„Der Manitou” (Koch Films)

„Der Manitou” (Koch Films)

Regie: William Girdler

Darsteller: Tony Curtis, Susan strasberg, u.a.

Im Nacken von Karen Tandy wächst eine rätselhaftes Geschwulst. Was Forscher für eine Wucherung halten, entpuppt sich als nichts anderes als der rasant wachsende Fötus eines 400 Jahre alten indianischen Dämons, der das Ende der Welt heraufbeschwören möchte. Mit Hilfe eines Kartenlegers und eines modernen Medizinmannes bekämpft sie den mächtigen Manitou, der sich ausgerechnet ihren Körper für seine Wiederauferstehung aufgesucht hat.

Tony Curtis und Susan Strasberg spielen die Hauptrollen in diesem berühmt-berüchtigten Horror-Schocker, der im Fahrwasser von Genre-Klassikern wie IT’S ALIVE – DIE WIEGE DES BÖSEN und DER EXORZIST entstand. Vor allem wegen dem unvergesslichen Finale inklusive einer Tür in ein Paralleluniversum im Weltall, zeitgemäßen Lasereffekten, einer nackten Frau und einem Soundtrack von Lalo Schifrin (DIRTY HARRY) ein Film, den man gesehen haben muss, um ihn zu glauben.

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Karen Tandy (Susan Strasberg) bemerkt in ihrem Nacken eine merkwürdige, schnell wachsende Geschwulst. Die hinzugezogenen Ärzte sind ratlos, doch als man es zu entfernen versucht, eskaliert die Operation auf schreckliche Weise. Karen bittet ihren Freund Harry Erskine (Tony Curtis) um Rat, der sich seinen Lebensunterhalt als fadenscheiniger Wahrsager verdient. Wie es scheint, entwickelt sich in dem vermeintlichen Tumor ein Embryo, der eine Inkarnation eines mächtigen und grausamen Manitous zu sein scheint…

Man muss es sehen, um es glauben zu können. Da liegt eine Frau, von einem Berg von einem Tumor gezwungen, auf dem Bauch zu liegen. Heidnische Rituale, Dämonenbeschwörung, wilde Lasergefechte, teils von nackten Frauen ausgetragen… Zutaten, die das Herz eines Fans des etwas abseitigen Filmgeschmacks höherschlagen lassen. Und zwischen all dem tummelt sich ein bestens aufgelegter Tony Curtis, der offensichtlich einen diebischen Spaß bei den Dreharbeiten hatte. Der Film ist eine kleine Perle des schlechten Geschmacks, die unter den Alternativtiteln Geburt des Dämons, Super Zombie oder Lasersturm bislang nur auf VHS erhältlich war (sehen wir mal von einem DVD-Bootleg ab). Es ist schön, dass dieser Geheimtipp aus der Vergessenheit gerissen wurde und nun in einer edlen, hervorragend bearbeiteten Edition veröffentlicht wird. Natürlich kommt man nicht umhin, festzustellen, dass Regisseur William Girdler (Sheba Baby, Asylum of Satan) über hohe Ambitionen, aber weniger hohes Talent verfügte. Mit Der Manitou kann man getrost sagen, dass dies sein bis dato größtes Projekt war, welches als Grundlage einen Roman von Horrorautor Graham Masterson hatte. Dieser erfreut sich nach eigener Aussage an einer sich nahe am Roman befindenden Adaption, die sich lediglich in dem sich an Science Fiction – Filmen orientierenden Ende unterscheidet. Der Film ist in seiner Gesamtheit faszinierend. Hier werden Genreversatzstücke wild durcheinandergewürfelt, die Geschichte zieht jedem Arthouse-Fan die Schuhe aus und bei so mancher Szene klappt einem gleichzeitig der Mund auf und jagen einem wohlige Schauer über den Rücken. Der Film hat Atmosphäre, stellenweise ist er sogar spannend, aber in erster Linie schwer unterhaltsam… und das ist mehr, als ich den meisten aktuellen Filmen attestieren kann!  

© Trailer: ScreamFactoryTV

Der Manitou (Originaltitel: The Manitou, Kanada/USA 1978) erscheint bei Koch Films in der ungekürzten, ehemals ungeprüften Fassung mit einer Freigabe ab 12 Jahren erstmals in HD. Die Köche, für ihre liebevollen Veröffentlichungen bekannt, präsentieren hier nicht ein oder zwei, sondern gleich vier Mediabook-Versionen, die mit streng limitierten unterschiedlichen Covermotiven bei unterschiedlichen Händlern zu kaufen sind. Dem Mediabook liegen eine DVD und eine inhaltsgleiche Blu-ray bei. Von mir wurde die Blu-ray getestet, die in Bild (2,35:1/1080p) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 2.0 Stereo) dank einer guten Aufbereitung überzeugen konnte. Im Bonusbereich befinden sich neben einem im Mediabook eingehefteten Booklet ein 28 Minuten langes Interview mit Autor Graham Masterson, ein 13 Minuten langes Interview mit dem FX-Künstler Tom Burman und ein viertelstündiges Interview mit Produzent David Sheldon, die 45-minütige Super-8-Fassung, Trailer und TV-Spots und eine Bildergalerie.

Filmemacher William Girdler, der kurz nach den Dreharbeiten bei der Suche nach Drehorten für seinen nächsten Film bei einem Hubschrauberabsturz auf den Philippinen ums Leben kam, präsentiert mit seinem letzten Film einen sehr ambitionierten, stellenweise herrlich trashigen Horrorfilm mit einem großartig aufspielenden Tony Curtis und einer nicht uninteressanten Story. Ein Film, der Grusel, Laserstrahlen und indianische Mythologie zu einem unterhaltsamen Ganzen verbindet und dem offenherzigen Zuschauer unglaublich viel Spaß beschert.

Christian Funke