“Der Hexentöter von Blackmoor” (Koch Films)

“Der Hexentöter von Blackmoor” (Koch Films)

Regie: Jess Franco

Darsteller: Christopher Lee, Maria Schell, Leo Genn, u.a.

England im 17. Jahrhundert: George Jeffreys wurde vom Königshaus zum Obersten Richter ernannt. Und damit zum ersten Hexenjäger des Landes, der mithilfe seiner nicht minder sadistischen Folterknechte ein grausames Regiment führt. Politische Widersacher fallen ihm genau so zum Opfer wie junge Frauen, die er als Hexen in die Flammen schickt, vor allem dann, wenn sie sich ihm nicht fügen wollen. Ein falsches Wort, und der Scheiterhaufen brennt!

Kein geringerer als Christopher Lee gibt in diesem prächtigen Hexploitation-Klassiker unter der Regie von Kult-Regisseur Jess Franco den titelgebenden Richter. „Die primitiv gemachte pseudohistorische Geschichte dient als Vorwand für breit angelegte Folterszenen“, meint der Katholische Filmdienst, während der Evangelische Film-Beobachter den HEXENTÖTER als „einen Schauerfilm mit ebenfalls viel Sadismus“ bezeichnet. Zeit also für eine Edition, die den Film erstmals in HD und in allen veröffentlichten Fassungen präsentiert.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Gehetzt wie Hunde, gejagt wie Wölfe, verbrannt wie Teufel: Im Namen des Rechts!
Original-Verleihwerbung

England im Jahre 1685: König Charles ist tot und sein Nachfolger James II hat den Thron bestiegen. Doch der mächtigste Mann ist der oberste Richter, Judge George Jeffreys (Christopher Lee). Dieser verfolgt mit harter Hand seine Ziele und lässt alle Gegner hinrichten. Als er die junge Alicia Gray (Margaret Lee) als vermeintliche Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrennen lässt, flüchtet ihre Schwester Mary (Maria Rohm), die sich dem Richter nicht hingeben wollte, um sich das Leben zu nehmen. Dabei trifft sie auf den Harry Selton (Hans Hass Jr.), Sohn des einflussreichen Earl of Wessex (Leo Genn). Das Schicksal nimmt seinen Lauf…

Jesús Franco Manera (* 12. Mai 1930; † 2. April 2013), dem Freund des ausgefallenen Filmgeschmacks besser als Jess Franco bekannt, war ein spanischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler. Franco war ein vom Film Besessener, der an mehr als 200 Spielfilmen mitwirkte und bei mindestens 160 Regie führte. Dabei erwies er sich als cleverer Tausendsassa, der an einem Set manchmal mit den gleichen Darstellern Szenen für drei, vier weitere Filme inszenierte, in allen Prozessen seine Finger im Spiel hatte und so seine persönlichen Ideen und Interessen oftmals vollständig umsetzen konnte. Er war ein vielseitig interessierter Mensch, der sich in den unterschiedlichsten Genres bewegtem, seine Filme mit Sex und Gewalt anreicherte und so manchmal erstaunlich psychotronische Ergebnisse erzielte, die ihrer Zeit weit voraus waren.

Der Hexentöter von Blackmoor ist noch einer seiner gemäßigteren Filme, der seinerzeit auf der Welle der Inquisitionsfilme mitschwamm. Im Mittelpunkt des Films steht die historisch belegte Figur des britischen Lordrichters Jeffreys, von einem an Fakten interessierten Historienfilm Der Hexentöter von Blackmoor jedoch weit entfernt. In Portugal und Spanien im Spätsommer und Herbst 1969 gedreht, haben wir hier einen Film, der seinen historischen Kontext mit einer gehörigen Portion Grindhouse anreichert. Es ist schon bewusstseinserweiternd, wenn man die Folterknechte der Inquisition in schwarzen Stretchkostümen, einem breiten Gürtel und einem großen „I“ auf der Brust böse grimassierend erlebt, man immer wieder in liebevoll eingerichtete Folterkammern eingeladen wird, um Zeuge herzhafter Züchtigungen zu werden. Es bedarf schon einer großen Freude am zelebrierten Irrsinn, um die wahre Schönheit dieses Films erkennen zu können, aber so sinnfrei vieles hier scheint, Spaß bereitete er über weite Strecken allemal. Denn nur selten erlebt man diese Kombination von opulenten Settings, prominenten Darstellern und charmantem Trash in einem Film, der hier zudem in einer wirklich beeindruckenden Veröffentlichung der Köche in seiner längstmöglichen Fassung präsentiert wird.     

© Trailer: Blue Underground

Der Hexentöter von Blackmoor (Originaltitel: Il trono di fuoco, Deutschland / Großbritannien / Italien / Spanien 1970), der nach Ablauf der 25 Jahresfrist im Jahr 2007 seine Listenstreichung erfuhr und seitdem nicht mehr indiziert war, erscheint nun bei Koch Films in einer 5 Disc – Edition, die keine Wünsche offenlässt! Nach einer Neuprüfung mit einer FSK 16-Kennzeichnung in seiner ungekürzten Form freigegeben, erleben wir den Jess Franco – Film hier nicht in einer, nicht in zwei, sondern ganzen drei Filmfassungen. Auf Blu-ray liegen erstmals in High Definition die deutsche Kinofassung (79 Minuten) und die englische Exportfassung (103 Minuten) vor, auf DVD befindet sich dann die neu erstellte integrale Fassung (104 Minuten), die zwei aus der italienischen Fassung ergänzte Szenen erstmals vollständig beinhaltet. Die Fehlstellen sind je nach Quelle in dem dort verwendeten Sprachformat und sind deutsch untertitelt. Bild (2,35:1/16:9/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: Linear PCM 2.0 Stereo) der einzelnen Filmfassungen befinden sich auf einem erstaunlich sauber aufbereiteten Niveau. Zudem befinden sich in der ansprechend aufgemachten Edition auf einer separaten Audio-CD der Soundtrack von Bruno Nicolai (Der Schwanz des Skorpions, Adios Sabata) und im Bonusmaterial, unter anderem auch auf einer Bonus-DVD vorliegend, die 65 Minuten lange Dokumentation Franco-Philes, die halbstündige Super-8-Fassung, zusätzliche, entfernte oder alternative Szenen, eine Bildergalerie, Trailer und TV-Spots und eine äußerst sympathische Einführung zur deutschen Filmfassung von Maestro Christian Kessler. Koch Films präsentiert dem Jess Franco-Fan mit dieser liebevollen Hexentöter – Veröffentlichung ein wahres Füllhorn magischer Momente epochaler Filmkunst.

Der Hexentöter von Blackmoor, auf der Welle der damals populären Hexploitation-Welle mitschwimmend, ist einer der besseren Filme des Vielfilmers Jess Franco. Ein, verglichen mit anderen Filmen des Regisseurs, opulent ausgestatteter, prominent besetzter Historienfilm, der etwas zwischen den Stühlen sitzt, da für Exploitation nicht derbe genug, für Arthouse aber wiederum zu wenig Kunst. Egal, ich finde ihn sehr charmant, bietet er den teilweise grandiosen Darstellern eine Bühne für hemmungsloses Overacting. Maria Schell als blinde keine-Ahnung-wer schielt immer mit leicht depressiver Miene knapp an der Kamera vorbei, Christopher Lee agiert, als sei der Teufel hinter seiner Seele her. Dazu etwas nackte Haut, einige mehr oder weniger derbe Foltersequenzen und Tote, die im Folterkeller dekorativ an der Wand hängen… Trash-Herz, was willst du mehr!  

Christian Funke