Der Blender - The Impostor (Ascot Elite Home Entertainment)

Der Blender – The Impostor (Ascot Elite Home Entertainment)

61QLPh81HmL1994 verschwindet der 13-jährige Nicholas spurlos in San Antonio, Texas.
Dreieinhalb Jahre später findet man in lebend, tausende Kilometer von zu Hause entfernt, in Spanien. Seine Familie ist überglücklich, den verlorenen Sohn wieder zurück zu haben. Erst als eine FBI-Agentin ihn befragt, hegt sie Zweifel an dieser wundersamen Fügung des Schicksals…
THE IMPOSTER dokumentiert einen fast unglaublichen Betrug. Aus den Ausführungen des Identitätsschwindlers Frédéric Bourdin, den Interviews mit allen anderen Betroffenen und traumartig visualisierten Rückblenden entspinnt sich ein Doku-Thriller, der nicht nur an den Grenzen von Dokumentation und Fiktion rüttelt, sondern auch an jenen zwischen Wahrheit und Lüge.

Meinung zum Film:

Manchmal schreibt das Leben die verrücktesten Drehbücher. Hätte ich die Story des Blenders Frédéric Bourdin, genannt „Das Chamäleon“, in einem fiktiven Film vorgesetzt bekommen, ich hätte die Story kopfschüttelnd als absurd bezeichnet. Doch Der Blender beschreibt die Geschichte von Serienhochstapler Frédéric Bourdin, der 1997 die Identität des im Jahr 1994 verschwundenen texanischen Jungen Nicholas Barcley annahm und so überzeugend verkörperte, dass die Eltern des jungen drei Monate lang glaubten, ihren Sohn im Haus zu haben. Dabei war Bourdin zum Zeitpunkt des Betrugs 23 Jahre alt (und nicht 16 Jahre, wie der verschwundene Nicholas), sprach nur gebrochen Englisch mit einem stark französischen Akzent und hatte eine andere Augenfarbe. Recherchen eines Detektives deckten den Betrug jedoch auf.

Der Film Der Blender – The Impostor des Dokumentarfilmers Bart Layton beschäftigt sich hier primär mit der Geschichte, die sich Mitte der 90er in Texas abgespielt hat, zeigt aber auch, da es den Blick auf die (un-)heimliche Hauptfigur Frédéric Bourdin richtet, dass dieser ein notorischer Soziopath ist, der aufgrund seiner eigenen Geschichte eigentlich51NHwIGgNDL nur ein liebevolles zuhause suchte und deshalb nicht nur die Eltern von Nicholas, sondern im Laufe der Jahre mehrere Familien und Behörden mit den unterschiedlichsten Identitäten zu täuschen in der Lage war.
Bart Layton interviewt für sein dokumentarisches Real-Movie dafür die betreffenden Personen, nutzt Archivmaterial und stellt Szenen mit Schauspielern nach. Auch wenn ihm nicht alle Antworten auf die vielen Fragen gelingen, zeichnet er doch ein intensives wie faszinierendes Bild der gestörten und verstörenden Person Bourdin, dessen Auftritt das sowohl intensivste als auch unheimlichste Moment des Filmes ist.

Die Blu-ray erscheint bei Ascot Elite Home Entertainment in sehr guter Qualität, das umfangreiche Bonusmaterial widmet einen Beitrag der Person Frédéric Bourdin und seiner Geschichte, sowie weitere Interviews und Kurzberichte zur Entstehung von Der Blender.

Der Blender ist ein kinoreif inszenierter, visuell beeindruckender und innovativer Dokumentarfilm, der virtuos seine ihm zur Verfügung stehenden Mittel nutzt, um einen völlig in den Bann zu ziehen. Zahlreiche Nominierungen und Festivalpreise waren der Lohn. Der Blender beweist eindrücklich, dass Dokumentationen oftmals spannender und fesselnder sein können als so mancher Thriller. Ein Verwirrspiel, welches einen als Zuschauer noch lange nach dem Abspann beschäftigen wird.

Christian Funke-Smolka