„Der Mann aus dem Eis“ (Ascot Elite Entertainment)

„Der Mann aus dem Eis“ (Ascot Elite Entertainment)

Regie:
Felix Randau

Darsteller:
Jürgen Vogel, Susanne Wuest, André Hennicke

Vor 5300 Jahren in der Jungsteinzeit. Eine Großfamilie lebt friedlich an einem Bach in den Ötztaler Alpen. Ihrem Anführer Kelab (JÜRGEN VOGEL) obliegt es, den heiligen Schrein zu verwahren. Während Kelab auf der Jagd ist, wird seine Siedlung überfallen und die gesamte Sippe ermordet, darunter auch Kelabs Frau und sein Sohn. Auch das Heiligtum der Gemeinschaft wird geraubt. Getrieben von Schmerz und Wut hat Kelab nur noch ein Ziel – Vergeltung! Kelab folgt den Spuren der Täter. Auf seiner Odyssee durch das Gebirge ist er den Gefahren der Natur ausgesetzt. Ein tragischer Irrtum macht ihn selbst zum Gejagten. Schließlich steht Kelab nicht nur den Mördern seiner Familie, sondern auch sich selbst gegenüber. Wird er seinem Drang nach Rache nachgeben und selbst vom Opfer zum Täter? Oder gelingt es ihm, den ewigen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen?

© Ascot Elite Entertainment

Meinung zur Veröffentlichung:

Ötzi, der Mann aus dem Eis, ist eine Gletschermumie aus der späten Kupfersteinzeit, die im Jahr 1991 in den Ötztaler Alpen in Südtirol von zwei Wanderern gefunden wurde. Der Todeszeitpunkt des Mannes wurde bei Untersuchungen auf zwischen 3359 und 3105 v. Chr. bestimmt. Aufgrund des sehr guten Zustands der Mumie konnten zahlreiche Vermutungen über das Leben zu jener Zeit, aber auch viele Erkenntnisse über die Person angestellt und erlangt werden. So stellte man fest, dass er eine markante Zahnlücke zwischen den beiden Scheidezähnen und auffällige Tätowierungen besaß. Sein Leben und die Umstände seines gewaltsamen Todes boten sich aufgrund der Fülle an Erkenntnissen und glaubhaften Vermutungen damit für eine Verfilmung an.

Der deutsche Filmregisseur und Drehbuchautor Felix Randau (Die Anruferin) versucht nun mit Der Mann aus dem Eis anhand der bisherigen Erkenntnisse einen inhaltlich zwar fiktiven, jedoch an vielen Stellen wahrscheinlichen Film über die letzten Tage des Ötzis zu präsentieren, der in der Rolle der Hauptfigur passenderweise mit Jürgen Vogel besetzt wurde. Dieser spielt den Clanführer Kelab, der sich auf der Jagd befindet, als ein verfeindeter Clan seine Siedlung angreift und seine Familie tötet. Nach dem traditionellen Totenritual macht sich Kelab auf, den Tod seiner Angehörigen zu rächen…

Bei dem Versuch, die letzten Tage des legendären Ötzi zu rekonstruieren, nahm Randau die bekannten Details und reicherte sie mit fiktionalen Elementen an, um eine Geschichte erzählen zu können. An Originalschauplätzen gedreht, kommt der Film, der mit André Hennicke, Susanne Wuest und Franco Nero erfrischend prominent besetzt ist, gänzlich ohne verständliche Sprache aus, sondern verwendet die antike Sprache Rätisch ohne erklärende Untertitel. Herausgekommen ist ein wunderschön gefilmter, stellenweise sehr harte, grimmig-düsterer Rachefilm, der sich unter Verwendung klassischer und ungewöhnlicher filmischer Stilmittel einem der faszinierendsten Leichenfunde der letzten Jahrzehnte annähert.

 

 

Der Mann aus dem Eis erscheint bei Ascot Elite Entertainment als DVD, Blu-ray und Video on Demand. Mir lag zur Ansicht die Blu-ray vor. Bild (2,39:1/1080 Full HD) und Ton (dts-HD Master Audio 5.1) sind auf einem qualitativ guten Niveau, wobei es bei der Bildqualität aufgrund der Verwendung lediglich der natürlichen Lichtquellen etwas der Gewöhnung bedarf, bis man sich an das entsprechend unausgewogen ausgeleuchtete Bild gewöhnt hat. Dies wiederum verstärkt in Verbindung mit der Verwendung einer frühen Form der rätischen Sprache ohne Untertitel als einzige Sprachoption den authentischen Charakter des Films. Im Bonusbereich befinden sich neben dem Trailer und einer Programmübersicht fünf Interviews, ein dreiminütiges Making of, Aufnahmen der Kampfproben, ein alternatives Filmende und Szenen vom Set (26 Minuten).

Der Mann aus dem Eis ist ein landschaftlich toll fotografierter, faszinierend andersartiger Film, der mit Liebe zum Detail seine Geschichte erzählt. Ein urwüchsiges Rache-Drama, spannend, faszinierend und unbedingt sehenswert!

Christian Funke