Der Bomber  (Schröder Media)

Der Bomber (Schröder Media)

Nachdem man aus cineastischer Sicht den heimischen, englischen und amerikanischen Kriegsfilmsektor für sich entdecken konnte, begannen die Filmvertriebe, etwas über den üblichen Tellerrand zu schauen, und entdeckten, dass das russische Kino sowohl in der Lage ist, gute Filme zu drehen, diese mit überaus gelungenen Effekten zu bestücken, die sich nicht vor der Konkurrenz zu verstecken brauchen, und die nötigen Emotionen einzubringen, um das Publikum zu gewinnen. Plötzlich konnte man auf einen Fundus an manchmal weniger guten, aber auch oftmals sehr guten Kriegsfilmen zurückgreifen, die die Geschichten aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachteten und darstellten.

Die Geschichte handelt von einem sowjetischen Bomber, welcher im Zweiten Weltkrieg während einer Aufklärungsmission über Feindgebiet abgeschossen wird. Die dreiköpfige Besatzung überlebt den Absturz, befindet sich aber nun jenseits der feindlichen Linien und ist komplett auf sich allein gestellt. Sie müssen all ihr können und ihr taktisches Geschick einsetzen, um nicht von der Wehrmacht entdeckt zu werden, und zurück zu ihren Truppen zu gelangen.
Doch wie es scheint, steckt mehr hinter dem Absturz. Es scheint einen Verräter in den eigenen Reihen zu geben, und damit entwickelt sich die Flucht zu einem Himmelfahrtskommando, denn der Saboteur und Verräter, ein sowjetischer Führungsoffizier, versucht nun seinerseits alles, die Schuld auf die drei Überlebenden abzuwälzen.

Die TV-Miniserie Ballada o Bombere, hier schlicht Der Bomber, ist solide Unterhaltung, die für den Golden Eagle Awars (Preis der Nationalen Academy of Cinematographic Science of Russia) nominiert wurde. Eine mitreißende Geschichte und gute Schauspieler lassen, auch dank der gelungenen Actionsequenzen und der liebevollen Ausstattung, die drei Stunden Lauflänge schnell vergehen, so dass man kurzweilig und überaus spannend, trotz einiger äußerst schwacher Dialoge, unterhalten wird.

Der Bomber von Regiedebütant Vitaliy Vorobyov ist eine russische TV-Miniserie, die in ihrer mehr als dreistündigen Filmversion von Schröder Media als Blu-ray und DVD veröffentlicht wird. Bild und Ton der hier vorliegenden Blu-ray sind dabei auf einem sehr guten Niveau, gerade das Bild bietet eine saubere Tiefenschärfe und satte Farben, allerdings ist, wie schon häufiger bei Veröffentlichungen von Schröder Media, die Synchronisation bei einigen Sprechern sehr unpassend, und wirkt dadurch im Film eher störend. Eigentlich, so dachte ich, seien die Zeiten vorbei, wo Kinderrollen von Erwachsenen mit verstellter Stimme synchronisiert werden.
Auf der vorliegenden Blu-ray ist kein Bonusmaterial vorhanden.

Der Bomber ist eine der Veröffentlichungen, die hält, was sie verspricht. Man merkt ihr an keiner Stelle an, dass sie von einem Mehrteiler auf einen drei Stunden – Film heruntergekürzt wurde, zudem bietet sie solide Actionszenen und teils atemberaubende Luftaufnahmen. Auch wenn CGI verwendet wird, wirken diese Effekte gut und auf den ersten Blick nicht als Computerspielerei erkennbar, und sind somit sehr gut in den Film integriert. Wer also einen gelungenen russischen Kriegsfilm sehen möchte, der alle dafür benötigten Zutaten aufweist, dem eine gehörige Portion Pathos und verklärter Heroismus nichts ausmacht, der ist mit der Veröffentlichung von Der Bomber sehr gut bedient.

Christian Funke-Smolka