Der Mann mit dem Karateschlag (Film Art)

Der Mann mit dem Karateschlag (Film Art)

Mehrere Frauen werden brutal verstümmelt. Die Polizei tappt im Dunkeln. Aus der Unterwelt Hongkongs erheben sich mehr und mehr Verdächtige. Die Welle der Gewalt scheint unaufhaltbar.
Gelingt es dem Inspektor den wahren Triebtäter zu stellen und dessen Mordlust für immer zu beenden?

DER MANN MIT DEM KARATESCHLAG ist eine vergessene Perle des asiatischen Kinos. Regisseur Chan Tung Man verbindet geschickt die klassischen Elemente des italienischen Giallos mit den stahlharten Kampfeinlagen des Eastern-und Kung-Fu Films.
95 Minuten geballte Spannung mit den Genre-Stars: Bolo Yeung (Bloodsport), San Kuai (Die Todeskralle kehrt zurück), Hon Gwok-Choi (Die 36 Kammern der Shaolin) und Gai Yuen (Zhao – Der Unbesiegbare).

Meinung zum Film:

1074500_527184580669469_864480400_oBÄÄMM! Ein Titel wie ein Donnerknall: Der Mann mit dem Karateschlag. Wer als Film-Fan die Genre-Kreuzüber-Einsortierung „Giallo-Eastern“ liest, ist somit erst mal vorfreudig gespannt. Cineasten, die nun aber ein wohldurchdachtes Drehbuch mit exquisiten Darstellern, perfekten Kameraspielereien, atemberaubenden Bildkompositionen und als Sahnehäubchen allerfeinste Kampfchoreografien erwarten, dürfen gerne weiterträumen. Viel näher an der Realität liegt man, wenn man sich eine asiatische Variation des inhaltlich ähnlichen „Der Schwanz des Skorpions“ (ebenfalls bei Film Art erschienen) vorstellt, der angereichert ist mit einer Prise haarigem Schmuddel-Sex, toll tanzenden, wohlfeil posierenden Männern in knallengen Hosen, und einigen holprig aufgesetzten Kämpfen zum Filmende hin. Der Mann mit dem Karateschlag ist dabei so sleazige Exploation, dass es dem einen Zuschauer Schmerzen bereiten wird, der andere wiederum vor Freude in die Hände klatscht. Denn solch eine Trash-Granate allererster Güte ist nun mal des einen Freud und des anderen Leid. Da ich mich nun glasklar als einer jener Zuschauer der ersten Kategorie einsortieren würde, sehe ich ein hohes Unterhaltungspotenzial in asiatischen Unholden mit schwarzen Handschuhen und Rasiermessern. Wenn Bolo Yeung dazu noch seine Muskelmassen präsentiert, ist dies das i-Tüpfelchen der herrlich-abstrusen Unterhaltung!

Der Mann mit dem Karateschlag erscheint bei Film Art als weltweit erste DVD-Veröffentlichung, welche in limitierter Form als „Giallo-Eastern-Crossover“ veröffentlicht wird. Sowohl die Disc als auch das Cover sind stilvoll in einer gelben Grundfärbung und dem Plakatmotiv gestaltet, wobei wir hier ein Wendecover haben, welches auf der Rückseite ein Alternativcover besitzt, welches im Stil alter VHS-Hüllen in knalligem blau und einem rasanten Filmmotiv kreiert wurde und mich nun vor die schwierige Entscheidung stellt, welches Motiv ich angemessener für meine Sammlung finde. Wahrscheinlich werde ich nicht drum herum kommen, nun jeden Monat einmal das Cover zu wenden (weshalb es ja auch „Wendecover“ heißt), aber das sehe ich persönlich eher als ein nicht zu übermächtiges Luxusproblem.

3Auch in der Ausstattung glänzt die Veröffentlichung durch Charme. Neben dem unzensierten Hauptfilm gibt es im Bonusbereich selbigen noch einmal, dieses mal jedoch in der restaurierten Version. Wer wie ich das Bahnhofskino-Grindhouse-Flair sucht, nimmt sich also die grisselige und fehlerhafte Version, wer darauf keine Lust hat, kann sich die restaurierte, cleanere Version anschauen. Hier ist der Kunde noch König und kann erneut wählen (Der Mann mit dem Karateschlag ist keine DVD für Menschen mit Entscheidungsschwierigkeiten). Zusätzlich befinden sich im Bonusbereich noch eine Bildergalerie, eine Programmübersicht und der ziemlich lässige deutschsprachige Trailer.

Freunde des etwas abseitigeren Geschmacks mit einer gehörigen Portion Spaß an schmackigen Dialogen, absurden Frisuren und trendiger Kleidung werden mit der Film Art-Veröffentlichung Der Mann mit dem Karateschlag hervorragend bedient. Die kuriose Stil-Mischung dieses Genre-Bastards macht, die nötige Offenheit für skurrile Unterhaltungsfilme der 70’er vorausgesetzt, in geselliger Runde und den entsprechend bereitgestellten Kaltgetränken riesig Laune. Also zugreifen und anschauen!

Christian Funke-Smolka