“Der Partyschreck“ (Koch Films)

“Der Partyschreck“ (Koch Films)

Regie: Blake Edwards

Darsteller: Peter Sellers, Claudine Longet, Natalia Borisova u.a.

Der tollpatschige indische Komparse Hrundi V. Bakshi (Peter Sellers) sprengt aus Versehen eine monumentale Filmkulisse in die Luft. Schnaubend vor Wut ordnet der Regisseur an, den Katastrophen-Schauspieler auf die „Schwarze Liste“ zu setzen. Durch einen Schreibfehler landet Bakshi jedoch auf der „A-Liste“ – und wird prompt zur pompösen Party der Studiobosse eingeladen. Was für eine Chance, die Hollywood-Bonzen von seinem Talent zu überzeugen! Das tut Bakshi mit buchstäblich durchschlagendem Erfolg: Je später der Abend, desto mehr gleicht die Nobelvilla des Gastgebers einem Schlachtfeld – verwüstet von Lachsalven und Gagkanonaden!

Willkommen auf der angesagtesten Party, die Hollywood je gefeiert hat! Sie haben hoffentlich eine Unfallversicherung abgeschlossen? Denn wo Partyschreck Peter Sellers (DER ROSAROTE PANTHER) auftaucht, bleibt kein Stein auf dem andern und kein Auge trocken!

© Koch Films

Meinung zur Veröffentlichung:

Hrundi V. Bakshi (Peter Sellers, Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb) ist ein eher talentfreier und tollpatschiger indischer Komparse, der nicht nur den Regisseur und die Darsteller am Set eines Historienfilms zur Weißglut bringt, sondern zudem auch noch die gesamte Kulisse in die Luft sprengt. Doch statt seinen Namen auf die „schwarze Liste“ zu setzen, landet er versehentlich auf der Gästeliste einer extravaganten Party des Studiobosses. Ein Fehler mit außergewöhnlichen Folgen…

Auch wenn Peter Sellers nach jedem gemeinsamen Film kundtat, nie wieder mit Blake Edwards drehen zu wollen, schufen sie über die Jahre mit ihrer Pink Panther-Reihe so manchen Klassiker. Mit Der Partyschreck beweisen die Beiden, dass sie auch neben der Erfolgsreihe gut miteinander harmonisieren. Ursprünglich geplant als Slapstick-Stummfilm, zeigte sich sehr schnell, dass Sellers eine Sprechrolle benötigt, um seinen Humor perfekt entfalten zu können. Man entschied sich, einige für diese Zeit innovative Ideen umzusetzen. So basiert das Drehbuch lediglich auf einem nur sehr kurzen Skript, um möglichst viel Freiraum für Improvisationen zu bieten. Damit diese im Film funktionieren, wurde neben der herkömmlichen Art auch mit dem damals neuen Medium der Videotechnik experimentiert, um die Ergebnisse direkt anschauen zu können. Herausgekommen ist ein Film, der keine stringente Rahmenhandlung besitzt, sondern ein klar begrenztes Setting nutzt, um möglichst viel Situationskomik und Slapstick produzieren zu können, die von Edwards stilsicher inszeniert wurde. Inhaltlich überschlagen sich die Ereignisse, ohne dabei einen klassischen Spannungsbogen aufzubauen, weshalb man hier weniger einen gängigen Film mit einer stringenten Handlung, sondern eher eine Aneinanderreihung irrwitziger Ideen und absurder Ideen erwarten sollte. Auch wenn die gesamte Besetzung gut spielt, übertrumpft Sellers sie mit seiner unnachahmlichen Darstellung des tollpatschigen Komparsen mit Herz. Vielleicht nicht Edwards beste, jedoch seine experimentellste und überdrehteste Komödie.  

© Trailer: Movieclips Classic Trailers

Koch Films veröffentlichen den Blake Edwards-Klassiker Der Partyschreck (Originaltitel: The Party. USA 1968) als Blu-ray-Premiere in einer ansprechend gestalteten Special Edition! Hier liegt der Hauptfilm, ein Trailer und eine Bildergalerie auf Blu-ray und DVD vor. Die von mir getestete Blu-ray befand sich in Bild (2,35:1 7 16:9) und Ton (Deutsch & Englisch: dts-HD Master Audio 2.0/5.1) auf einem sehr gut aufbereiteten Niveau! Das Bonusmaterial befindet sich auf einer Bonus-DVD und entspricht in großen Teilen dem der damaligen MGM Gold Edition. Neben einem 24-minütigen Making-of gibt es ein Special zu der zur damaligen Zeit neu eingesetzten Videotechnologie, neun kurze Fragmente eines längeren Interviews mit Peter Sellers, die Barclays Bank – Werbespots, Profile von Blake Edwards und der Produzenten Walter Mirisch und Ken Wales und neu ein 43-minütiges Henry Mancini-Special.  

Mit Der Partyschreck ist Blake Edwards Versuch, den klassischen Slapstick zu modernisieren. Eine Peter SellersOne-Man-Show, die mit bissigen Seitenhieben glänzt, sich aber auch nicht vor Albernheiten scheut. Der Partyschreck lebt von seiner Improvisation und der Lust am Chaos und der Destruktion. Auch wenn natürlich nicht jeder Gag sitzt und jede Pointe zündet, überwiegt der Spaß und der geballte Irrsinn, so dass man auch heute, mehr als 50 Jahre nach seiner Premiere, gut unterhalten wird.

Christian Funke