin ist auf ewig mit der Rolle der Sängerin Lola im blauen Engel verbunden: Marlene Dietrich!
Im Jahr 1922 am Berliner Theater in Max Reinhardts „Die widerspenstige Zähmung“ debütierend gelang Marlene Dietrich schnell der Sprung vor die Kamera, wo sie in einer Reihe von Stummfilmen auftrat. Gleich ihr erster Auftritt in einem Tonfilm, für viele damalige Stummfilm-Stars der Karriereknick, sollte für sie den Weg zu einer legendären Laufbahn und unsterblichem Ruhm führen.
Die Romanvorlage „Professor Unrat“ aus der Feder von Heinrich Mann wurde für das Filmprojekt von Regisseur Josef von Sternberg (Shanghai Express, Marokko, beide erneut mit Marlene Dietrich) von Karl Gustav Vollmoeller und Carl Zuckmayer unter dem Titel Der blaue Engel als Drehbuch umgeschrieben, und beschreibt, wie ein älterer Dozent, Professor Immanuel Rath (genial von dem populären Emil Jannings verkörpert. Jannings war der erste Oscar©-Gewinner in der Filmgeschichte, galt lange Zeit als „der beste Schauspieler der Welt“, wurde aber 1945 von den Alliierten auf Grund seiner Nähe zu den nationalsozialistischen Machthabern mit einem lebenslangen Auftrittsverbot belegt) sich in die Varieté – Sängerin Lola Lola (Marlene Dietrich) verliebt. Rath, ein pedantischer, verschrobener Spießbürger, besucht das Varieté eigentlich aus „pädagogischen“ Gründen, um Lola zur Rede zu stellen, seine Schüler zu verwirren, erliegt jedoch ihrem lasziven Charme und verfällt ihr. Diese jedoch verfolgt andere, mehr egoistische Pläne, und richtet den Mann damit letztendlich zu Grunde.

Die Verfilmung weicht in der zweiten Hälfte in nahezu allen Punkten von der Romanvorlage ab, was für einige Kontroversen unter den Kritikern sorgte, auch die Darstellung der Lola durch Marlene Dietrich war für diese Zeit ein Skandal, war jedoch für einen weltweiten Erfolg (man drehte parallel zu der deutschsprachigen eine englischsprachige Version für die internationale Vermarktung) kein Hindernis.

Der blaue Engel übt auch heute noch eine ungemeine Faszination aus. Beginnend wie eine typische Pennäler-Komödie schleichen sich im Laufe der Geschichte immer deutlicher die dramatischen Momente ein, die dann letztendlich zu der inhaltlichen Tragödie führen, wobei der Zuschauer in seiner Stimmung und den Sympathien für die jeweiligen Figuren hin- und hergerissen ist. Belächelt man zu Beginn das verbohrte und stockkonservative Verhalten des Professors, kommt man nicht umhin, ihn immer mehr zu bedauern, während die Faszination des Zuschauers für Lola immer deutlicher in Abscheu gegenüber ihres egoistischen Auftretens umschlägt. Es zeugt von der hohen Qualität des Drehbuchs und der Inszenierung, dass diese Emotionen auch heute noch, trotz der veränderten Blickwinkel und Sehgewohnheiten durch aktuelle Filmproduktionen, immer noch beim Zuschauer eintreten.

Universum-Film veröffentlicht hier weltweit erstmals die HD-Restauration dieses Klassikers auf einer grandios und liebevoll ausgestatteten Blu-ray.
Trotz des hohen Alters ist es erstaunlich, in welch guter Qualität der Film anzuschauen ist. Das Bild ist im Format 1,19:1 – 1080p/24 und weist kaum sichtbare Störungen auf, der Ton liegt im DTS-HD 2.0 (Mono) vor.
Interessant und lobenswert ist, dass man die Chance genutzt hat, beide Sprachversionen auf die Disc zu packen, da diese sich in einigen Aufnahmen unterscheiden (worauf im Bonussektor auch in einem Filmvergleich detailliert eingegangen wird). Da es damals nicht die technischen Möglichkeiten gab, eine anderssprachige Tonspur über den Film zu legen, musste der Film parallel in verschiedenen Sprachen gedreht werden. Somit gibt es von Der blaue Engel eine deutsche und eine englische Version, die sich sowohl durch ihre Lauflänge (deutsche Fassung: 107 Minuten, englische Fassung: 104 Minuten) als auch durch alternative Szenen unterscheiden. Zudem gibt es faszinierendes Material zu der grandiosen und beeindruckenden Hauptdarstellerin, welches von ersten Probeaufnahmen zum Film (eine herrliche, kodderschnäuzige Dietrich am Set, gedreht im Oktober 1929) so wie Interviews aus dem Jahr 1971 und drei Liveaufnahmen der unnachahmlichen Songs (zum Beispiel „Lola“, eingespielt in London 1972, oder „Falling in Love Again“ in Stockholm 1963) auf der Blu-ray zu entdecken.

Der blaue Engel ist ein Klassiker und ein Meisterwerk der Filmgeschichte, welches durch eine beeindruckende Inszenierung, dem hervorragenden Drehbuch und allen voran seinen charismatischen Hauptdarstellern auch heute noch begeistert. Jeder Filmliebhaber sollte also bei dieser gelungenen Veröffentlichung zugreifen!

Christian Funke-Smolka