Der Schwanz des Skorpions - La Coda dello scorpione (Film Art)

Der Schwanz des Skorpions – La Coda dello scorpione (Film Art)

51-OZhiicCLNach dem dramatischen Tod von Kurt Baumer hat dessen Frau Lisa scheinbar ausgesorgt. Die Summe von einer Million Dollar, aus der Lebensversicherung ihres Mannes, soll so schnell wie möglich an sie ausgezahlt werden. Doch das Glück ist nicht von langer Dauer… Der bestialische Mord an Lisas drogensüchtigem Ex-Liebhaber zwingt die junge Witwe zur Flucht nach Athen.
Die Versicherungsgesellschaft hat bereits ihren besten Mann, Peter Lynch, auf den Fall angesetzt, und wittert hinter Lisas Flucht einen geplanten Betrugsversuch. Der Verdacht bestätigt sich, als Kurt Baumers Frau aus erster Ehe in Athen auftaucht, und Lisa des geplanten Mordes beschuldigt – ebenso mit dem Hintergedanken das Geld einzustreichen. Doch damit nicht genug, ein Mörder mit schwarzen Handschuhen und einem todbringenden Messer dezimiert nach und nach das gesamte Umfeld um Lisa Baumer.
Peter Lynch steht vor einem Rätsel… Wer ist der Mörder? Dreht es sich wirklich nur um das Erbe von Kurt Baumer?

Meinung zum Film:

Was ist gelb, im Layout interessant gestaltet und zaubert dem Genrefan ein breites Grinsen ins Gesicht? Genau…. Eine neue Veröffentlichung der Giallo Edition bei Film Art! Dabei gelingt es ihnen mit ihrem zweiten Beitrag dieser Reihe, gleich ein ziemlich großes Kaliber zu präsentieren: Der Schwanz des Skorpions von Regisseur Sergio Martino (Die weiße Göttin der Kannibalen, Hölle der Verdammten, Der Killer von Wien).

Martino kombiniert in seinem 1971 gedrehten Film Der Schwanz des Skorpions viele der Zutaten, die diesem Genre seinen auch heute noch gültigen Ruf einbrachten. Eine psycholola-9gisch angehauchte Pulp-Version eines klassisch – kriminellen Verwirrspiels, welches dem Zuschauer ständig neue Verdächtige präsentiert, die dann entweder ihre Unschuld beweisen oder dem weltlichen Dasein durch vorzeitigem Ablebens Lebewohl sagen müssen, dazu laszive Erotik, angereichert mit attraktiven, oftmals eher spärlich bekleideten Damen, dass Ganze musikalisch toll untermalt. Die gezeigte Gewalt ist in der Regel grob, das Blut sehr rot und macht sich aus filmischer Sicht hervorragend im visuellen Kontrast zu schwarzem Leder.
Der Schwanz des Skorpions besitzt viele weitere Qualitäten, die ihn heute noch genauso gut goutierbar machen wie vor vierzig Jahren. Charismatische, überzeugende Darsteller, allen voran eine wunderhübsche Anita Strindberg (The Child), eine fesselnde Story, die aber übertrumpft wird von visuellen Spielereien, die die Spannungskurve für den Zuschauer auf einem konstant hohen Level hält.

Film Art präsentieren auch mit dem zweiten Beitrag ihrer Giallo Edition, Der Schwanz des Skorpions, eine auf 1000 Stück limitierte Veröffentlichung unzensiert und auf hohem Niveau! Der Film liegt im 2,35:1 Cromoscope vor, der Ton beinhaltet sowohl die deutsche Kino- als auch die Videosynchronisation, so wie die italienische Tonspur, alle im DD 1.0 Mono. Der geneigte Fan findet zudem ein Booklet mit einem informativen, gut lesbaren Text von Rochus Wolff, so wie ein exklusives, knapp halbstündiges Interview – Featurette mit Sergio Martino, eine Bildergalerie mit seltenem Aushangmaterial, dem deutschen Vor- und Abspann und einigen Trailern.

aqaw-2Der Schwanz des Skorpions ist eines der Beispiele, wo sich die Story eindeutig ganz dem Willen des visuellen Stils beugt. Man mag als Zuschauer miträtseln, wer denn in dem Verwirrspiel der falschen Fährten und der unschuldig verdächtigten der wahre Täter ist, letztendlich aber liegt für den Betrachter ein größerer Reiz auf der Experimentierfreudigkeit der Inszenierenden. Somit ist Der Schwanz des Skorpions ein Genrebeitrag, der den verantwortlichen Regisseur Sergio Martino auf dem Weg zum Höhepunkt seines Schaffens zeigt. Auch wenn aus formaler Sicht sein im gleichen Jahr entstandener Film „Der Killer von Wien“ noch eine Spur virtuoser erscheint, zeigen sich schon hier einige der für ihn markanten Merkmale deutlich auf. Eine entfesselte Kamera, die musikalisch sehr abwechslungsreiche Untermalung von Bruno Nicolai und eine Bildgestaltung, die beinahe hypnotisch erscheint, machen den Film zu einem Klassiker für Genrefans und die Veröffentlichung von Film Art zu einer Perle jeder Sammlung.

Christian Funke-Smolka