Der Club der Toten Dichter  (Buena Vista Home Entertainment)

Der Club der Toten Dichter (Buena Vista Home Entertainment)

„Carpe diem! – Nutze den Tag“
(John Keating in Der Club der Toten Dichter)

 

Wir befinden uns in den späten 50ern des letzten Jahrhunderts an der renommierten Wellton-Academy, wo die Prinzipien Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung einen besonderen Stellenwert haben und mit strenger Hand vermittelt werden.
Als jedoch der neue Englischlehrer John Keating (Robin Williams, One Hour Photo, König der Fischer, Zeit des Erwachens) seinen Dienst antritt, verändert sich der Unterricht für die Schüler (unter Anderem sieht man die noch sehr jungen Ethan Hawke, Robert Sean Leonard oder Josh Charles) spürbar. Unkonventionelle pädagogische Methoden und der Aufruf zur Meinungsfreiheit hinterlassen bei den eigentlich zu Disziplin und Gehorsam erzogenen jungen Menschen erste Spuren, so dass sich bald schon eine Gruppe von Schülern findet, die im Geheimen den „Club der toten Dichter“ aufleben lassen, wo sie heimlich Lesungen abhalten, wie es schon Schüler vor ihnen, unter anderem auch ihr Lehrer Keating, getan haben. Doch dieses Verhalten stößt nicht unbedingt auf Wohlwollen und Verständnis bei der strengen Schulleitung, so dass sich die Situation bald dramatisch zuspitzt und die vorprogrammierten Konflikte bald offen ausgetragen werden….

Mit Der Club der Toten Dichter gelang Regisseur Peter Weir ein zeitloser Klassiker, der seine Schauspieler, wenn sie es denn noch nicht waren, populär machte, und Sätze wie den eingangs genutzten in die Alltagssprache integrierte.
Was jedoch damals wie heute als prägendste Erinnerung blieb war die beeindruckende und nachhaltige Botschaft, die der Film vermittelte: setze Dich zur Wehr, lebe deine Träume und kämpfe für deine persönliche Freiheit! Da diese Botschaft universell und zeitlos anzuwenden ist, macht es den Film auch heute, fast ein Vierteljahrhundert nach seiner Entstehung genauso kraftvoll und wichtig wie damals!

Regisseur Peter Weir wurde 1944 in Sydney, Australien geboren. Hier studierte er Kunst und Jura, erlangte aber relativ schnell, nämlich direkt mit seinem zweiten Film Die Autos, die Paris auffraßen, seinen Durchbruch. Endgültig wurde er dann jedoch ein Jahr später mit dem modernen Klassiker Picknick am Valentinstag bekannt, und heimste sowohl vom Publikum als auch den Kritikern großes Lob ein.
Zwei Jahre später veröffentlichte er den visionären Die letzte Flut, und machte seinen Hauptdarsteller Richard Chamberlain (Die Dornenvögel) zum Star, genau wie er Mel Gibson 1981 durch die Filme Gallipoli und Ein Jahr in der Hölle (1982) nach seinem Mad Max – Erfolg seinen Ruf als Schauspieler weiter stärkte. Aber erst seine in den Vereinigten Staaten gedrehten Filme wie Der einzige Zeuge, der hier vorliegende Der Club der Toten Dichter, Die Truman Show oder Master & Commander festigten den Ruf des Regisseurs, spirituelle, ernsthafte, philosophische Themen so in seine Filme zu integrieren, dass diese intellektuell fordernd sein können, aber trotzdem hervorragend unterhalten, und sich dabei aus inhaltlicher und formeller Sicht auf einem sehr hohen Niveau befinden, und verschafften ihm bis jetzt sechs Oscar-Nominierungen.
Nach knapp siebenjähriger Pause veröffentlichte Peter Weir 2010 seinen bisher letzten Film The Way Back – Der lange Weg.

Die Blu-ray Der Club der Toten Dichter aus dem Hause Buena Vista Home Entertainment präsentiert den Film mit einem guten, sauber abgemischten und farbenfrohen Bild. Der Ton liegt gut und klar verständlich in einem 5.1 Sound vor. Besonders interessant jedoch ist der Bonussektor, wo sich neben dem Originaltrailer und einer Programmübersicht so interessante Feature befinden wie das 25 Minuten lange „Der Club der Toten Dichter: Ein Blick zurück“, wo viele der damals Beteiligten zu Wort kommen, und sich an die Dreharbeiten erinnern. Zudem gibt es durch Peter Weir und David Lynch eine Erinnerung an den 1994 verstorbenen Sounddesigner Alan Splet, sieben Minuten an entfernten Szenen und ein längeres Feature über die Kameraführung und die Sets.

Der Club der Toten Dichter ist ein Klassiker, der auch heute noch durch seine spannende Geschichte und die charismatischen Schauspieler zu begeistern weiß. Der Film ist ein gelungenes Sittengemälde der späten 50er Jahre mit ihren verbohrten und konservativen Ansichten, und gleichzeitig zeigt es den beginnenden Wandel, das Umdenken, auch in der damaligen Pädagogik, und ist ein flammendes Plädoyer für Freiheit der Gedanken und die Kraft der Poesie. Nur wer in der Lage ist, Emotionen zuzulassen, seine Fantasie zu nutzen und Liebe sowohl zu geben als auch zu nehmen kann ein ausfüllendes Leben führen.
Der Club der Toten Dichter ist eine emotionsgeladene Geschichte, die sowohl berührt als auch nachdenklich stimmt, ein Aufruf zur Selbstbestimmung und der Auslebung der persönlichen Freiheit. Diese Botschaft ist heute noch genauso wichtig ist wie zu jeder anderen Zeit und macht den Film zu einem heute noch genauso nachwirkenden Erlebnis wie zur Zeit seiner Entstehung.

Christian Funke-Smolka