„Der Überläufer” (Pandastorm Pictures)

„Der Überläufer” (Pandastorm Pictures)

Regie: Florian Gallenberger

mit Jannis Niewöhner, Malgorzata Mikolajczak, Bjarne Mädel, Florian Lukas, Katharina Schüttler, Alexander Beyer, Leonie Benesch, Ulrich Tukur u.v.m.

Im letzten Kriegssommer 1944 strandet der junge Wehrmachtssoldat Walter Proska (Jannis Niewöhner) auf dem Weg Richtung Ostfront bei einem Haufen versprengter deutscher Soldaten. Auf verlorenem Posten und von den eigenen Truppen aufgegeben, erteilt der sadistische Unteroffizier Willi Stehauf (Rainer Bock) ihnen im Niemandsland der polnischen Wälder immer menschenverachtendere Befehle.

Eine Begegnung mit der jungen polnischen Partisanin Wanda (Malgorzata Mikolajczak) und Gespräche mit seinem Kameraden Kürschner (Sebastian Urzendowsky) lassen Proska immer stärker an der Richtigkeit seines Auftrags zweifeln. Als die Rote Armee näher rückt, gerät der junge Soldat in Kriegsgefangenschaft und kann sich nur noch retten, indem er zum Feind überläuft…

Oscar-Preisträger Florian Gallenberger erzählt in „Der Überläufer“ eine unter die Haut gehende Geschichte über den ewigen Konflikt zwischen Pflicht und Gewissen und den alltäglichen Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs. Die Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Siegfried Lenz vermittelt einen tiefen Einblick in die Zerrissenheit der deutschen Kriegs- und Nachkriegsjahre und ist mit u.a. Ulrich Tukur, Katharina Schüttler, Florian Lukas und Bjarne Mädel bis in die Nebenrollen herausragend besetzt.

© Pandastorm Pictures

Meinung zur Veröffentlichung:

„Krieg: das ist das grausam-lächerliche Abenteuer, in das sich Männer einlassen, wenn sie der Hafer des Wahnsinns sticht.“

Siegfried Lenz

Walter Proska (Jannis Niewöhner) ist ein junger Wehrmachtssoldat, der sich gegen den Willen seiner Familie im letzten Kriegssommer 1944 an die Ostfront begibt. Auf seinem Weg trifft er auf die junge Polin Wanda Zielinski (Malgorzata Mikolajczak) und verliebt sich in sie. Sein Weg führt ihn zu einer Gruppe von Soldaten, die von dem zynischen Unteroffizier Wilhelm Stehauf (Rainer Bock) befehligt und drangsaliert werden. Immer mehr beginnt Proska an der Richtigkeit seines Handelns zu zweifeln…

Siegfried Lenz (* 17. März 1926; † 7. Oktober 2014) war ein deutscher Schriftsteller und einer der bekanntesten deutschsprachigen Erzähler der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Neben seinem wohl wichtigsten Werk Deutschstunde setzte er sich auch in seinen anderen Büchern gerne mit dem Nationalsozialismus und einem falsch verstandenen Pflichtbegriff auseinander. So auch in seinem bereits 1951 geschriebenen, aber seinerzeit aus politischen Gründen abgelehnten und erst posthum veröffentlichten Roman Der Überläufer. Dieser wurde nun von Bernd Lange und Florian Gallenberger als zweiteiliger Fernsehfilm adaptiert. Gallenberger, für seinen Studienabschlussfilm Quiero ser mit dem Oscar ausgezeichnet, kann für seine Verfilmung auf eine sehr starke Besetzung zurückgreifen. Neben Bjarne Mädel, Florian Lukas und Ulrich Tukur ist es jedoch der grandiose Rainer Bock, der in seiner Rolle als zynischer Unteroffizier lange in Erinnerung bleibt. Angesiedelt in der Zeit zwischen 1944 und 1956 gelingt es dem Film, einen Zeitsprung vom Ende des Krieges zum Aufbau des sozialistischen Staates zu machen. Hervorragend ausgestattet und bis in das kleinste Detail authentisch wirkend, braucht dieser Fernsehfilm den Vergleich zu Kinoproduktionen nicht zu scheuen. Auch dramaturgisch gelingt es den Verantwortlichen, trotz der Lauflänge spannend zu unterhalten. Ein Film, der nahe an seinen Figuren bleibt und gerade dadurch an Intensität gewinnt.

Der Überläufer (Originaltitel: Der Überläufer, Polen/Deutschland 2020) erscheint nach seiner TV-Ausstrahlung bei Pandastorm Pictures auf DVD, Blu-ray und Video on Demand. Mir liegt zur Ansicht die Blu-ray vor, die in der Bildqualität (1,78:1 / 1080p25 / AVC) auf ganzer Linie überzeugen kann, allerdings beim Ton (Deutsch: PCM 2.0) etwas zwar gut verständlich, aber etwas schwachbrüstig ist. Im Bonusbereich befinden sich neben Programmhinweisen fünf Interviews, in denen die Darsteller zu Wort kommen. Weitere kurze Featurettes berichten über die Entstehung des Films, den Roman, dem Kostümbild oder der visuellen Umsetzung. Zudem befindet sich ein längeres Making of im Zusatzmaterial, welches detailliert auf die Entstehung des Zweiteilers eingeht.

Mit dem knapp dreistündigen TV-Zweiteiler Der Überläufer gelingt Florian Gallenberger ein hervorragend besetztes und entsprechend intensiv gespieltes Geschichtsdrama, welches sich auf faszinierende Weise mit der eigenen Identität, dem persönlichen Handeln und den eigenen Wertvorstellungen auseinandersetzt. Sehr sehens- und empfehlenswert und gerade in der jetzigen Zeit ungemein wichtig!

Christian Funke